Wie deine Atmung das Reiten beeinflusst

von Maria
oder auch

Locker durch die Hose atmen

Obwohl es essentiell zum Leben ist, setzen wir alle bei Anstrengung ab und zu das Atmen aus. Jeder von uns wird vom/ von der Reitlerhrer:in gesagt bekommen haben, dass man das Atmen nicht vergessen solle. Oftmals ist das Luftanhalten durch Sitzfehler und/ oder eine innere Anspannung beim Reiten begründet. 

Atemanatomie

Der wohl wichtigste Atemmuskel ist das Zwerchfell. Es befindet an dem vorderen Wirbelsäule und zieht entlang der letzten Rippen nach vorne bis zum Brustbein. Dabei ist es die Abtrennung zwischen Bauchraum und Brustkorb. Das Zwerchfell steht sowohl mit der Lunge und dem Herzen wortwörtlich in Verbindung, als auch mit beispielsweise der Leber, dem Magen und der Milz. Bei der Einatmung spannt es sich nach unten an und verschafft der Lunge mehr Platz, um sich mit Luft zu füllen. Dabei werden die Bauchorgane ein paar wenige cm (ca. 2-3) nach unten verschoben. Bei der Ausatmung entspannt sich das Zwerchfell wieder. Die Bauchorgane schieben wieder nach oben und die Lunge vermindert ihr Luftvolumen.

Sitzfehler

Bei den Sitzfehler geht die abgeflachte oder angehalten Atmung mit zu viel Bauchspannung einher. Sehr gut zu beobachten, ist das ganze beim Aussitzen. Reiter, die hinter ihre Senkrechte fallen, müssen automatisch den Bauch vermehrt anspannen, um das Gleichgewicht zu halten. Darunter leidet eine gleichmäßig Tiefe Atmung und der Druck im Bauchraum steigt. Die Bauchorgane werden an Ort und Stelle gehalten und Zwerchfell und Lunge habe nicht mehr die Möglichkeit sich nach unten zu entfalten.

Psychischer Faktor

Bei der inneren Anspannung können psychische Faktoren ausschlaggebend sein. Z. B. schlechte Erfahrungen beim Reiten, die immer wieder dazu verleiten, dass der Atem im wahrsten Sinne des Wortes zum Stocken kommt. In ängstlicher Erwartung, dass etwas passiert (Pferd geht durch, buckelt oder steigt), spannt man als Reiter an und verkrampft damit seinen Körper. Eine ruhige und tiefe Atmung entfällt.

Konsequenz für dich und dein Pferd

Egal aus welchem Lager dies falsche Atmung entsprungen ist, die Konsequenz ist die gleiche. Der Körper des Reiters verspannt sich. Die eigene Losgelassenheit leidet unter diesem Phänomen und überträgt sich aufs Pferd. Einige Pferde können gut damit umgehen und lassen sich über diese vermehrten Spannungszustände hinwegreiten. Doch ebenfalls gibt es die Kategorie an Pferd, die sehr sensibel ist und mehr Spannung, egal ob am Zügel oder Schenkel, nur schwer erträgt und sich tendenziell gegen den Reiter anfängt zu sperren oder der Fluchttierreflex einsetzt. Denn aus der Sicht des Pferdes betrachtet: Warum sollte ein (ängstlich) angespannte Reiter nicht gerade auf der Flucht sein? Es gibt sonst für das Pferd keinen Grund sich so fest zu machen. 

Das Ziel des Reiters muss es hierbei sein wieder in ein Gleichgewicht zu kommen. Die eigene (innere) Losgelassenheit zu fördern und seinen eigenen Sitz dahingehend zu korrigieren wieder in die Senkrechte bzw. ins Lot zu gelangen.

Dafür gibt es verschiedene Methoden die ich dir vorstellen möchte.

Übungen für dein Problem

Zum Einen empfiehlt es sich eine Sitzschule an der Longe zu machen, um den Fokus wirklich nur auf die Atmung und die Korrektur des Sitzes zu legen. Dies wird dir helfen langfristig mit deinem Pferd einen besseren Kontakt von oben aufzubauen und es gesünder zu reiten.

Als ein weiterer Schritt ist eine bessere Wahrnehmung für die Atmung zu empfehleb. Dafür habe ich eine kleine Anleitung bei Instagram geposted, die du dir gerne anhören und ausprobieren kannst.

Wenn du ein Problem mit Angst während des Reitens hast, kannst du schauen, dass du dich geistig auf dein Pferd begibst. Hierfür such dir einen ruhigen Ort und gehe im Kopf deine Reitroutine durch. An welchem Punkt gerätst du ins Stocken? Genau diese Situation nimmst du dir raus und atmest einfach weiter. Du versuchst deinen Körper ganz entspannt zu lassen. 

Stellen wir uns vor dein Pferd scheut immer wieder an der selben Ecke, obwohl es schon 100 Mal dran vorbeigegangen ist, ohne dass etwas passierte. Jedes Mal spannst du schon in der Erwartung, dass es sich wiederholt an. Damit signalisiert du deinem Pferd, dass es sich fluchtbereit halten muss. Der Kreis schließt sich. 

Wenn du nun als erstes vom Boden aus versuchst dir ein Idealbild im Kopf zu schaffen, in dem du entspannt weiter atmest, kannst du es beim nächsten Mal deutlich bewusster auf dem Pferd umsetzen. Diese Methode wird in diversen Sportarten angewandt, um Fehler als erstes vor dem geistigen Auge zu korrigieren und damit ebenfalls einen Trainingseffekt zu erzielen. 

Quellen: 

Reiten aus der Körpermitte – Sally Swift 

Michael Schünke, Erik Schulte,  Udo Schumacher-  PORMETHEUS allgemeine Anatomie und Bewegungssystem

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