Pimp-my-barn: Wie du deinen Pferdestall umweltfreundlich gestaltest

von Mareike Heil
Naturschutz im Pferdestall mit Hecken

Mal ganz unter uns Pferdemenschen gesagt: So naturfreundlich wie unsere Welt scheint, ist leider oftmals gar nicht. Unsere Ställe sind schnell mal Betonwüsten, oder zumindest Pflasterstein-Wüsten. Für unsere Paddocks und Offenställe und Reitplätze heben wir den Boden aus und verlegen Platten und  Vlies aus Erdölderivaten, gemeinsam mit viel Schotter und Sand, sodass jegliche Form von Bodenleben keinen Platz mehr hat. Unsere Wiesen sind häufig bis aufs letzte überweidet. Du möchtest aber unbedingt einen umweltfreundlichen Pferdestall? Naturschutz? Dann haben wir ein paar Tipps für dich!

Falls du dich allgemein mehr informieren möchtest, was du so tun kannst, um Bereiche die eigentlich eher in die Kategorie „Landwirtschaft“ fallen zu verbessern, dann schau doch mal beim “Niedersächsischen Weg” vorbei, einem ganz neuen Beschluss zur Förderung und Schutz der Artenvielfalt in der Landwirtschaft. Er wurde gemeinsam mit Naturschutzverbänden und Landwirten erarbeitet.

Außerdem kannst du dir z.B. das Projekt „Bienenfreundlicher Landwirt“ anschauen. Wir sind zwar meist eher keine Landwirte, aber dort finden sich tolle Ideen, wie du Artenreichtum fördern kannst.

Des Weiteren hat die FN einen kleinen Leitfaden zum Naturschutz im Pferdestall herausgebracht, der weitere Anreize bietet. An dieser Stelle wollen wir auch auf die Aktion „Der Grüne Stall“ (ebenfalls im FN Link ausgeschrieben!) aufmerksam machen. Noch bis zum 30.Juni kannst du dich mit deinem Pferdestall und eurer Biodiversitätsecke bewerben und ein Preisgeld gewinnen!

Nun aber zu unseren Tipps!

Artenvielfalt im Pferdestall

Da es in den letzten Jahren in aller Munde ist, sehen wir Artenvielfalt oftmals im Bezug auf Insekten. Sinnbildlich steht die Biene. Aber echte Artenvielfalt bezieht sich nicht nur auf Insekten, sondern schließt auch Pflanzen, Vögel und kleinere Säugetiere mit ein. Wäre es nicht toll, wenn unser Pferdestall voller Leben wuselt?

Ein insektenfreundlicher Pferdestall

Um Naturschutz im Pferdestall zu betreiben müssen auch unsere kleinsten Tierchen mit einbezogen werden. Bei Insekten denkt man oft direkt an: Fliegen, Bremsen, Stechmücken, Ekzem, Kokosöl, Fliegendecken, viel Arbeit usw… Dennoch tragen auch diese ihren Teil bei und sind wichtige Nahrung für Vögel und Fledermäuse. Daher geht inzwischen auch bei einigen (außer man lebt in der Nähe von feuchten Gebieten) der Trend wieder weg von Bremsenfallen, Klebebällen und Co, da oft andere Tiere unbeabsichtigt mitgefangen werden. Aber was kannst du für unsere gern gesehenen Gäste, wie Biene, Wildbiene, Hummel und Käfer, tun? 

Ringelblumen Blühmischung
Ringelblumen als Heilpflanze
Rosen mit offenen Blüten bieten Insekten ideal erreichbare Nahrung und Hagebutten im Winter
Ein Insektenhotel für den umweltfreundlichen Pferdestall
  1. Blühinseln oder Streifen in / entlang von Paddocks oder Weideflächen anlegen. Gern auch mit (Heil-)Kräutern. So kannst du dir sogar deinen eigenen Tee mischen oder dein Essen bereichern. Dabei bitte auf heimische Arten achten! So können sich die Tierchen ernähren und finden zugleich ein Versteck.
  2. „Unkraut“ – Ecken bestehen lassen: Auch wenn wir sie oftmals eher als lästig empfinden, auch Brennnesseln und Freunde haben ihre Berechtigung. Der Schmetterling Tagpfauennauge legt zum Beispiel seine Eier an Brennnesseln, wo dann ihre Larven aufwachsen. 
    Andererseits ist es ebenfalls aktiver Umweltschutz, wenn man schaut, dass manche Flächen nicht zu sehr mit einer Sorte von Pflanze zuwuchert. Monokulturen führen nie zu Artenreichtum. Auf einer Weide sagt man sollen 70% Gras und 30% Kräuteranteil wachsen. Nehmen Kräuter (oder auch ‘Unkräuter’) die Oberhand oder es wächst ausschließlich eine Sorte, sollte man eine Lösung für wieder mehr Diversität finden. Ob das nun die Nutzung von pflanzenspezifischen Spritzmitteln oder mechanische Entfernung ist, bleibt jeden selbst überlassen.  
  3. Große Steinhaufen / Sandhaufen bieten ebenfalls einen tollen Lebensraum für Insekten. Sie können sich hier eingraben und verstecken, Wildbienen finden idealen Boden zum Wohnen, ebenso wie Tausenfüßler, Asseln usw. Wobei manche es lieber sonnig warm und andere feucht und kühl mögen. Je nachdem was für Tiere du anlocken willst, kannst du so einen perfekten Platz finden.
  4. Insektenhotels: Inzwischen kann man diese überall kaufen. Dennoch solltest du ein wenig auf die Qualität achten. Manche Insektenhotels tun den Tieren leider gar keinen Gefallen, weil sie falsch konstruiert sind und sie so stecken bleiben oder ihre Flügel verletzen. Zudem gibt es spezielle Hummelhotels (und wo wir schon ständig über ihre gelb-gestreiften Genossinnen nachdenken, können wir ja auch mal die etwas Uneleganteren mitbedenken). Mehr Infos findest du hier.

Natürlich lässt sich noch viel mehr machen, aber für den Anfang reicht das allemal. Ideal wäre in jeglicher Hinsicht ein möglichst naturnah gestalteter Pferdestall zum Beispiel als Paddocktrail, anstelle eines Boxen / Paddockstalls mit viel Befestigung. Aber eigentlich kannst du alle Tipps in beiden Ställen umsetzen.

Ein vogelfreundlicher Pferdestall

Neben Insekten dürfen bei einer umweltfreundlichen Pferdehaltung natürlich auch die Vögel nicht fehlen. Naturschutz im Pferdestall ist schließlich keine Einbahnstraße auf der Insektenallee. Um Vögeln ein passenden Lebensraum zu bieten benötigen sie: Nahrung, Schutz und Brutplätze. Das gestaltest du wie folgt:

  1. Mit Hecken: Hecken zum Beispiel als Mischung aus Hainbuche, Haselnuss, Johannisbeere, Wildrose und Holunder. So finden Vögel ein Platz zum Verstecken, Nisten und ernähren, denn Insekten wissen Hecken ebenfalls zu schätzen. Wenn du eine gute Wahl triffst mit ungiftigen Pflanzen kann sogar dein Pferd an ihnen knabbern.
    Einbauen lassen sich Hecken zum Beispiel um Paddocks, als Abtrennung in Offenställen, um Reitplätze und Wiesen.
  2. Todholzhaufen bieten neben Hecken nicht nur deinem Pferd Ablenkung und Raufuttervielfalt zum Knabbern, sondern sind sehr beliebt bei Vögeln. Hier können sie reinfliegen und sich verstecken.
  3. Flache, zum Teil matschige Wasserstellen: In den letzten Sommern waren Pfützen eher rar gesät, dabei brauchen Vögel sie um etwas zu trinken. So hilft es, wenn du in Stallnähe eine flache Wasserstelle anlegst, oder eine Vogeltränke baust. Matschige, flache Wasserstellen sind besonders bei Schwalben beliebt, denn sie bauen aus dem Matsch ihre Häuser.
  4. Vogelhäuser und Schwalbennester: Unser Garten ist voll von Vogelhäusern und sie sind alle bewohnt, denn Meise, Rotkehlchen und Spatz freut sich über eine Behausung. Um den Schwalben ihr Leben zu erleichtern, kann man auch fertige Schwalbennester kaufen und diese an einen geeigneten Ort anbringen.
  5. Futterhäuschen für den Winter: Wenn wir es unseren Vögeln in den schönen Monaten schon bequem machen, sollten wir sie auch im Winter nicht vergessen. Schau am besten vorher wer bei dir lebt, um das passende Futter zu besorgen. Rotkehlchen können zum Beispiel mit Kernen nichts anfangen und benötigen idealerweise gefettete Haferflocken.
Selbstgebaute und Fertige Schwalbennester
Ein Todholzhaufen – unsere Spatzen finden ihn super!
Besonders im Sommer freuen sich Vögel über gut zugängliche Wasserstellen

Ein pflanzenfreundlicher Pferdestall

Als weiteren Beitrag zum Naturschutz im Pferdestall gehört außerdem Pflanzenschutz. Ist alles einheitlich schick und nur mit ein paar Kübelpflanzen hier und da, zusätzlich zu einer komplett abgefressenen Weide, ist das nicht wirklich umweltfreundlich. So finden sich weder Vögel noch Insekten ein. Um den Artenreichtum im Pflanzenreich auf deine Pferdehaltung auszuweiten haben wir diese Tipps für dich:

  1. Versuche möglichst viele verschiedene Arten anzusiedeln. Dies gelingt mit bewussten Pflanzungen und Blühflächen mit Wildblumenmischungen.
  2. Kreiere auch Artenreichtum in deinen Hecken: Schaue dich nach mehreren (ungiftigen) Pflanzen um und pflanze sie gemeinsam.
  3. Artenvielfalt auf der Pferdeweide gelingt meist nur mit wirklich bewusstem und sinnvollem Weidemanagement. Überweidung ist Gift für Pferd und Pflanzen. Extensive Nutzung mit einer gut gewählten Anzahl an Pferden, sinnvolle Düngung und Nachsaat von artenreichen Saatmischungen, sowie Einbindung von Bäumen und Hecken schaffen eine naturnahe Pferdeweide.
  4. Außerdem sollten besonders beim Stall und Paddockbau nicht alle Bereiche komplett ausgekoffert und mit Schotter / Paddockplatten etc. gepflastert werden, denn so nimmst du vielen Bodenbewohnern ihren Lebensraum. Nicht nur Regenwürmer sind wichtige Bodenbewohner, auch einige Käfer leben hier, genauso wie Hummeln und Wildbienen die ihre Nester im Boden haben.
Unbefestigter Boden. “Unkraut”. Hecken. Sie bieten Schatten für die Pferde und Platz für Insekten, Vögel und Pflanzen.

Verunreinigungen durch Pferdehaltung

Uns Pferdehalter:innen ist oftmals gar nicht bewusst wie viel „Zeugs“ wir in die Umwelt tragen. Schließlich haben wir doch ein Tier mit dem wir mehr oder weniger draußen unterwegs sind… Bei genauem Hinsehen stellt man aber fest, dass gänzlich ohne Plastik unser Leben nicht schaffbar ist. Mal abgesehen von unseren täglichen Utensilien, sollte man folgende Punkte im Hinblick auf den Eintrag von Mikroplastik in Umwelt einmal bedenken:

  • Kunstrasen als Paddock: 100% Plastik, wird durch die Nutzung abgetragen. Und wo landet der Abrieb? Wie wird der Kunstrasen nach unserer Nutzung entsorgt? Das wiederverwenden von noch gutem Kunstrasen ist ein guter Gedanke, aber ist das wirklich so sinnvoll für unsere Paddocks?
  • Stoffschnitzel Reitplätze: Ein Haufen von Plastik – Gemischzeugs das gut federt. Manchmal kriegt man es auch als Gemisch mit Sand. Echtes Recycling im Sinne der Wideraufbereitung ist mit sowas nicht möglich, und fliegen die Teile einmal durch die Luft, wer weiß wo sie landen? Und wo gelangt das Abwasser hin, dass durch diese durch gesickert ist? Und brauchen wir wirklich einen Reitplatz aus Stoff und Gummiresten?
  • Paddockplatten & Vlies: Man findet einige mit einem wirklich tollen Recyclingsystem. Da sie aber besonders elastisch und lange haltbar sein sollen, sind sie meist aus Plastik. Recycling ist super, aber ist es so sinnvoll riesige Quadratmeterflächen damit zu befestigen?

Dieser letzte Absatz sind nur einige Gedanken, die mir beim Recherchieren gekommen sind. Eine wirkliche Lösung für dieses Problem habe ich nicht, denn Matsch ist definitiv auch nicht das Wahre. Kunstrasen und Stoffschnitzel wird es bei mir in Zukunft nicht geben, aber Paddockplatten sind schon sinnvoll. Erdöl hin oder her. Und biologisch abbaubar wäre wirklich eine schlechte Eigenschaft für sie. Hast du eine Idee? Schreib uns doch gern!

Fazit

Umweltfreundlichkeit im Reitsport ist definitiv etwas woran wir noch arbeiten müssen. Allgemein Nachhaltigkeit im Reitsport. Da haben wir die letzten Jahre schön geschlafen. Umso schöner ist es, dass langsam tolle Ideen entstehen. Mit etwas Kreativität und pflanzlichem Know-How gelingt aber auch der Aufbau eines umweltfreundlichen Pferdestalls mit viel Artenreichtum. Naturschutz im Pferdestall geht also auch und ist gar nicht so schwer, wie man denken mag.

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