Tipps für die Therapie von EMS und IR

von Mareike Heil
Beitragsbild EMS Therapie

Das Pferd ist rund, leidet immer mal wieder an Hufrehe, wirkt lethargisch und EMS steht im Raum. Die Diagnose ist im Gang oder bereits da, und du möchtest wissen wie du deinem Pferd helfen kannst? Dann “Auf geht’s!”. Denn auch wenn sich dein Pferd durch Adipositas mit dem Equinen Metabolischen Syndrom und Insulinresistenz plagt: Die gute Nachricht ist, dass man diese Erkrankungen mit viel Schweiß wegbekommen kann. Also, wie ist die Therapie von EMS und IR aufgebaut? Wir zeigen es dir!

Kurzeinblick EMS und IR

Einen vollen Einblick in das Thema EMS und Insulinresistenz, sowie die Diagnostik gibt dir unser gesonderter Artikel. Daher gebe ich dir hier nur einen sehr kurzen Überblick.

Das Equine Metabolische Syndrom ist ein Symptomkomplex, also keine richtig fassbare Erkrankung. Zu den „Hauptsymptomen“ gehören:

  • Übergewicht / Adipositas
  • Hufrehe
  • Insulinresistenz

Eine Adipositas kannst du unter anderen über den BCS und das Gewicht erkennen.

EMS wird ausgelöst durch: Überfütterung und Bewegungsmangel und führt, gemeinsam mit der Insulinresistenz, zu einer Veränderung des Fettgewebes, was den gesamten Hormonhaushalt, Stoffwechsel und das Immunsystem durcheinander bringt.

Die Therapie von EMS und IR – Abspecken!

Kommen wir nun zum interessanten Teil und der Frage: Kann ein Pferd von EMS und IR genesen? Kann es wieder komplett gesund werden? Die tolle Antwort ist: JA, kann es. In der Theorie. Und auch etwas abhängig vom Individuum. Warum? Es erstaunt auch Menschen immer wieder, wenn sie erfahren, dass Diabetes Typ 2 wieder weggehen kann. Es verlangt aber nach sehr viel Disziplin. Genauso ist es bei EMS, denn dies ist ausschließlich Resultat von starkem Übergewicht. Ebenso wie die Insulinresistenz. Ist der Körper wieder im Normalgewicht, wird regelmäßig bewegt, dann reagieren auch die Zellen wieder normal auf Insulin. Je länger aber die Adipositas vorhanden ist, desto schwieriger wird es. Und desto älter das Pferd ist ebenfalls.

Ob du es glaubst oder nicht, der simple Schlüssel sind Fütterung und Bewegung. Dazu müssen wir aber unseren eigenen Schweinehund an der Hand fassen und mit ihm losspazieren. Ich schreibe das aus Erfahrung. Ist verdammt schwer sowas.

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Eine angepasste Fütterung – ohne die geht’s nicht.

Wenn du willst, dass dein adipöses Pferd mit EMS abnimmt, muss zuerst die Fütterung angeschaut werden. Ad Libitum an der Heuraufe oder auf der Weide geht nicht mehr. Da gibt es auch kein „Aber ein Pferd braucht konstant Futter.“ Jein, braucht es. Aber konstant Heu / Weide hat es dahin gebracht wo es jetzt ist.

In einigen Studien konnte gezeigt werden, dass selbst Training ohne Futterrestriktion keinen Effekt auf die Insulinsensitivität hatte. Diesen Effekt wollen wir als erstes erreichen, denn die Zellen sollen wieder Kapazität haben und die Glucose nutzen. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass Futterrestriktion auch ohne Training einen Effekt auf das Gewicht hat (logischerweise).

Was es aber braucht ist Raufutter! Und das ist nicht nur Heu. Stroh, Geäst, Blätter, Kraut. Das alles darf dein Pferd. Irgendwann vielleicht sogar ad libitum. Um daraus eine individuelle Fütterung zu bauen, hilft es die Nährwerte deines Heus zu kennen. Für Stroh und das ganze andere Blattzeug gibt es Durchschnittswerte. So kannst du (oder ein:e Fütterungsexpert:in) eine Ration erstellen, die dein Pferd langsam abnehmen lässt.

Do’s and Don’t’s Fütterung dickes Pferd – Kompakt:

  • DO: Variantenreich, Raufutter!
  • DO: zu Beginn auch mal 10 – 20% unter Appetitsgrenze, bis es sich reguliert hat (Appetitsgrenze: Das was dein Pferd an Raufutter fressen würde, wenn es dürfte, bis es satt ist).
  • DO: Heu waschen kann den Zuckergehalt um 20 – 30% verringern.
  • DON’T: Heu länger als 1h waschen.
  • DON’T: Runter hungern! Nicht mehr als 200gr Gewichtsverlust pro Tag bei 500 kg Körpermasse
  • DO: Ein voll gedeckter Eiweißbedarf! Wir wollen Muskeln aufbauen!
  • DON’T: Unbeschränkter Weidegang; Unbegrenzt Heu.
  • DO: Heu NSC < 10%

Zusatzmittelchen?

Im Zusammenhang mit EMS werden auch immer wieder Zusatzmittel bzw Ergänzungsfuttermittel oder anderes Besprochen. In den Studien die ich im Zusammenhang mit diesen Artikeln gelesen habe, konnte aber bisher kein Zusammenhang mit einer Verbesserung einer Insulinresistenz oder des EMS durch die Fütterung von zum Beispiel Chromhefe oder Zimt gezeigt werden. Eine allgemeine Unterstützung des Stoffwechsels zum Beispiel über Kräutermischungen ist aber generell sinnvoll.

Schweiß, Schweiß, Baby – ohne Bewegung wird das auch nichts

Futter hin oder her, die Energiegehalte unseres Grases und auch die naturgegebene Tätigkeit des Pferdes (sich vorwärts bewegen), verlangen nach Bewegung. Das Pferd ist ein Bewegungstier, genauso wie wir Menschen. Wir Menschen sind perfekt dazu angepasst uns langsam – gehend – wandernd – fortzubewegen. Genauso wie unser Pferd. Wildpferde bewegen sich den ganzen Tag und unsere domestizierten Pferde haben auch alle rassebedingt ihre Aufgaben. Islandpferde sind richtig gut darin lange Strecken recht flott zu bewältigen in unwegsamen Gelände. Kaltblüter haben verdammt viel Kraft. Schon mal ein Kalti beim Holzrücken gesehen? WOA! Shettys haben jahrzehntelang Kohle aus Gruben gezogen. Kommen aus kargen, rauen Regionen. In Relation zu ihrem Gewicht und Größe, sind sie die stärkste Pferderasse überhaupt. Etliche Warmblüter sind in den Krieg gezogen. Und was machen unsere Mops-Tiere? An der All-Inclusive-Raufe stehen.

Also, um das Equine Metabolische Syndrom und die Insulinresistenz los zu werden, muss Bewegung als Therapie her. Durch Studien am Menschen ist schon länger bekannt, dass moderates Training, selbst wenn es nur 4h die Woche stattfindet, bereits die Insulinsensitivität verbessert. Bei Pferden konnte ein ähnlicher Effekt zusätzlich zu Gewichtsverlust beobachtet werden.

Tipp:

Zum Überprüfen der Fitness (von dir und Pferd 😉 ) kannst du dir eine „Musterstrecke“ aussuchen und an dieser immer wieder testen was sich konditionell verbessert. Höheres Tempo? Besserer Puls? Kürzere Erholungszeit?

Bewegung darf und soll Spaß machen! Copyright @pferdeSummen

Aerobes Training & Intervalltraining – Fat-Burn-Supermodus

Aerobes Training ist der Zustand in dem der Körper am effektivsten Arbeiten kann und am längsten durchhält. Die „langfristige Ausdauer“ sozusagen. Das Gegenteil davon ist anaerobes Training. Hierbei ist die Versorgung mit Sauerstoff nicht mehr voll bis gar nicht mehr gegeben, sodass die Muskeln übersäuern, Milchsäure (Laktat) produziert wird und Muskelkater entsteht. Für ein paar Sekunden in diesem Bereich können wir (Tiere & Menschen) dort absolute Höchstleistungen erreichen, ohne negative Effekte zu spüren. Werden die paar Sekunden aber überschritten, setzt die Milchsäureproduktion ein und der Körper ermüdet sehr schnell.

Zur aeroben Arbeit zählt joggen, wandern, Rad fahren, Schrittausritte, entspannter Trab und Galopp, Wanderreiten. Zur anaeroben Arbeit zählen Sprints, maximale Muskelanspannungen wie bei Kapriolen, das Galopprennen über das Feld, einen steilen, kurzen Hang erklimmen usw.

Mit Hilfe des Trainings kannst du die Schwelle an welche die aerobe Arbeit zur anaeroben wird (sowas passiert auch, wenn die Ausdauer aus geht) immer weiter nach hinten verschieben und so Kondition aufbauen. Aus 10 Minuten Trab werden 20. Aus 2 Stunden Ausreiten werden 5 Stunden. Aus dem kleinen Hügel nebenan, wird der nächste hohe Berg.

Warum brauchen wir aerobes Training?

Aerobes Training lässt Fett dahinschmelzen, da der Körper sich selbst und seine Ressourcen effektiv nutzt und baut die Ausdauer auf. Und das was jedes übergewichtige Pferd braucht ist Ausdauer. Die Kraft kommt dann meist von allein oder kann später gezielt mit eingebaut werden, je nach gewünschtem Arbeitsgebiet. Jetzt soll aber erstmal das Fett schmelzen.

Damit dein Pferd nicht überlastet (oder unterfordert) wird, eignet sich eine Pulsuhr / Herzfrequenzmessgerät zur Kontrolle. Nimm zunächst den Ruhepuls deines Pferdes und orientiere dich danach an Richtwerten. Der Puls im Training sollte nicht weit über 100 Schläge (bpm) steigen, sonst gerätst du in den anaeroben Bereich. Möchtest du keine Pulsuhr kaufen, kannst du es auch einfach zwischendrin immer wieder selbst am Kopf messen. Mit etwas Übung gelingt das sogar von oben.

Ziel ist es, nach und nach die Erholungszeit auf 15 Minuten zu bringen. Erreicht dein Pferd innerhalb von 15 Minuten nach der Arbeit seinen Ruhepuls, war das Training ideal. Braucht es länger, war es zu anstrengend.

Also auf geht’s: Spazieren gehen, Wandern, Schrittrunden, Trabausdauer, Führanlage, Berge! 

Achtung: > 10% KM über Normal: Kein Galopp. > 15% KM über Normal: Kein Reiter:in. Warum? Weil Fettmasse unkontrollierbar ist. Gemeinsam mit den Fliehkräften und der Schwerkraft ist das eine enorme Belastung für Knochen, Sehnen, Bänder und Muskeln. Außerdem konnte gezeigt werden, dass ein Pferd mit Idealgewicht nur max. 17% mehr an Masse tragen kann. Das wäre dann der Reiter / die Reiterin (inklusive Sattel). Ist dies schon durch ein mehr an Körpermasse gegeben ist zusätzliches Reitergewicht schädlich für den Bewegungsapparat und führt zu Verschleißerkrankungen (Sehnenrisse und Co.).

Intervalltraining?! Klingt anstrengend…

Ja, ist anstrengend. Vielseitigkeitspferde und Distanzpferde werden so (in Teilen) trainiert. Als Ausgleich und besonders für die fiesen, hormonell aktiven Fettzellen ist es auch für unser Mops-Tierchen super. Beim Intervalltraining bringst du dein Pferd gezielt in Intervallen an seine Belastungsgrenze, also knapp in den anaeroben Bereich, um danach direkt eine Pause einzubauen. Das Ganze wird ein paar Mal wiederholt, bis sich die Erholungszeit verlängert. Das Pferd soll nicht total fertig sein hinterher. Mehr zum Intervalltraining findest du hier:

Zum Beispiel auf weHorse gibt es Tipps und Videos zum Thema.

Im Übrigen kann es für ein adipöses Pferd durchaus zu Beginn reichen, wenn es dreimal in flottem Schritt den nächsten Berg hoch muss. Wichtig dabei ist klein anfangen und nicht übertreiben. Denn dein Pferd soll Spaß an der Bewegung haben und sie nicht als sehr lästige Aufgabe ansehen.  

Finaler Tipp:

Setz dir kleine Ziele. So erscheint der Weg nicht so lang und unerreichbar. Feier mit deinem Pferd die kleinen Erfolge. Führe ein Fototagebuch und ein Trainingsheft. Hol dir Hilfe, wenn du es nicht allein schaffst. Habt beide Spaß an der Bewegung. Wenn dein Pferd longieren hasst, machs nicht. Niemand sagt, dass du oder es das muss. Nur 4 – 5 mal die Woche Bewegung wäre sinnvoll. Die Pausentage im Übereifer aber auch nicht vergessen. Oh, und: Dein Pferd darf schwitzen!

Quellen:

siehe Quellen EMS & IR – Ursachen und Symptome

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