Tipps zum Training mit deinem Pferd

von Maria

Ein bisschen in die Jahre gekommen und nicht mehr ganz im Training stehend, präsentiert sich mein Ponymann immer noch gerne. Der Stolz und ein bisschen eingebildet sind beides Eigenschaften, die ich ihm zuschreiben würde. Damit sein Körper wieder und weiterhin, der eines Mini- Adonis wird und ein Stückweit bleibt, habe ich für ihn ein Training zusammengestellt. Ich möchte dir anhand eines Beispiels zeigen, nach welchem Schema du vorgehen solltest, um für dich bzw. dein Pferd einen Trainingsplan zu erstellen und deinem Pferd zur Bikinfigur zu verhelfen.

Dieser Artikel gilt primär für Freizeitpferde und deren Beurteilung. Bei professioneller bewegten Pferden sollten Mängel in diesem Bereich nicht weiter zu finden sein.

Pferd beurteilen

Bevor du einen Trainingsplan zu schreiben beginnst, muss der Status Quo erhoben werden. Dabei fängst du am Rumpf an.

Beachte bitte immer, dass beide Seiten, wenn möglich, gleich bemuskelt sein sollten, um der Symmetrie möglichst nahe zu kommen.

Bauchmuskulatur

Hat dein Pferd ausreichend Bauchmuskeln? Diese Muskulatur kannst du ertasten. Ideal wären zwei nicht druck- oder schmerzempfindliche, gut abgrenzbare Muskelkanten eine gute handbreit hinter der Gurtlage. Ist das nicht der Fall, geht es dir wie mir und es besteht Verbesserungsbedarf.

Mein Pony geht soweit, dass er seinen Rumpf teilweise nur als Hängebrücke zwischen der Vorhand und Hinterhand nutzt. Daher besteht hier die Gefahr des Senkrückens und ein permanentes Gegenarbeiten. 

Hinterhand

Der Motor des Pferdes und doch viel zu oft vernachlässigt.

Hier sollte dein Pferd ein schönen runden, muskulösen Popo haben (bitte nicht mit adipösen Pobacken verwechseln). Anders gesagt, die Muskulatur tritt hervor und du kannst einzelne Muskelstränge klar voneinander abgrenzen bzw. erkennen. Wenn du den Schweif anhebst, ist eine nur sehr schmale Schenkelspalte zu erkennen. Anders als bei uns Menschen mit dem absurden Schönheitsideal, dass sich die Oberschenkel nicht berühren sollten. Ein “unperfektes” Muskelbild  wäre eingesunkene Muskulatur oder wenn gewissen Muskelpartien unverhältnismäßig stark oder gar nicht sichtbar wären. Bitte beachte, dass dies nicht für Pferde mit einem Teddyplüsch gilt. An der Stelle solltest du lieber das Pferd abtasten und dich nicht zu sehr auf deine Augen verlassen.

An dieser Stelle hat mein Pony einen hübschen kleinen Apfelpo. Jedoch weiß ich, dass seine Hinterhand noch deutlich mehr bemuskelt werden kann und Luft nach oben besteht. Eine gute Muskulatur hilft ihm in diesem Fall die arthrotischen Gelenke zu schützen.

Rücken

Bei dem Rücken ist ganz klar zu sagen, dass die Dornfortsätze niedriger als die Musekelsträngen links und rechts der Wirbelsäule liegen sollten. Ist die knöcherne Kontur der Wirbelsäule unter der Haut klar zu erkennen, befindet sich an dieser Stelle zu wenig Muskulatur.

An dieser Stell bin ich mit meinem Herren doch recht zufrieden.

Vorhand

Suche hierfür das Schulterblatt. Das kannst du inspizieren und abtasten. Das Schulterblatt sollte knöchern nicht erkennbar sein. Zusätzlich dazu sollte dein Pferd ein gut ausgeprägtes Triceps – Dreieck haben. Das bedeutet, dass vom Ellenbogen zum Schulterblatt ein Muskelbauch besteht. Falls das flach oder eingefallen ist, ist die Muskulatur zu schwach ausgeprägt. 

Ebenfalls finde ich die Muskulatur an der Vorhand den Proportionen angemessen und sehe hier erstmal keinen Verbesserungsbedarf.

Hals

Am Hals sollten die Halswirbel gut bedeckt und die Drosselrinne gut erkennbar sein. Die Beugemuskulatur ( die Unterseite des Halses) ist im Optimalfall schmaler als die Streckermuskulatur (seitlich gelegen am Hals). Das bedeutet die Vermeidung des Unterhalses.

Hier kommen wir zu einem rassetypischen Problem bi Pferden mit einem hoch angesetzten Hals. Diese Pferde neigen oft dazu über ihre Oberlinie zu laufen und lassen ihren Hals nicht fallen. Damit bleibt die Beugemuskulatur ( der Unterhals) permanent unter Spannung und verfestigt sich. Da muss ich mit meinem kleinen Mann nun ebenfalls dran arbeiten und schauen, dass wir diese Baustelle verbessern.

Welches Training sich für die Defizite eignet

Training der Bauchmuskulatur

Die Bauchmuskulatur und Hinterhand sind kaum voneinander zu trennen und bedingen sich im Training gegenseitig.

Für die Bauchmuskeln empfiehlt sich ein Stangentraining. Am besten auf unterschiedliche Höhen. Für den Fall, dass eine Seite schwächer ist, sollte man auf dieser Hand das Pferd mehr laufen lassen. Bei sehr schwachen Bauchmuskeln wird ein Training von 4- 5 mal wöchentlich benötigt. Ansonsten sind 2 bis 3 mal in der Woche genug. Bitte pass hierbei auf, dass du das Training langsam steigerst, da die Gefahr von Muskelkater besteht. 

Training der Hinterhand

Hier gibt es schon mehr Optionen. Zum einen ist das Rückwärtsgehen super. Das Ganze kannst du mit einem Berg kombinieren. Dabei lässt du dein Pferd rückwärts bergauf laufen. Der Kopf sollte gesenkt sein, damit es wirklich  über den Rücken läuft. Achte hierbei bitte darauf, dass Pferde das Rückwärtsgehen bzw. das von dir Rückwartsweisen als Dominanzgebärde verstehen und sie bei längeren Strecken etwas grantig reagieren könnten. Daher bedenke, dass du dein Pferd freundlich ansprichst und es lobst, damit es diese Übung als Lektion und nicht als Strafe oder Klärung der Hierarchie wahrnimmt. 

Weiter kannst du ebenfalls mit Stangen arbeiten. Diese sind auf Höhe der Karpalgelenke zu legen. Dadurch muss dein Pferd die Beine stark heben und die Muskulatur der Hinterhand wird mehr gefordert. Weitere Optionen sind das Springen oder Kutschefahren/ Gewicht ziehen , da sich das Pferd mit den Hinterbeinen abdrückt bzw. mehr Last aufnimmt. Zusätzlich sind Seitengänge und/ oder die Versammlung, egal ob vom Boden oder geritten, eine gute Übung für das Bauch- Beine- Po – Workouts deines Pferdes. 

Training des Rückens

Sollte dein Pferd ein Problem mit seiner Rückenmuskulatur haben, ist hier wieder die Antwort der Bauch! Das Pferd muss über den Rücken laufen, um eine Entspannung für die Muskelstränge zu bekommen. Das mag erstmal kontraintuitiv klingen. Jedoch sind diese Muskeln permanent mit dem regelrechten Festhalten der Wirbelsäule beschäftigt und daher meist verspannt. Verspannter Muskulatur nimmt auf Dauer gesehen ab und die Probleme spitzen sich zu. Da ist die Lösung an dieser Stelle ein losgelassenes Pferd, das vorwärts- abwärts läuft ( wirklich VOR der Senkrechten) und den Schub aus der Hinterhand mitnimmt. 

Mir ist durchaus bewusst, dass es einige Rassen gibt bei denen dieses Problem gehäuft vorkommt (Friese, Fellpony). Bei ihnen kann man diese Maßnahmen schon vermehrt präventiv ergreifen. 

Training der Vorhand

Mal wieder die Stangenarbeit. Dieses Mal sollte unterhalb des Karpalgelenks gearbeitet werden. Mittels des Tempos kannst du ebenfalls erreichen, dass dein Pferd an der VOrhand Muskulatur aufbaut. Einfach ein gleichbleibendes Tempo halten. Natürlich ist das Wechseln der Gangart erlaubt. Weiter sind Volten oder bei Pferden mit Gelenk- oder Sehnenproblemen evtl. verkleinerte Zirkel hilfreich. Damit fordert man die Lastaufnahme auf der gerittenen/ geführten Hand. Falls bei dir ein Bach oder dergleichen vorhanden ist, darfst du dich freuen, dass du deinem Pferd ein abwechslungsreiches Training bieten kannst, indem du mit ihm durch das Gewässer gehst ( bitte schaue vorher, ob dein Pferd sicher dort entlang gehen kann). Der Widerstand ist gut für die Muskulatur und durch je nach Höhe des wasserstands kann es gelenkschonend sein.

Training des Halses

Dem Hals kann man bereits durch eine angepasste Fütterung etwas gutes tun. Ein Pferd frisst optimalerweise vom Boden. Die Bandscheiben im Halsbereich sind genau dafür strukturiert. Sollte dein Pferd eine Höhere Fressposition, ein Heunetz und/ oder einen Unterhals haben empfiehlt es sich den Futterort anzupassen. Schaue nach ob es Möglichkeiten wie eine Heubox oder loses Heu vom Boden gibt. Im Training kannst du schauen, dass dein Pferd vorwärts in konstanter Anlehnung geht. Es sollte nicht dauerhaft mit erhobenem Kopf loslaufen. Liegt hier eines deiner Probleme versuche mit einem Trainer daran zu arbeiten und dir professionellen Rat an deine Seite zu holen.

Trainingshäufigkeit

Je nach dem Trainingszustand deines Pferdes richtet sich die Häufigkeit. Ist es schwach bemuskelt und hat Defizite, arbeite nicht mehr als 2 bis maximal 3 mal in der Woche an seinem Problem. Dein Pferd könnte unter Muskelkater leiden und soll nicht den Spaß am Training verlieren, weil ihm alles weh tut. Je nachdem wie schnell dein Tier aufbaut, kannst du stetig auf 4 bis 5 mal pro Woche erhöhen. Beachte bitte immer, dass ein Training bzw. eine Trainingswoche abwechslungsreich gestaltet wird, damit dein Pferd auch im Kopf gefordert ist und nicht die Motivation verliert. Außerdem ist zu erwähnen, dass ein Muskel etwa 6 Wochen benötigt, um wieder ein gutes Fundament aufzubauen. Also gibt es nach 2 Wochen noch keinen gewünschten Knackepo und die arbeit muss konstant und beständig weitergemacht werden, um dann auf die 4 bis 5 Trainingseinheiten in der Woche zu kommen. Außerdem baut ein Muskel in den Pausen zwischen dem Training auf. Daher ist die Pause bzw. Entspannung zwischen den Trainingstagen ein wichtiger Bestandteil des Trainingsplans. Jedoch bedeutet dies nicht dein Pferd auf dem Paddock oder in der Box stehen zu lassen. Spazierengehen oder leichte Bodenarbeit sind eine wunderbare Abwechslung zur aktiven Pausengestaltung.

Anbei findest du meinen Trainingsplan für mein Pony. Ich habe ihn sehr Hinterhand und bauchmuskellastig gestaltet. Außerdem findest du hier eine spannende Podcastfolge zum Thema Trainingsplanerstellung von Kernkompetenz Pferd.

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