Wie du Bewegungsanreize in deinen Offenstall integrierst

von Mareike Heil
Beitragsbild bewegung offenstall

Wir fragen uns oft, wie wir unsere Pferde gesunderhaltend trainieren können. Wie wir Sehnenschäden vermeiden und eine gesunde Muskulatur für das Reiten aufbauen. Zu gern vergessen wir aber, welchen Effekt ein bewegungsfreundlicher Pferdestall bieten kann. Ist das Haltungssystem unseres Pferdes so ausgelegt, dass es Bewegungsanreize schafft, haben wir eine tolle Grundlage, auf der wir im Training aufbauen können. Deshalb erfährst du in diesem Artikel, welche Möglichkeiten der Stallgestaltung sich bieten – sowohl für die Planung eines Neubaus, als auch für bereits bestehende Offenställe.

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Mein Pferd lebt in einer (Paddock-) Box. Was kann ich tun?

Ganz ehrlich? Dir einen neuen Stall suchen. Aus Bewegungsgründen und für einen gesunden Bewegungsapparat gibt es keinen Grund ein Pferd – ein Lauftier, welches sich vorzugsweise langsam wandernd vorwärts bewegt – in einer Paddockbox oder Box zu halten. In einer Studie von Gundula Hoffmann (1) wurde zwar auch gezeigt, dass die Bewegungsmenge von Pferden in Paddockboxen und Pferden in simpler Offenstallhaltung kaum auseinander gehen, aber dort hatte jedes Pferd einen 45 qm Paddock für sich selbst zu Verfügung. Die meisten Paddocks sind hierzulande deutlich kleiner. Da das Ziel aber viel freie Bewegung ist, ist eine Paddockbox dafür nicht geeignet. Ein Offenstall kann hingegen angepasst werden. Wie groß der Paddock deines Pferdes ist, kannst du mit einem Zollstock selbst sehr schnell herausfinden.

Hier findest du auch die Vorgaben des Tierschutzgesetzes, welche Ställe erfüllen müssen.  (Größe von Stall & Auslauf)

Dennoch stehen vermutlich an die 60% der Pferde in Deutschland in Boxenställen oder in Paddockboxen. Diese stammen noch aus der Zeit, als Pferde Arbeitstiere waren und sich den ganzen Tag bei der Arbeit bewegen mussten. Als heutiges Freizeitpferd ist das nicht mehr passend. Dennoch gibt es ein paar Gründe die für eine Paddockbox / Box sprechen. Zum Beispiel als Genesungsort bei / nach einer Krankheit, wenn es wie bei Maria’s Corny große Probleme im Sozialverhalten gibt, wenn das Pferd Älter ist und insbesondere Nachts gern seine Ruhe hat, weil es seit 25 Jahren nichts anderes kennt, usw. Für alle anderen gilt: Auf in den Offenstall / Bewegungsstall, denn damit bietest du deinem Pferd nicht nur die natürlichste Haltungsform, sondern auch einen robusteren Bewegungsapparat.

Ein Offenstall reicht für die Bewegung meines Pferdes

Es kommt darauf an. Ist der Offenstall sehr simpel gehalten – mit einem Stallbereich, einem Futterplatz und Tränke nahe bei, und einem großen, übersichtlichen Paddock aufgebaut – liefert dies einem Pferd nur wenige Anreize zur Bewegung. Das konnte zum Beispiel in beiden Studien von Hoffmann (1 & 2) gezeigt werden. Daher muss hierbei das Pferd regelmäßig (ideal täglich) anderweitig bewegt werden, damit es seinen natürlichen Bewegungstrieb ausleben kann. Bietet der Stall aber bereits kleine Anreize, wie verschiedene Plätze fürs Futter, die Tränke und zum Schlafen, bringt dies bereits mehr Bewegung.

Warum ist die Bewegung auch außerhalb des Trainings so wichtig?

Kathy Sierra von Intrinzen sagt immer, wir trainieren unsere Pferde für die 23 Stunden die es ohne uns ist, nicht für die 1 Stunde wo wir da sind. Und damit hat sie recht. Daher ist es aus Freizeitreiter:innen-Ausreit-Sicht für mich viel sinnvoller meinen Stall bereits so zu gestalten, dass mein Pferd sich selbst etwas trainiert, als dass es nur rum steht und sich dann beim Weidegang wegen einem Maulwurfshügel einen Sehnenschaden holt, gegen den ich die eine Stunde am Tag gar nicht antrainieren kann. Wir sind das, was wir am häufigsten machen. Stehe ich 23 Stunden nur rum, kann ich keine Trittsicherheit par excellence im Gelände erwarten.

Außerdem sind Muskeln, Sehnen und Gelenke, sowie der Stoffwechsel (von uns und unseren Pferden!) darauf ausgelegt sich regelmäßig zu bewegen. Die Atmung wird angeregt, Darmtätigkeiten verbessern sich, Muskeln werden durchblutet und so mit Nährstoffen versorgt, Gelenke bewegt. Nicht-Nutzung führt zu Verschleiß, Nutzung ermöglicht Gesunderhaltung bis ins hohe Alter.

Welche Haltungsarten bieten sich an?

Die Haltungssysteme Offenstall, Aktivstall, Trail, etc. werden alle schon in diversen Beiträgen im Internet, sowie in Studien diskutiert. Fakt ist, dass ein Paddocktrail* – neben einem Aktivstall – die derzeit artgerechteste Weise der Pferdehaltung ist, auch eben im Bezug auf das Bewegungsbedürfnis. Besonders ein Paddocktrail bietet durch seine langen Wege viele vielfältige Bewegungsmöglichkeiten.

Aber nicht jede:r von uns kann sich einen Neubau auf diese Weise leisten, daher möchte ich hier nun darauf eingehen, was man alles auch in bestehende Offenställe aufnehmen kann, um mehr Bewegungsanreize für sein Pferd zu setzen. Ausgenommen hiervon sie wie gesagt Paddockboxen und Boxen, denn diese bieten schlicht viel zu wenig Raum für ausgiebige Bewegung.

Das Offensichtliche umlagern. Für mehr Bewegungsfreude.

Will man einen bewegungsfreundlichen, gymnastizierenden Offenstall (ich nutze diesen Begriff hier nun als Überbegriff für alle Haltungsformen, wo die Pferde in einer Gruppe gemeinsam draußen leben und sich einen Unterstand teilen) basteln, empfehlen alle Studien und auch vielfältige Artikel, dass man zunächst die Hauptaufenthaltsorte seines Pferdes auseinander zieht.

  • Futter / Heuraufen
  • Tränken
  • Stall / Schlafplatz

sollten weiter auseinander liegen, damit das Pferd zwischen den einzelnen Stationen pendelt. Hat man besonders viel Platz, kann man auch noch über folgende Ergänzungen nachdenken:

  • Ruheunterstand
  • Wälzplatz
  • Pferdetoilette

Aber sein wir ehrlich: Bei einem Neubau kann man sowas wunderbar bedenken. Würde ich aber in meinen eigenen, bestehenden Offenstall versuchen noch einen Pferdetoilette und einen Ruheplatz (mit Dach) unterzubringen, wäre nicht mehr viel übrig vom „Offen“stall.

Bewegungsanreize im Pferdestall durch minimale Anpassungen

Neben so großen Umbaumaßnahmen – Tränken und Heuraufen zu verlegen ist ja nicht immer gerade leicht – bieten sich auch kleinere Maßnahmen und Anpassungen an, um die Aktivität zu erhöhen, Vielfalt zu bieten und somit den Bewegungsapparat ausgewogen zu belasten.

Verschiedene Untergründe

Sie regen die Mechanorezeptoren (Nerven) an und unterstützen die Propriozeption, also Körperwahrnehmung. Außerdem kommen verschiedene Untergründe der Natur sehr nah. Sowohl im Bezug aufs Ausreiten, als auch im Bezug auf eine möglichst ursprüngliche Lebensweise. Das kannst du nutzen:

  • Befestigte Böden mit Rasengittern, Beton, Pflastersteinen etc. Lassen sich außerdem gut sauber halten.
  • Einstreu aus Stroh, Späne, Miscanthus oder Holz.
  • Sand
  • Fester Schotter
  • Kies und ein Steinbett
  • Naturboden
  • Wiese

Baumstämme

Sie unterteilen den Offenbereich, das Pferd muss mehr aufpassen, seine Beine heben und kann sich daran scheuern. Man kann sie:

Wall

Pferde stehen gern auf einem Aussichtsplatz. So können sie ihre Umgebung überblicken und mögliche Gefahren schneller entdecken. Außerdem fördert ein Wall die eigene Motivation Bewegungen auszuprobieren. Ein Wall unterstützt zudem die Sicherheit beim hinauf und herab gehen (knackiger Popo!).

Sandhaufen

Ein Sandhaufen ist ähnlich einem Wall, nur dass er kleiner ist und man nicht so gut darauf stehen kann (als Pferd). Aber gerade neugierige Pferde krabbeln gerne darauf herum, wühlen auch mal darin oder legen sich drauf, wenn der Haufen sich verteilt.

Advanced – Für Offenstall – Profis

Natürlich sind bei all diesen Sachen der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Hat man genügen Platz (und Kapital 😉 ), lässt sich so ein Trail wunderbar gestalteten oder ein alter Offenstall verwandeln. Lange Wege und eine naturnahe Gestaltung mit Hecken, Bäumen, Wäldchen, Abtrennungen, verschiedenen Fress- und Ruheplätzen lassen sicherlich so manches Pferde- und Besitzer:innen Herz höher schlagen. Mehr Ideen findest du hier.

Falls du also tatsächlich alles was nötig ist zu Verfügung hast, könntest du auch noch ein Wasserbett (vielleicht sogar mit natürlicher Bepflanzung!) anlegen, durch welches die Pferde furten müssen, um in einen anderen Bereich zu gelangen. Oder du baust eine kleine Hängebrücke ein, wie beim Agility. Das ist zwar nicht naturnah, aber für Ausritte sicherlich hilfreich und könnte dem ein oder anderen Pferd viel Spaß bringen.

Fazit

Ich gebe zu, so ein „Spieleparadies aka Paddocktrail“ ist mein ganz persönlicher Traum vom Pferdestall. Mein jetziger Offenstall ist dagegen zwar nett und meine beiden Ponys haben viel Platz, aber so richtig zur Bewegung anregen tut der wahrscheinlich nicht. Er bietet besonders im Winter bei ganz schlechtem Wetter keine tolle Aussicht, weil dann die aussichtsreichen Orte abgesperrt sind (Matsch). Schlafen, Futter und Wasser liegen direkt nebeneinander, denn für eine Raufe ist an einem anderen Ort kein Platz. Gleiches gilt für das Wasserfass. Mit kleinen – Schönwetter – Erweiterungen versuche ich das abzufangen und Äste zum Knabbern verteile ich in der letzten Ecke. Dennoch ist es gerade im tiefsten Winter meist eher so lala. Aber irgendwie wollen die zwei da auch nicht von selbst aus dem Stall raus …

Vor dem Winter werde ich nun noch einen Sandhaufen liegen lassen, auch weil der Paddock neuen Sand braucht, und was übrigbleibt, ist dann eben ein Haufen. Ein paar Baumstämme werden auch verteilt, denn an einer abschüssigen Stelle rutscht der Naturboden etwas weg. So kann ich ihn fixieren und gleichzeitig Abwechslung für die Ponys reinbringen. Nichts ist perfekt, mein Stall auch nicht.

Quellen / Zum weiter Lesen

Voswinkel, Lena. „Einfluss der Bewegungsaktivität auf die Wachstums- und Ausdauerparameter beim Pferd“. 2009.

Pick et al. „Artgerechte Haltung des Pferdes“*. 2016.

LWK Niedersachsen. “Was Sie über Pferdehaltung wissen sollten”

(2) Hoffmann et. Al. „Einfluss des Haltungssystems auf die Bewegungsaktivität und Stressbelastung bei Pferden in Auslaufhaltungssystemen“. Landbauforschung – vTi, 2009.

(1) Hoffmann et. Al. „Bewegungsverhalten von Pferden in der Gruppenhaltung“.

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