Spazieren mit dem Pferd – Training für Zwei.

von Mareike Heil

Der Winter ist vorbei, das Wetter wird besser, man kann endlich wieder mit dem Pferd ordentlich arbeiten. Möglicherweise hat man es sogar für einige Zeit in eine Winterpause geschickt. Was nun? Wieder antrainieren! Nun mein Vorschlag:  Das Ganze mal etwas anders angehen und mit dem Pferd spazieren gehen.

Der Anfang.

Um den Sinn und Zweck zu verstehen, schauen wir uns erstmal an wie „spazieren gehen“ eigentlich definiert wird. Wenn man nun in die uns allen bekannte Suchmaschine mit den zwei „oo’s“ nach einer Definition für „spazieren gehen“ sucht, sagt es einem:

„langsam, nur zum Vergnügen, ohne bestimmtes Ziel gehen“

Ich gebe ehrlich zu, ich mag diese Definition. Denn etwas „nur zum Vergnügen“ und „ohne ein bestimmtes Ziel“ zu tun klingt für mich, in einer Welt voller Hektik, Druck und Zielgerichtetheit, sehr entspannend. Das „gehen“ fügt den trainierenden Anteil hinzu, dem wir uns nun widmen und ist möglicherweise für den ein oder anderen das Ziel, dass er gerne hätte.

Was braucht man? Ausrüstung für das Spazieren gehen

Auch ich fand es am Anfang etwas seltsam mit dem Pferd an der Hand los zu laufen, wie mit einem Hund an der Leine, aber es hat sich bewährt. So lassen sich auch Gegenden und Situationen erkunden die man auf dem Pferd nicht direkt ausprobiert hätte – wie zum Beispiel ein Gang durch den nächsten Ort.

Das einzige was es dazu braucht ist eine Pferd (egal welcher Größe 😉 ), Halfter, Strick. Wenn das Pferd mal wieder aussieht wie ein Moorbad, ist das ebenfalls nicht schlimm. Putzen fällt dann halt mal aus. Nur das Hufe auskratzen sollte man auch hier nicht vergessen.

Was braucht man als Reiter:in/ nun Fußgänger:in?
Angemessene Kleidung, je nachdem was man selbst für bequem und angemessen hält. Das einzige was sonst von Nöten ist, sind vernünftige, gut sitzende Schuhe. Idealerweise mit Fußbett oder gut sitzenden Einlagen. Denn sitzen die Schuhe schlecht oder passen nicht, kann das erstmal zu schmerzhaften Blasen führen und langfristig beeinflussen die Füße den gesamten Körper.

Die Schuhe sollten recht stabil sein und ein gutes Profil haben. Meine Empfehlung geht da immer zu Wanderschuhen. Die gibt es in allen Ausführungen und Formen. Klein, Groß, Breit, Schmal, Leicht, Schwer, aus Leder, aus Kunststoff, als Mix. Vom leichten Freizeitschuh bis zum massiven Wanderklotz für den alpinen Bereich. Ein Fachgeschäft wird einen dort sicher gut beraten und bei vielen Sportausstattern gibt es auch spezielle Sporteinlagen.

Auf geht’s!

Nun kann dem Spazieren gehen nichts mehr im Weg stehen! Anziehen, Pferd schnappen, losgehen. Aber halt.

Warum jetzt nochmal das alles?

Im Winter werden viele Pferde weniger bewegt. Muskeln bauen sich ab, die Kondition lässt nach, möglicherweise kam zwischendurch noch eine kleine Erkältung hinzu. Anstatt sich nun einfach wieder aufs Pferd zu schwingen und somit seinem, vermutlich gerade nicht optimal bemuskelten, Rücken zu schaden, kann man nun, anstatt zur Longe zu greifen, auch auf das Spazieren setzen.

Weihnachten ist ja nun in vielen Fällen noch nicht lange her und man selbst hadert vielleicht auch noch etwas mit der eigenen Strandfigur.

Da trifft es sich doch gerade recht. Man trainiert sein Pferd und sich selbst. Auch wenn das etwas mehr Anstrengung bedeutet, als in der Mitte die Longe zu halten. Schaden wird es niemandem.
(Das soll jetzt nicht heißen, dass ich gegen das Longieren bin, solange man es richtig macht.)

Die vielen Vorteile.

Neben der eigenen Bikinifigur, zeigt einem so ein Spaziergang auch auf sehr nette Art und Weise, wo man es hat schleifen lassen mit der Erziehung seines Begleiters. Mag das Pferd in seiner gewohnten Umgebung lieb und brav hinter einem her trotten, merkt man doch recht schnell wo es hapert, wenn man im freien Feld unterwegs ist.

Es schleift einen hinter sich her, man selber zieht es hinter sich her. Jeder Grashalm wird zum Paradebeispiel für das Gewicht des Pferdekopfes. Blätter sind angreifende Ungeheuer, genauso wie Pfützen, Äste, Steine, Grasbüschel!, Tiere, Autos, Trecker und was sonst noch so zu finden ist.

Alles längst kein Grund das Spazieren wieder an den Nagel zu hängen, oder aus genau diesen Gründen es erst gar nicht anzufangen!

Meiner Meinung nach ist ein Training dann gut, wenn es ausgewogen ist. Das fängt mit der „Arbeit“ am Putzplatz an und endet beim in den Stall bringen. Ausgewogen bedeutet auch, dass man nicht nur in der Halle seine Runde dreht und wieder geht. Jeder der ein Pferd besitzt, hat die Verantwortung für dieses Lebewesen übernommen und ist dazu verpflichtet es bestmöglich zu versorgen. Zu dieser Versorgung zählt eben auch das Training. Ein Pferd was unmotiviert voranschreitet (auch beim Spazieren) hat ein Problem das es zu lösen gilt. Genauso wie ein Pferd das mich hinter sich her schleift wie ein Anhängsel. Oder vor allem erschrickt, oder, oder …

Und somit: Üben, Üben, Üben. Vielleicht die eigene Erziehung überprüfen. Wenn man nicht weiter weiß: es gibt Trainer und Therapeuten die einem mit Sicherheit helfen. Dennoch ist dies alles keine Ausrede dafür in der Sicherheit der Halle zu bleiben, nur zu Reiten oder gar nichts mit dem Partner Pferd zu tun. Nennen wir diesen ersten Schritt einmal Überprüfung des Trainingszustands, denn auf die eine oder andere Weise ist es das.

Darauf folgt: Das Anpassen des Trainings.

Alle Ungereimtheiten lassen sich irgendwie lösen, doch bleiben wir beim Spazieren gehen. Beginnen sollte man mit kleinen Runden. Klein sind für mich 30 – 45 Minuten. Die Hunderunde. Hier kann man auch das eine mit dem anderen Verbinden – Gassi gehen mit Hund und Pferd. Nach und nach kann man das dann ausbauen. 1 Stunde. 2 Stunden.

Wer das Glück hat wie ich in einer hügeligen Region zu leben, kann diese Hügel gleich in sein Training mit einbauen. In ruhigem Schritt berghoch und bergrunter gehen zu müssen, womöglich sogar durch unwegsameres Gelände, ist das beste Training das man sich wünschen kann. Es trainiert die Vorhand, Hinterhand, Bauch – sowie Rückenmuskulatur des Pferdes. Bei einem selbst: die Beine. Bei Pferd und Mensch: Gleichgewicht, Koordination, Trittsicherheit. Neben den Muskeln die wichtigsten Stützen für einen gesunden Bewegungsapparat und um Verletzungen vorzubeugen.
Außerdem stärkt regelmäßiges spazieren gehen die Kondition und fördert somit den Stoffwechsel und die Herzleistung. Die Durchblutung funktioniert besser. Der Kreislauf wird angeregt. Wie bei jeder Art von Bewegung.

Forscher haben außerdem herausgefunden, dass Menschen die regelmäßig in den Wald gehen entspannter und glücklicher sind und Menschen sich dort generell besser erholen. Ich denke, dass wird nicht nur uns Menschen so gehen, sondern den Pferden ebenso.

Wer bei dieser Reihe von Vorteilen nun noch nicht die Schuhe geschnürt hat und auf dem Weg zum Stall ist, da weiß ich auch nicht… Für alle die noch nicht genug kriegen konnten: Hier noch etwas mehr.

Wandern mit Pferd

Wanderreiten kennt fast jeder. Auch wenn man noch nie mitgemacht hat, weiß man trotzdem worum es ungefähr geht. Meist mehrtägige Ritte in entfernte Orte.  Das Gleiche kann man aber auch machen, ohne auf dem Rücken des Pferdes zu sitzen. Der Sinn dahinter bleibt: Zeit mit dem Pferd verbringen und in entfernte Orte gelangen. Nur das man selbst eben auch auf “Schusters Rappen“ bleibt.

Nachdem das Pferd nun vielfältig antrainiert wurde, spazieren inklusive, würde sich eine Wanderung doch auch lohnen. Vielleicht bei bestem Spätsommerwetter. Immer noch warm, aber nicht zu warm, laue Abende, Sonnenschein. Im Einklang mit dem eigenen Pferd durch die Gegend streifen. Möglicherweise sogar nachts direkt neben ihm Zelten. Oder für ganz mutige ohne Zelt.

Genau da kann einen das Spazieren hinführen. Das Pferd mit Satteltaschen bepackt, man selbst ein kleiner Rucksack (es ist nur fair, wenn jeder was trägt). Und dann los.

Fazit

Ja es stimmt, man wird häufig seltsam angeguckt, wenn man neben seinem Pferd geht, anstatt oben drauf zu sitzen. Häufig wird man auch gefragt, ob das Pferd krank sei. Nichts desto trotz bin ich der Meinung, dass der Spaziergang als Trainingsform mit bedacht werden sollte. Nicht nur weil es dem Körper von Mensch und Tier gut tut, sondern auch, weil es meiner Meinung nach das Vertrauen zueinander stärkt. Man lernt sich anders kennen.

Während einer Pause im Wald lernte ich zum Beispiel, dass mein Pferd gerne Waldboden frisst. Aber nur bestimmten. Früher war ich auch sehr streng damit wo er zu gehen hat. Inzwischen ist es mehr ein miteinander gehen. Mal geht er vor, mal ich. Meist aber gehen wir tatsächlich im Gleichschritt nebeneinander. Irgendwann hab ich angefangen im für längere Touren (5-10km) Satteltaschen an einen Longiergurt zu binden. Er trägt dann unser Wasser und was zu naschen (meist Äpfel oder Möhren). Ich mag es außerdem, dass man irgendwann in einen Rhythmus kommt, wo es egal ist wie weit man wirklich geht. Man geht halt einfach. Es ist somit Training und Entspannung zugleich. Wie Yoga, wenn man so möchte.
Und was könnte natürlicher sein, für ein „normalerweise“ langsam voran wanderndes Tier, als ein entspannender Spaziergang.

Wie man sieht hat dieses „gehen“ vielfältige Auswirkungen. Es ist außerdem hilfreich, wenn man zum Beispiel mal nicht allzu viel Zeit hat um angemessen mit dem Pferd zu arbeiten. Oder zu gestresst ist. Zum Spazieren braucht man außerdem, wie anfangs erwähnt, auch kein geografisches Ziel. Man braucht noch nicht mal wissen, welche Runde man gehen möchte. Wenn man den Hof verlässt kann man sich einfach entscheiden. Links oder rechts. Und dann sieht man weiter. Es ist ebenso spannend sein Pferd den Weg entscheiden zu lassen. Mal sehen wo man landet.

Oh, und zu guter Letzt: Pausen in der Sonne unter einem schönen Baum nicht vergessen. Vielleicht findet man sogar einen Lieblingsplatz.

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