Wie du dein Pferd bei einer Sehnenverletzung unterstützt

von Mareike Heil

Plötzlich trat das Pferd gegen die Cavalettistange, kam aus dem Takt, stolperte und fiel auf die Nase. Man läuft hin und kontrolliert die Beine auf Wunden. Keine da, also als „Schreck lass nach“ noch einmal über das Cavaletti. Eine Woche später dann der Supergau. Das Pony lahmt plötzlich stark, will sich kaum bewegen und die Sehne am Vorderbein wirkt leicht dick. Das Resultat ist eine Sehnenverletzung und die schnell aufkommende Frage: Wie kann ich eigentlich mein Pony mit Sehnenverletzung im Heilungsprozess unterstützen?

Als Ursache einer Sehnenverletzung kommen häufig kleinere bis größere Unfälle in Frage, wie das Stolpern über eine Stange, Hinfallen durch Ausrutschen, Wegknicken, Stolpern mit Gleichgewichtsverlust. Das Vertreten oder Umknicken in einem Loch auf der Weide oder beim Ausritt, sowie Überbelastung durch einseitige oder zu starke Belastung im Training. Zudem kommt es auch etwas auf die Fesselung an und ob das Pferd eher geschmeidige Sehnen hat oder sehr steif ist.

Resultat ist dann häufig eine Sehnenprellung, ein Sehnenanriss oder auch ein Sehnenabriss / Sehnendurchriss. Generell sind Sehnenverletzungen immer eine langwierige Angelegenheit, da das Gewebe ausreichend Zeit braucht um wieder gut zusammen zu wachsen. Daher können bis zur vollständigen Heilung und dem Wiederbeginn des normalen Trainings mehrere Monate bis 1 Jahr vergehen.

Die Erstphase der Sehnenverletzung

Wenn nun dein Pferd plötzlich lahmend vor dir steht und du weißt, dass es in den letzten Tagen einen kleineren bis größeren Unfall hatte – und sei es nur stolpern über einen Maulwurfshügel – ist es ratsam als erstes einen Tierarzt oder eine Tierärztin zu rufen. Eine geschwollene Sehne oder ein geschwollener Muskel sind oft Anzeichen dafür, dass hier etwas nicht stimmt.  

In der ersten Zeit wird dir dein Tierarzt oder deine Tierärztin vermutlich ein Schmerzmittel mit Entzündungshemmer geben. Vertraue hier ruhig auf deinen Tierarzt / deine Tierärztin und beobachte einfach dein Pferd sehr genau. Je nachdem wie es sich verhält, kannst du weiteres wie eine Verringerung der Dosis oder auch Erhöhung mit ihm / ihr absprechen. Es macht Sinn deinem Pferd die Schmerzen nehmen zu wollen, auch wenn es oft nicht so gut ist diese komplett zu nehmen, damit es nicht zu früh wieder zu einer Überlastung kommt und sich die Situation verschlimmert.

Ist die Schwellung verschwunden lohnt sich die Investition in einen Termin zum Ultraschall, denn nur so kann genau festgestellt werden welche Sehne Probleme bereitet und welches Ausmaß die Verletzung hat. Nur danach kann ein wirklich sinnvolles und reflektiertes Urteil gefällt werden wie die weitere Behandlung und auch Prognose für die nächste Zeit aussieht. Hat dein Tierarzt / deine Tierärztin kein Ultraschallgerät, so kannst du ihn / sie bestimmt nach Kollegen/innen fragen die aushelfen würden.

Und nun? Abwarten und Tee trinken? Keinesfalls! So kannst du dein Pferd unterstützen.

Oft stellt sich nach dieser ersten Zeit die Frage was nun zu tun ist. Kann das Pferd weiterhin mit bei seinen Stallfreunden leben hat es zwar etwas Beschäftigung, durch die lange Arbeitspause wird es aber deutlich an Muskulatur verlieren und bei nicht angepasster Fütterung zunehmen. Somit besteht die Gefahr, dass der Wiedereinstieg ins Reiten sich deutlich verzögert und durch zusätzliches Gewicht die geschädigte Sehne weiter belastet wird.

Wird dem Pferd konsequente Boxenruhe verordnet, oder wird es allgemein in der Box / Paddockbox gehalten verstärken sich all diese Faktoren noch einmal. Zudem fällt die Beschäftigung durch Artgenossen weg, was eine zusätzliche psychische Belastung darstellt. Zudem ist für die gute Heilung einer Sehnenverletzung eine gewisse Belastung auf hartem Boden auch förderlich, was in einer gestreuten Box nicht gegeben ist.

Vergesse niemals die psychische Belastung auch so einer Erkrankung für dein Pferd!

Damit dein Pferd nun also in der Zeit ohne Training und viel Bewegung nicht extrem Muskeln abbaut, es beschäftigt wird und somit auch psychischen Problemen vorgebeugt werden bieten sich einige Lösungen an. Mit diesen kannst du sowohl den Heilungsprozess unterstützen, als auch dein Pferd beschäftigen und brauchst selbst keinesfalls abwarten und Tee trinken!

Hinweis: Es ist sinnvoll, wenn du all diese Ansätze bei Unsicherheiten mit dem Tierarzt / der Tierärztin deines Vertrauens oder deinem / deiner Pferdetherapeut:in besprichst.

Besorge dir eine Kühlgamasche    

Es gibt diverse Möglichkeiten – und besonders auch teure – wie du die Beine deines Pferdes kühlen kannst, es gibt aber auch günstige und einfach, wie eine Kühlgamasche zum Umwickeln z.B. aus dem Petphysio-Shop (Werbung unbezahlt). Sehnenschwellungen sollten immer gekühlt werden (außer es ist nun tiefster Winter, da bitte auf die Außentemperatur achten!). Die Kühle lindert die Schwellung und Entzündung, der Druck hilft beim Abtransport der Lymphe.        

Akupressur bei Sehnenverletzungen

Akupunkturbehandlungen sollten nur durch qualifizierte Pferdetherapierende durchgeführt werden (Anmerkung einer Pferdeakupunkteurin: Und nein es zeugt definitiv nicht von Qualität die Nadeln im Pferd zu belassen und zu fahren!). Kann dein:e Therapeut:in auch Akupunktur = Super! Du kannst aber auch selbst ein paar Punkte akupressieren (mit den Fingern massieren) um dein Pferd zu unterstützen. Diese sind:

  • Di4 (gegen Schmerzen)
  • Gb34 (Meisterpunkt für Sehnen und Muskeln)
  • Dü3 (wichtiger Punkt bei Problemen der Vorhand)
  • Bl40 (wichtiger Punkt bei Problemen der Hinterhand)
  • MP6 (Lymphfluss anregend)
Akupressurpunkte für eine Sehnenverletzung

Es gibt natürlich noch einen Haufen mehr, aber diese sollten für einen Einstieg genügen. Akupressiere sie jeden zweiten Tag. Wenn du wenig Zeit hast kannst du jeden Punkt 1-2 Minuten halten / massieren. Wenn du viel Zeit hast halte sie so lange bis dein Pferd eine Reaktion zeigt (müde werden, gähnen, kauen, blinzeln…)

Möglicherweise zeigt dein Pferd auch Abwehrreaktionen. Dann sei einfach vorsichtig, verändere deine Technik und schau was dein Pferd entspannt. Beobachte einfach sehr genau wie dein Pferd reagiert.

Lymphdrainage bei Sehnenverletzungen 

Eine Lymphdrainage ist insofern sinnvoll und angebracht, da zum einen die Schwellung um die Sehne herum sich auflösen sollte und zum anderen kann es durch die wenige Bewegung – besonders bei Boxen- / Paddockboxhaltung – zu Lymphansammlungen kommen. Die Lymphflüssigkeit wird nämlich nur durch Muskelaktivität bewegt.

Für eine Lymphdrainage solltest du eine:n Therapeut:in zu Hilfe holen, aber vielleicht kann diese:r dir ja zeigen wie du den nächst gelegenen Lymphknoten durch Massage öffnen kannst, um somit deinem Pferd öfter helfen zu können. Es ist vollkommen verständlich wenn sich nicht jeder ständige Besuche von Therapierenden leisten kann und manche Dinge aber gern selbst weiterführen möchte.

Es gibt auch noch einige Massagetechniken aus dem TTouch die man hier auch gut anwenden kann, wie zum Beispiel den Oktopus-Touch. Über TTouch gibt es ein sehr ausführliches Buch in dem du alles was du wissen musst finden kannst.

Und was ist nun mit Bewegung?

Die Menge und Art der Bewegung solltest du gerade am Anfang einmal mit deinem Tierarzt / deiner Tierärztin durchsprechen. Meist kann man nach einer kurzen Pause mit sehr kleinen Schrittspaziergängen auf hartem Boden beginnen. Mit Klein meine ich 5 – 10 Minuten am Tag. Je nachdem wie dein Pferd läuft kannst du es dann nach und nach steigern. Auch hierbei solltest du dein Pferd gut beobachten. Fängt es zb auf dem Rückweg wieder leicht an zu lahmen, war es schon zu viel und du musst doch noch etwas weniger weit gehen.

Harter Boden eignet sich am besten, denn hierauf kann sich das Gewebe an Erschütterungen gewöhnen und du siehst und hörst auch viel schneller wenn dein Pferd wieder taktunrein geht.

Kleine Anekdote, auch damit du nicht zu übereifrig wirst: Das Pony meiner Schwester hat sich Ende März die Sehne verletzt, nun Mitte August ist sie wieder so weit, dass man sie ohne Sattel eine kleine Runde im Schritt mit ein paar Schritten Trab reiten kann. Es hat also 5 Monate gedauert bis sie wieder ansatzweise reitbar war und ihre Sehne war nur leicht verletzt. Hab also durchaus Geduld und gib deinem Pferd die Zeit!

Isometrische Übungen & Tricks – Wir spielen „Ich schubse mein Pferd um“

Isometrische Übungen helfen dabei die Kernstabilität aufrecht zu erhalten bzw. zu trainieren. Sie werden im Stand trainiert und können somit auch perfekt in der Box gemacht werden. Dabei stellst du dich seitlich neben dein Pferd z.B. an der Kruppe, legst deine Hänge auf den Hüftknochen und fängst an dich gegen dein Pferd zu lehnen. Dein Pferd soll dabei stehen bleiben und im Idealfall beide Beine gleich belasten. Den Druck hältst du dabei eine Zeit lang aufrecht bis du ihn wieder lockerst. Nach kurzer Pause fängst du wieder an.

Sehr gut kann man diese Übungen an der Kruppe und Schulter machen. Viele Pferde finden das am Anfang seltsam: Einem Druck nicht weichen, sondern dagegen halten. Aber nach einiger Zeit geht es. Eine ähnliche Übung sind intrinzen-inspirierte Crunches.

Als weitere Übungen kannst du auch kleine Tricks mit dem Clicker einbauen, nur sollte dabei nie zu viel Belastung auf dem kaputten Bein sein. Du kannst z.B. dabei die Dehnübungen einbauen zur Seite, nach Unten und ganz kreativ dein Pferd mit der Nase zu jeglichen Körperstellen führen. Hufe anheben auf Fingerzeig (oder mit lustigen Kommandos?) bietet auch Beschäftigung.

Zuletzt, wenn dein Pferd schon wieder besser drauf ist, kannst du auch Matten oder vllt auch Wippen einbauen und so euer Bodenarbeitsspektrum erweitern.

Fazit

Sehnenverletzungen sind eine langwierige und anstrengende Angelegenheit, aber um der eigenen Hilflosigkeit vorzubeugen und deinem Pferd Beschäftigung und Heilungsunterstützung zu bieten gibt es einige Mittel und Wege, wie du hoffentlich sehen konntest. Unsere Neva wird nun wieder langsam wieder ins Reittraining genommen und man merkt, dass sie wirklich keine Lust mehr hat rumzustehen und spazieren zu gehen. Mit diesen paar oben genannten Tipps (und alle selbst getestet) hoffe ich, dass du auch während einer Sehnenverletzung mit deinem Pferd Freude haben kannst. Ganz ohne Reiten

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