Tipps, wie du dein altes Pferd richtig reiten kannst – Rentnerreihe

von Mareike Heil
altes pferd reiten

Meine Pferde sind alt – 20 und 25 Jahre – und ständig treibt mich die Frage um, wie ich sie noch richtig reiten kann. So habe ich eine Liste an Tipps erarbeitet, die auch für dich und dein Seniorpferd hilfreich ist. Denn wenn man sein altes Pferd wirklich noch reiten will, muss einiges beachtet werden, damit es keine Verletzungen oder Schmerzen bekommt. Trotzdem kann altersgerechtes Reiten ein Pferd weiter fit halten und zu viel gemeinsamen Spaß führen.

Kann ich mein Pferd noch reiten?

Eine der vermutlich häufigsten Fragen die einen beschäftigt, wenn man ein altes Pferd hat. Ist mein Pferd noch reitbar? Wie du das erkennst und auf welche Zeichen zu achten solltest, erfährst du in unserem Artikel (COMING SOON).

Fakten – was du vor dem Aufsteigen wissen solltest!

Alle Lebewesen altern – ob Mensch, Pferd, Hamster oder Pflanze. Irgendwann schiebt sich der ewigen Zellerneuerung ein Riegel vor und alles wird schwerer. Zumal sowohl wir Menschen, als auch unsere Pferde, heutzutage viel älter werden als früher. Dennoch wird der Organismus allmählich langsamer.

So bauen sich Muskeln viel schneller ab und schlechter wieder auf. Gelenke brauchen sehr regelmäßige Bewegung, um die Gelenkschmiere zu erhalten. Verschleißerscheinungen wie Arthrosen treten auf, Sehnen werden schwächer. Zu wenig Bewegung führt zu Steifheit. Das Immunsystem ist anfälliger, die Darmtätigkeit wird reduziert. Die Sinne – Gehör und Augen – sind meist auch nicht mehr ganz das, was sie mal waren. Fazit: Der Körper des alten Pferdes wird langsamer! Aber auch: Keine Bewegung führt zu Stillstand, Steifheit, Kraftverlust und mentaler Starrheit.

Mein altes Pferd liebt …

… es zu springen.

… das Dressurreiten.

… Working Equitation Aufgaben.

… das Westernreiten.

… es auszureiten.

… [füge ein, was dein Pferd liebt.]

Ich bin der festen Überzeugung, dass man beim Reiten mit alten Pferden auf drei wesentliche Punkte achten sollte.

  1. Baue ein was dein Pferd liebt und passe es ggf. so an, dass es für sein Alter passt.
  2. Probiere immer mal wieder Neues: Das ist besonders gut für den Geist.
  3. Vielfalt im Training! Nur so werden Körper und Geist gesund gehalten und einseitige Bewegung verhindert. Nachhaltige Gesundheit ist hier das Stichwort.

Warum sollte ich beibehalten, was mein Pferd liebt? Naja, stell dir vor jemand würde zu dir sagen „Oh, schön dass es dir die letzten Jahrzehnte so gefallen hat, aber jetzt bist du zu alt. Wir machen das nicht mehr.“ Sehr aufbauend, oder? Zudem führt das Ausüben von Beschäftigungen, die wir lieben, zum Ausstoß von Glückshormonen (wie z.B. Serotonin), welche zu mehr Motivation und gleichzeitig einem besserem Immunsystem führen, da das Stresslevel reduziert wird. Gib deinem Pferd also weiterhin die Chance, zu machen was es liebt.

Mental Training für dein altes Pferd, durch Neues beim Reiten.

Ja, auch alte Pferde werden starrsinniger und damit im Geist weniger flexibel. Routinen sind wichtig, manchmal aber fehlt die Balance auf routiniertem Alltag und Abwechslung. Nicht nur der Körper sollte (in seinen Möglichkeiten) flexibel bleiben, sondern auch der Geist. Das kannst du ebenfalls übers Reiten erreichen, wenn du mit deinem Senior immer mal neue reiterliche Disziplinen oder Aufgaben entdeckst.

So können auch Gelassenheitsübungen, Cavalettieinheiten oder ein Kurs in einem anderen Stall den Geist in Schwung halten. Hast du das allerdings die letzten Jahre gar nicht gemacht, empfiehlt es sich sehr langsam damit anzufangen. Alte Geister brauchen eben auch länger, um Neues zu verarbeiten.

Vielfältiges Training für ein fittes, altes Pferd.

Möchtest du dein altes Pferd noch lange reiten, empfiehlt es sich, möglichst abwechslungsreiche Aufgaben einzubauen, mit einem Fokus auf eine besondere Disziplin. Vielfältige Aufgaben und das Abwechseln von Trainingseinheiten beim Reiten mit solchen vom Boden, fördern die körperliche Fitness – also Kraft und Ausdauer. Bleibst du immer in einer Disziplin, machst immer die gleichen Aufgaben, werden Körper und Geist ebenso unflexibel, wie im Stillstand.

Ist dein Training also vielfältig aufgestellt – verschiedene Böden, neue Reitwege, neue Lektionen, Altes auffrischen, kreative Arbeit vom Boden (von Gelassenheitstraining über Langzügelarbeit bis hin zu Freiarbeit), Freispringen, Wandern, etc. –, wird der gesamte Körper bis in die Spitzen trainiert und nicht nur die immer gleichen Muskelgruppen. Das hält nachhaltiger Fit und bietet euch so ebenfalls ein Repertoire an Aufgaben, welche auch an schlechten Tagen – wo sich ein Arthroseschub zeigt, wo der Körper nicht ganz will, wo die Motivation fehlt – ausgeübt werden können.

Springen, Dressur – was kann mein Pferd noch?

Wie bereits geklärt: Was es liebt, soll es weiter machen. Des Weiteren ist Gymnastizierung wichtig und Springen sowie Dressur gehören zu den klassischsten Arten der Gymnastizierung überhaupt. (Ich zähle Springen zur Gymnastizierung, da ich davon ausgehe, dass nicht wahllos über Hindernisse gedonnert wird, sondern alles was allgemein mit „Stangen“ angestellt werden kann, genutzt wird). Zudem sind sie die verbreitesten Disziplinen, neben „Ausreiten“. Aber wie weit kann dein altes Pferd sie noch ausüben? Gut, das ist sehr individuell und kommt stark auf die körperlichen Probleme an, die sich bei deinem Seniorpferd entwickelt haben.

Nichtdestotrotz kann man sie abwandeln und altersgerecht gestalten. Dein Pferd liebt das Springreiten und du auch? Dann wären niedrigere Sprünge, Cavalettitraining oder Stangenarbeit eine super Alternative. Springen beansprucht die Gelenke, sowie den gesamten Halteapparat enorm, daher muss hier besonders beachtet werden, wie es dem Pferd geht. Hat es Probleme mit Durchtrittigkeit oder Arthritis bzw. einen Arthroseschub, sollten Sprünge wegfallen.

Mit der Dressur ist es ähnlich. Klar, Seitengänge werden überall als der absolute Hit für die Gymnastizierung von alten Pferden empfohlen, aber vielleicht könnt ihr ja viel mehr? Wenn es deinem Pferd Spaß macht, mach es gern weiter! Aber bedenke, dass Trabtraversalen, Galoppwechsel und (korrekte) Versammlung äußerst anstrengend sind. Plane also ausreichend Pausen ein, ordentliches warm reiten / führen und ein vernünftiges Cool-Down. Es kann auch sein, dass einige Übungen irgendwann nicht mehr gehen. Körperliche Einschränkungen zollen hier ihren Tribut.

Ähnliches gilt natürlich auch für alle anderen Disziplinen.

Mein heißer Tipp: Ausreiten!

Alle schreien bei alten Pferden immer nach Gymnastizierung. Seitengänge, Seitengänge, Seitengänge. Biegen bis der Arzt kommt, damit das Pferd bloß nicht steif wird. Und dann galoppiert es über die Weide oder im Paddock, man sieht quasi den Knoten in den Beinen, und zack ist die Sehne durch, der Muskel gerissen, etc. Da hat einem die Gymnastizierung auf dem ebenen Reitplatz auch nicht viel gebracht. Mal davon abgesehen das es (persönliche Meinung) ziemlich öde ist.

Daher die Devise: Mein Pferd kann nur fit und unverletzt in den 23 Stunden seines Lebens ohne mich leben, wenn ich es in der 1 Stunde mit mir fördere. Bewegungsstudien haben aber gezeigt, dass man Bewegungsmuster nur kontextbezogen umsetzen kann. Kann dein Pferd also trittsicher über Cavalettis gehen, wird es dadurch nicht trittsicherer im Gelände oder auf der Wiese. Es wird nur trittsicher im Gelände oder auf der Wiese, wenn du die dort vorkommenden Untergrundvarianten ins Training einbaust. Also: Ausreiten.

Die Vorteile vom Ausreiten mit alten Pferden.

Die Vorteile vom Ausreiten liegen also klar auf der Hand, denn eigentlich bekommst du hier jede Situation, die du auf dem Reitplatz kompliziert nachbauen musst. Und sowohl Dressurlektionen, als auch kleine Springeinheiten lassen sich ebenfalls einbauen.

Unterschiedliches Gelände und Untergründe und insbesondere bergiges Gelände (was aber nunmal nicht jede:r hat) ist super für die Koordination und Kondition. Pfade oder das Reiten am Wegesrand im Wald schulen die Balance, Trittsicherheit und Koordination. Das Pferd muss mit seinem Körper denken.

Außerdem wird die Aufmerksamkeit geschult, da viel mehr passiert und auf viel mehr geachtet werden muss. Die Muskeln werden vielseitig gekräftigt (im entspannten Schritt bergauf MUSS das Pferd zum Beispiel seinen Rücken anheben.), Po- und Kniemuskulatur gestärkt, was besonders gut bei Knieproblemen ist.

Man kann je nach Laune und Konstitution wählen zwischen längeren, ruhigen Ritten oder kurzen, knackigen. Falls du dir unsicher bist, was dein Pferd leisten kann, kannst du dies zum Beispiel mit einem Herzfrequenzmessgerät tracken. Besonders bei übergewichtigen, alten Pferden kann das sehr hilfreich sein.

Was ich IMMER beachte.

Was ich inzwischen immer bei meinen Pferden beachte, ist folgende Regel: Zu Beginn eines Ritts wird ausführlich (also eher 20 Minuten) warm geritten oder sogar geführt. Besonders bei älteren Pferden (23+) ist es sinnvoll nicht direkt aufzusteigen. Am Ende eines Ritts gibt es einen geführten (!) Cool-Down, der inzwischen ebenfalls 20 Minuten lang ist.

Außerdem wird bei starken Anstiegen und immer bei stärkerem Gefälle abgestiegen. Ebenso einfach zwischendurch, wenn ich denke sie brauchen vielleicht etwas weniger Last. Bei alten Pferden hat Eitelkeit definitiv nichts zu suchen und außerdem weiß man erst selbst wie anstrengend ein Weg ist, wenn man ihn mal gegangen ist (Erfahrungswert 😉).

Das alte Pferd reiten – Fazit

Jede:r von uns kann sich darauf einstellen, dass die Zeit, die wir reitend auf dem Rücken unseres alten Pferdes verbringen, begrenzt ist. Irgendwann wird es immer schlechter Muskeln aufbauen, der Rücken es nicht mehr hergeben, Erkrankungen überwiegen. Solange wir aber noch die Möglichkeit haben, können wir sie nutzen. Nur sollte es absolut pferdegerecht, altersgerecht und im Hinblick auf eine möglichst lange Gesundheit sein. Dabei liegt mein eigener Fokus beim Training meiner alten Pferden besonders auf Spaß, Motivation und Vielseitigkeit. Bis ich sie nicht mehr Reiten kann, übe ich auch schon mal das zu Fuß gehen.

In den nächsten Texten der Reihe, erklärt Maria dir, wie du erkennst, ob du dein Pferd noch reiten kannst und was du so Tolles vom Boden mit deinem alten Pferd machen kannst. (COMING SOON).

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