Ursachen für Hufrehe beim Pferd – das Grauen erklärt

von Mareike Heil

Die Symptome für Hufrehe beim Pferd sind bekannt: Die Hufe sind warm, das Pferd steht mit den Vorderbeinen nach vorn gestreckt, hängendem Kopf und Schmerzgesicht da und will sich nicht bewegen. Der Tierarzt kommt und nennt das Grauen beim Namen: Hufrehe. Um den Auslöser für Hufrehe ranken sich viele Vorstellungen und Meinungen. Aber was ist denn nun die Ursache für Hufrehe beim Pferd? Dem gehen wir auf die Spur.

Eine Einordnung:
Hufrehe (auch Pododermatitis diffusa aseptica (Lat.) oder Laminitis (Engl.)):
Die Hufrehe ist ein Syndrom bei dem es zu einer Beschädigung der Lamellenstruktur des Hufes kommt. Die Verbindung zwischen Hufwand und Hufbein kann nicht mehr aufrechterhalten werden, da verschiedene Prozesse des Körpers zu einer reduzierten Versorgung und diversen zellulären Vorgängen führt. Die Lamellenstruktur des Hufes ist dafür zuständig das Gewicht des Pferdes abzufangen, um zu verhindern, dass das Hufbein durch die Hufsohle gedrückt wird.

Da Hufrehe auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist, werden diese in drei Kategorien eingeteilt:

  1. Sepsis / systemische Entzündung
  2. Endokrine / metabolische Dysfunktion
  3. Mechanische Überlastung / Trauma

Nach diesen drei Kategorien wird in der aktuellen Forschung alles eingeteilt, was mit der Untersuchung von Hufrehe zu tun hat. Um einen möglichst guten Überblick zu bieten, betrachten wir die Felder nun einmal einzeln im Detail.

Fruktan als Ursache für Hufrehe

aka Eine Hufrehe durch Sepsis / Systemische Entzündung

Zu dieser Oberkategorie gehören natürlich auch noch diverse Unterkategorien, welche als auslösende Faktoren hier eingeordnet wurden. Dazu gehören die Aufnahme von toxischen (giftigen) Pflanzen /Stoffen, die Aufnahme von zu vielen Nicht-Strukturellen Kohlenhydraten (NSC / NFC), wie Fruktan oder Stärke und eine Endometritis (Gebärmutterentzündung).

Giftpflanzen wirken auf ganz unterschiedliche Weise auf den Körper, den Kreislauf und das Nervensystem. Je nach Pflanze kann dies sehr variieren. Giftpflanzen und Stoffe die eine Hufrehe auslösen können sind z.B. Robinien, aber auch Mutterkorn, Schimmelpilze (Futter) und einige Medikamente (Cortison) können sie hervorrufen. 

Eine durch eine Gebärmutterentzündung hervorgerufene Hufrehe entsteht, wenn nach der Geburt noch Teile der Gebärmutterschleimhaut und Plazenta im Körper verbleiben und somit septische Substanzen entstehen. Wie genau diese Substanzen eine Hufrehe hervorrufen ist bislang allerdings ungeklärt.

Etwas anders sieht es da bei der Aufnahme von Nicht-Strukturellen-Kohlenhydraten wie Fruktan aus. Fruktan wird während der Photosynthese in der Pflanze als Speicherkohlenhydrat gebildet und in Stängel und Wurzel (also Bodennah) gelagert bis es benötigt wird.  Fruktan wird vermehrt gebildet, wenn die Pflanze z.B. zu wenig Wasser hat oder es zu kalt ist wodurch das Wachstum eingeschränkt ist. Unter bestimmten Umweltbedingungen kann der Gehalt an Fruktan in der Trockensubstanz einer Pflanze bis zu 50% bestehen.

Glucose wird in unseren Breiten von Gräsern als Fruktan gespeichert.

Die Rolle der Verdauung

Nimmt das Pferd nun Energie in Form von Kohlenhydraten („Zuckern“) aus frischem Weidegras oder Heu auf, werden diese für gewöhnlich (je nach Art) im Magen vorverdaut, und anschließend im Dünndarm durch Enzyme fertig verarbeitet und über die Pfortader (Gefäß der Leber) im Körper verteilt. Der Dickdarm verdaut dann nur noch die strukturbildenden Bausteine der Pflanze. Fruktan gelangt allerdings zu weiten Teilen, und besonders wenn sehr viel davon gefressen wurde, unverdaut in den Dickdarm, da es keine passenden Verdauungsenzyme dafür gibt. Der Dickdarm ist von tausenden Mikroben (Bakterien) besiedelt. Alle Bakterien im Dickdarm zusammen werden auch Mikrobiom genannt.

Zu dem was nun geschieht, gibt es mehrere Hypothesen, die ich kurz zusammenfasse. Falls du Interesse an den ganzen Details auf zellulärer Ebene hast, kannst du dir einen 10-seitigen, sehr ausführlichen Artikel unten herunterladen (wird Ende des Jahres zugefügt. Hab erst noch Prüfungen 😉 ).

Fruktan & der Dickdarm des Pferdes – das Mikrobiom

Zum einen führt das Fruktan zu einer massiven Veränderung der Darmflora (des Mikrobioms) im Dickdarm. Dies hat ein schnelles Vermehren und Absterben von bestimmten Bakterien zur Folge in dessen Lauf es zu pH-Wert Verschiebungen und dem Bilden von Endotoxinen kommt. Durch weitere enzymatische und zelluläre Vorgänge kommt es letztendlich zum Zerstören von Zellsubstanzen im Huf, sowie zu Entzündungsprozessen die eine Hufrehe einläuten. Des Weiteren gibt es Vermutungen hinsichtlich einer veränderten Durchblutung des Hufes und somit einer geringeren Versorgung mit Nährstoffen, was auch zum Absterben von Zellen (Lamellenstruktur) führt.

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Die Studien zeigen aber nicht nur, dass eine zu hohe Aufnahme von nicht-strukturellen Kohlenhydraten, wie Fruktan in jedem Fall (früher oder später) zu einer Hufrehe führt, sondern auch, dass es schwer ist eine derartige Menge an Fruktan durch Gras aufzunehmen. Daher werden höchstwahrscheinlich mehrere Prozesse ineinander greifen und in einer Hufrehe gipfeln.

Dennoch sollte man auf sein Gras und die entsprechenden Werte im Heu achten, da die Bildung von Fruktan von den Umweltbedingungen, der Jahreszeit, der Grassorte, sowie der  Beweidung von Flächen mit sehr kurzem Gras (< 10cm), abhängig ist und ein Co-Faktor sein kann.

Hufrehe ausgelöst durch EMS, Cushing und Insulinresistenz

aka Hufrehe durch Endokrine / Metabolische Dysfunktion

Zu den endokrinen und metabolischen Dysfunktionen zählt man EMS (Equines Metabolisches Sydrom), Cushing / PPID (Equines Cushing Syndrom / Pituitary Pars Intermedia Dysfunction), Insulinresistenz und Adipositas (Fettleibigkeit).
Mittlerweile wird die endokrine Hufrehe als die häufigste Entstehungsform einer Hufrehe angesehen, auch da mehr als 65% aller Pferde unter Übergewicht leiden und entsprechende Begleiterkrankungen haben.

Mehr als 65% aller Pferde leiden unter Übergewicht. In 90% aller Hufrehefälle wird diese durch eine endokrine / metabolische Dysfunktion ausgelöst.

Auch hier gibt es wieder einige Hypothesen. In dieser Richtung wurde erst in den letzten Jahren intensiver geforscht, da, genauso wie bei uns Menschen, Wohlstanderkrankungen beim Pferd zunehmen. Bei einer durch endokrine oder metabolische Dysfunktionen entstanden Hufrehe liegt das besondere Augenmerk auf dem Insulin und einer Insulinresistenz, da in 100% aller Fälle eine Hufrehe ohne Probleme durch die Gabe von Insulin ausgelöst werden kann. Insulin wird gebildet um den Blutzuckerspiegel zu regulieren und die Zellen dazu anzuregen, die durch die Nahrung ins Blut gelangte Glucose zur Energiegewinnung in die Zellen zu schleusen.

Laut einiger Studien gibt es im Huf sowohl Gewebezellen die auf einen Überschuss an Glucose im Blut reagieren. Zudem wird auch vermutet, dass bei dem Vorkommen von zu viel Insulin (Hyperinsulinämie) im Blut, es an bestimmte Zellrezeptoren bindet und das Lamellengewebe anfängt zu wachsen und dadurch zerstört wird.

Das größte Problem hinter den Hypothesen ist allerdings, dass eine derartig große Menge an Insulin gar nicht in natura im Pferdekörper entstehen kann, wie benötigt würde, um eine Hufrehe im Versuch zu erzeugen. Zumindest legen die Studien das nah. Hier muss also noch sehr viel geforscht werden um die Zusammenhänge besser zu verstehen.

Worauf kannst du nun achten?

Da hier noch deutlicher Forschungsbedarf besteht, sollte das Augenmerk auf die richtige Einstellung des Pferdes mit einer der oben genannten Erkrankungen sein. Das schließt die verringerte Gabe von Kohlenhydraten (hier besonders auch Nicht-Strukturelle Kohlenhydrate, da strukturbildende Kohlenhydrate nun mal Pflanzen per se bilden) mit ein, da weniger Glucose (Kohlenhydrate) im Blut auch automatisch weniger Insulinbildung bedeutet. Eine Gewichtsreduktion sollte natürlich bei Bedarf auch angestrebt werden und ganz wichtig: Bewegung macht gerade bei einer Insulinresistenz die Körperzellen für einige Zeit wieder sensibler für Insulin und somit gelangt Glucose in die Zellen und aus dem Blut. Bewegung ist also das A und O!

Hufrehe durch Mechanische Überbelastung / Trauma

Bei dieser Art der Hufrehe, auch Belastungsrehe genannt, kommt es durch eine Überbelastung (z.B. lang andauernde Lahmheit vorne rechts führt zu starker Überbelastung vorne links) zu einem reduzierten Blutfluss im Huf, woraufhin dieser unter einem Mangel an Nährstoffversorgung leidet und die Zellen beginnen ab zu sterben. Auch starkes Übergewicht kann den Effekt der Überbelastung haben!

Fazit

Wie nun beschrieben gibt es diverse Möglichkeiten, die zu einer Hufrehe führen können. Die Abläufe und Funktionen dahinter sind sehr komplex, vielschichtig und müssen auch noch weiterhin beforscht werden um genauer verstehen zu können.
Dennoch kann mit Sicherheit gesagt werden, dass ein angepasstes Weidemanagement, regelmäßige Bewegung / Sport und das Vermeiden von Übergewicht, das Risiko an einer Hufrehe zu erkranken deutlich minimiert.

Ab Ende Juli kannst du noch anschließen die Do’s and Don’ts bei Hufrehe ansehen oder dir den ausführlichen Artikel mit allen Quellen herunterladen. Du möchtest direkt informiert werden, wenn diese Online gehen? Dann schreib uns eine Email!

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