Schlaf beim Pferd- Basisreihe

von Maria

In diesem Artikel geht es um das letzte Thema unserer Basisreihe “gesundes Pferd”- der Schlaf. Oftmals außer Acht gelassen mit Teils schweren Folgen. 

Was beim schlafenden Pferd passiert, wovon dies abhängig ist und wie du deinem Pferd die nötige Ruhe verschaffen kannst, erfährst du hier. 

Zuallererst möchte ich betonen, dass die Forschung auf dem Gebiet des Schlafes und vor allem beim Pferd nicht zu Ende ist und sich die Quellen untereinander widersprechen. Einige Theorien zum Schlaf mussten aus der Humanmedizin auf das Pferdes übertragen werden. Das ist insofern tückisch, als dass das Pferd einen ganz anderen Rhythmus und andere Lebensbedingungen hat als wir Menschen 

Der Schlafrhythmus eines Pferdes

Pferde schlafen anders als Menschen. So viel steht fest. Wir Menschen haben im Regelfall einen über die Nacht festgelegten Block in dem wir in eins durchschlafen. Unsere vierbeinigen Freunde hingegen schlafen tagsüber am ehesten im Zeitraum des Vormittags bis mittags und von etwa Mitternacht ( variiert je nach Quelle) bis zur Morgendämmerung. Tagsüber sind unser Pferde meist am Dösen und das im Stehen. Dabei hilft ihnen die Spannsägenkonstruktion an der Hinterhand, um möglichst energiearm und allzeit fluchtbereit ein kleines Päuschen zwischen 2 bis 15 Minuten zu halten. In der Nacht hingegen legen sich die Pferde in Brustlage oder sogar Seitenlage ab. Dies richtet sich je nach Schlafphase. 

Die Schlafphasen eines Pferdes

Die Schlafphasen wurden hier aus der Humanmedizin abgeleitet. Dabei ist man sich nicht einig, ob diese 1:1 auf das Pferd übertragbar sind und in welcher Schlafposition das Pferd welche Phase erreicht.

Die verschieden Schlafphasen sorgen für unterschiedliche Aktivitäten im Gehirn. Die Funktion von Schlaf im Allgemeinen nicht ist abschließend geklärt. Man nimmt an, dass es vorrangig um Erholung geht. Weiter hat der Körper die Möglichkeit sich zu regenerieren und sogar der Zellaufbau ist im Schlaf erhöht. Eins ist gewiss, Schlaf ist für alle Säugetiere essentiell und gewinnbringend. Wir würden ohne ihn sogar sterben. Daher müssen Pferde in freier Wildbahn das gefährliche Unterfangen Schlaf ausführen.

Dabei haben die Schlafphasen unterschiedlichen Einfluss. Pferde, die sich aus verschiedensten Gründen nicht mehr ablegen, sind gezwungen primär zu dösen. Diese Schlafphase ist weniger tief und weniger erholsam als, die REM (rapid eye movement) oder SWS (slow wave sleep) Phasen. 

Bei der SWS- Phase sollte das Pferd die Möglichkeit haben sich in Brustlage zu begeben und vielleicht sogar seinen Kopf auf den Boden abzulegen. Je nach Quelle wird angenommen, dass das Pferd für die tiefste Schlafphase/ REM-Phase auf der Seite mit ausgestreckten Beinen liegen sollte. Einige Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass dies auch schon in der Brustlage möglich ist. 

Das Dösen ermöglicht unseren Fluchttieren kurze Erholungsphasen immer mit der Möglichkeit schnell zu fliehen. 

Haltungsformen als Einfluss auf den Schlaf beim Pferd

Diesem Absatz werden viele von euch sicherlich etwas ungern lesen, aber Pferde in Boxenhaltung schlafen tatsächlich mehr und tiefer. 

Das ganze dröseln wir nun auf. Es wurden Wildpferdeherden bzw. halb wild lebende Herden (z.B. Przewalski Pferde) beobachtet, sowie Pferde in Laufställen und Boxenhaltung. Diese Daten wurden miteinander verglichen. 

Dabei ist klar zu sehen, dass Pferde die einen gewohnten  geschützten  Raum haben, mehr Schlaf bekommen. Das Ganze sollte man dabei aber sicherlich in einen Kontext setzen. Denn Pferde die (nahezu) frei leben sind den ganzen Tag mit Nahrungssuche und sozialer Interaktion beschäftigt . Was aber sollen unsere domestizierten Pferde in ihrer 3x3m Box tun außer fressen und schlafen? 

Die Herdenkonstellation als Einfluss auf den Schlaf beim Pferd

Hier wird es ein wenig tricky. Man hat hier zwei Theorien: 

  1. rangniedrige Pferde bekommen weniger Möglichkeit sich zu erholen und sind im Regelfall erschöpfter, da ihnen weniger Pausen eingeräumt werden. 
  1.  ranghohe Pferde haben permanent den Stress ihren Rang zu halten und acht auf ihre Herde zu geben. 

Ich bin tatsächlich eher dazu geneigt mich der ersten Theorie anzuschließen, da gleichzeitig in einem Herdenverband beobachtet werden konnte, dass die Ranghöheren sich etwa eine halbe Stunde früher in der Nacht abgelegt haben, als der Rest der Herde. Weiter habe ich aus meiner persönlichen Erfahrung schon gesehen, was passieren kann, wenn eine Herde zu inhomogen ist oder zu viele Pferdewechsel geschehen. Da sind die rangniedrigen Tiere meist erschöpfter gewesen, da sie von allen anderen immer wieder vertrieben wurden. 

In der Nacht ist bei einer Herde noch zu beobachten, dass die Pferde näher zusammenrücken und einige wenige eine Art Nachtwache halten. Dann kann sich der Rest in Ruhe ablegen und sich in die REM Phasen begeben. Interessant wäre hier zu wissen, ob die Pferde von Nacht zu Nacht ihre Wachen tauschen und ob der Rang einen Einfluss hat. 

Tatsächlich hat man Aufzeichnungen der Ruhedauer von Armeepferden in Anbindehaltung gefunden. Diese haben im Schnitt 3,3h am Tag geruht . Das Boxenpferd bis zu 10h und Pferde in Weidehaltung 7-9h.

Das Futter als Einfluss auf den Schlaf beim Pferd

Die Verfügbarkeit von Nahrung und Wasser verschafft unseren Pferden die Möglichkeit mehr und länger zu schlafen. Pferde in der freien Wildbahn müssen sich permanent damit beschäftigen, wie sie an Nahrung kommen. Ein Pferd im Offenstall ist davon abhängig, wie wir Menschen die Futterlogistik gestalten. Ein Paddocktrail beispielsweise, veranlasst das Pferd dazu sich mehr zu bewegen, wobei ein 24h Weidengang für ein Nahrungsangebot ad libidum sorgt und mehr Zeit zum Schlafen verschafft. 

Das Training als Einfluss auf den Schlaf beim Pferd

Das Training 

Auch hier habe ich wieder verschiedene Ansätze zum Einfluss von Training auf den Schlaf gefunden. Eine Theorie geht davon aus, dass Training eine Stressbelastung ist. Daher schüttet der Körper das Hormon Cortisol aus, das letztendlich für ein schlechtes Schlafverhalten sorgt. 

Bei Beobachtungen fand man heraus, dass das Ruhebedürfnis nach dem Training lediglich auf die folgenden zwei Stunden Einfluss nahm und somit keinen langfristigen Effekt hatte.

Meine Frage dazu ist, was in einem Training passieren muss, dass ein Pferd davon Cortisol ausschüttet. Während meiner Ausbildung haben wir gelernt, dass Training vor allem im Ausdauerbereich ein Mittel der Wahl zum Stressabbau ist. Dabei werden im Regelfall Hormone wie Dopamin ausgeschüttet und man fühlt sich nach getaner Arbeit gut und kann besser zur Ruhe finden. Da macht die Art des Trainings einen enormen Unterschied, ob wir unser fluffiges Freizeitpferd betrachten oder das permanent unter Strom stehende Rennpferd.

Die Taktgeber des Schlafes beim Pferd

Der Schlaf des Pferdes unterliegt mehreren Faktoren. Das ist zum einen der Tag- Nacht-Rhythmus, der mit unter hormonell gesteuert ist. Entscheidend ist dabei die Ausschüttung von Melatonin. Bei Lichteinfall auf das Auge wird die Ausschüttung des Hormons gehemmt. Neigt sich der Tag dem Ende und es wird dunkel, kommt es zu einer Ausschüttung aus dem Gehirn. Das Hormon signalisiert dem Körper, dass er nun zur Ruhe kommen kann, indem beispielsweise der Blutdruck, der Energieverbrauch und die Körpertemperatur gesenkt wird. 

Gleichzeitig hat Melanin einen positiven Einfluss auf unser Immunsystem. Es wirkt nämlich entzündungshemmend und antikanzerogen ( gegen Krebs). 

Noch viel wichtiger sind die exogenen Faktoren, wie Futter – und Ruhezeiten im Stall. Pferde scheinen sich diesen Faktoren anzupassen. Es ist wichtig und essentiell, dass sie eine Regelmäßigkeit in ihrem Tagesablauf haben und Sicherheit bekommen. Ich kann nicht oft genug betonen, dass Pferde Fluchttiere sind, die zur Nacht in ihrer Sinneswahrnehmung noch empfindlicher werden. 

Mein Fazit

Für mich sind bei meiner Recherche einige Fragen offen geblieben. Denn wie viel Schlaf benötigt mein Pferd um gesund zu bleiben, ist mir nicht so recht bewusst. Nur das Boxenpferde mehr Ruhe und Schlaf bekommen als Wildpferde und alle anderen auf der Skala sich dazwischen einordnen. 

Dafür ist mir klar geworden, dass Routine und Regelmäßigkeit, sowie ein stabiler Herdenverband oder gleichbleibende freundliche Boxennachbarn wichtig sind, um Ruhe zu finden. Der Schlafplatz selbst sollte weich und bequem sein und das Pferd sollte entsprechend seiner Körpergröße immer genug Platz zum Aufstehen haben. 

Je älter das Pferd ist, desto weniger wird sich hingelegt und die tieferen Schlafphasen (SWS und REM) sind weniger häufig zu sehen. Das mag eventuell der verminderten Agilität oder einem geringeren Melatoninspiegel im Alter geschuldet sein. Weitere Faktoren können Gelenkschmerzen, ein niedriger Rang, Platzmangel, mangelnder Sozialkontakt, Unsicherheit und/oder Nervosität sein. 

Insgesamt ist aber klar zu erkennen, dass Schlaf zu einer Regeneration, dem Immunsystem und dem vermehrten Zellaufbau beiträgt. Dies wiederum dürfte in einem Aufbautraining sehr förderlich sein. Des Weiteren ist der Schlaf den wir morgens an unseren Augenwinkeln vorfinden, Lymphflüssigkeit, die nur während der Schlafphasen aus dem Gehirn drainiert werden. Also verlassen Stoffwechselendprodukte unser Gehirn in dieser Zeit. Und wahrscheinlich auch die unseres Pferdes. Mit anderen Worten: Nur im Schlaf kann der Müll in flüssiger Form das Gehirn verlassen.

Für mich ist jetzt klar geworden, dass Offenstallhaltung nicht immer das Mittel der Wahl ist, vor allem in Ställen, in denen keine konstanten Herdenstrukturen vorhanden sind. Das sorgt innerhalb des Verbands für Unruhe und langfristig sind die Pferde erschöpfter, weniger leistungsstark und anfälliger für Infekte. Da ist es für die Nacht teils sinnvoll die Tiere, für die es ein Problem darstellt, in eine Box zu stellen und einen Rückzugsort zu schaffen. Außerdem werde ich persönlich mein Pony in seiner vormittags Ruhezeit nicht mehr mit Training behelligen und überlegen, ob es nicht sinnvoller ist ihn nachmittags mehr raus zu stellen, wenn er zu dieser Tageszeit aktiver ist. 

Quellen

Wenn du dich selbst noch weiter dazu belesen willst, findest du hier noch mehr Informationen:

https://edoc.ub.uni-muenchen.de/16740/1/Kalus_Magdalena.pdf

https://flexikon.doccheck.com/de/Melatonin?utm_source=www.doccheck.com&utm_medium=DC%2520Search&utm_campaign=DC%2520Search%2520content_type%253Aall&utm_content=DC%2520Search%2520melatonin

https://www.netdoktor.de/medikamente/melatonin/

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