Schau auch du deinem Gaul ins Maul 2.0

von Maria

Wir sind uns wahrscheinlich alle einige, dass man mit einer möglichst feinen Hand am Zügel sein sollte. Der  Dressurtrainer und Autor Charles de Knuffy meinte, er sei nicht zum Reiten auserkoren, denn Gott habe ihn nicht mit Armen ausgestattet, die vom Ellenbogen bis zum Gebiss des Pferdes reichen. Ihm wäre es scheinbar am liebsten gewesen, dass unsere Unterarme so lange sind, dass wir uns mit unseren Fingerspitzen im Maulwinkel einhaken können. Dann würde die Energie aus unseren Armen und Händen direkten und zärtlichen Einfluss auf die Vorhand des Pferdes nehmen. Wir könnten genau dosieren und würden die Zunge und den Gaumen des Pferdes außen vorlassen können. 

Nun ist das allerding nicht so einfach möglich. Daher müssen wir uns verantwortungsvoll und feinfühlig mit den Mäulern unsere Pferde beim Reiten auseinandersetzen. Wir sollten immer im Hinterkopf haben, dass die Zügel im Maul des Pferdes enden.

Bei meiner Recherche bin ich auf eine Interessante Studie der Uni Wien von Friederike Uhlig aus dem Jahr 2009 gestoßen. Sie zeigt die massive Einwirkung bei vermeintlich leichten Zügelzug ( von 0 bis 4 kg ) auf das Pferdemaul. Ihre Daten wertet sie sowohl röntgenologisch, als auch  graphisch aus. In den nachfolgenden Bildern zeige ich euch die Form der Zunge bei verschiedenen Gebissformen und Zugstärken, entnommen aus der Graphik.

Wie man anhand der Grafiken sieht, wirken die doppelt gebrochenen Gebisse schärfer und geben deutlich mehr Druck auf die Zunge. Dadurch wölbt sich die Zunge nach hinten auf. An der Stelle des Gebisses wird durch die doppelte Brechung der gesamte Druck auf die Zunge geben. Damit ist die Gefahr eine Quetschung größer. Bei dem einfach gebrochenen Gebiss stellt sich die Bruchstelle unter Zug im Maul auf. Damit wird der Druck eher auf die Seiten der Zunge und auf die zahnfreie Zone des Gebisses übertragen. Dabei ist zu beachten, dass das Trensengebiss an den Gaumen stoßen, wenn das Pferd ein tendenziell kleines Maul hat oder eine fleischige Zunge. Zweiteres trifft z.B. bei meinem Pony zu, daher teste ich im Moment die doppelt gebrochenen Variante.

Alle drei Gebissen lassen erkennen, dass ab einem Zug von 2 kg deutliche Veränderungen der Zungenform zu erkennen sind und bei 4 kg, kann man sich vorstellen, dass dies kein Dauerzustand für die Zunge sein sollte. 

Nun gibt es noch diverse weitere Varianten an Gebissen. Es würde nun zu weit führen auf alle einzugehen. Daher werde ich ergänzend zu der Olivkopf- und Wassertrense noch ein paar Worte über das Stangengebiss schreiben. 

Das Stangengebiss hat eine andere Wirkungsweise. Wird nun ein vermehrter Zug auf einer Seite des Pferdemauls ausgeübt, bewegt sich die ganze Stange im Pferdemaul und eckt auf der anderen Seite an der Lade an. 

Insgesamt findet jedoch weniger Bewegung im Pferdemaul statt, da das Pferd nichts “zum Spielen” hat.  Manche Pferde scheinen damit wirklich deutlich besser klar zu kommen, da eine Art Störfaktor für sie entfernt wurde und mehr Ruhe ins Maul kommt. 

Jedoch behaupten einige Quellen, dass es über diese Wirkungsweise nicht möglich sein soll, das Pferd zu stellen und im weiteren Schritt damit nicht zu biegen.  Meine eigene Beobachtung stimmt damit nicht überein. Ebenfalls haben sich die Reiter, die mit Stangengebiss reiten noch nicht in meiner Gegenwart über, die fehlende Stellung und Biegung ihres Pferdes, auf Grund des Stangengebisses beschwert. 

Man kann nun nicht dauerhaft eine Kofferwaage in die Zügel installieren, um seinen eigenen Zug ständig zu prüfen. Was an dieser Stelle helfen muss sind sogenannte innere Bilder. Stell dir vor du hättest einen kleinen Spatzen in der Hand, den du nicht loslassen solltest. Du darfst aber nicht so fest zugreifen, da du ihn sonst zerdrückst. Das Maul deines Pferdes ist ähnlich empfindlich,  wie der Spatz. Nur hast du keine direkte Verbindung, sondern die Zügel liegen noch dazwischen. Dies führt ( auch bei mir) manchmal dazu , dass man auf so großen Abstand etwas unbedachte Zügelhilfen gibt. 

Deshalb  behandele das Maul deines Pferdes bitte mit einem solchen Einfühlungsvermögen als wäre es dein eigener Mund oder als würdest du einen Spatz vorsichtig nach draußen tragen. 

Mein Eingangs schon beschriebenes Problem, war die zu lose Verschnallung des Gebisses. Damit fiele das Gebiss locker im Maul hin und her und war eher ein Störfaktor, als ein Hilfengeber. 

Daher mein Appell an euch: schaut in die Mäuler eurer Pferde unter den oben genannten Gesichtspunkten. Liegt das Gebiss auf der richtigen Höhe, hat es die richtige Breite, das richtige Material?

Vor  allem sind die Hengste und viele Wallach und einige Stuten mit einem Hengstzahn ausgestattet und  haben somit noch etwas weniger Platz, was eine korrekte Verschnallung noch mal wichtiger macht. Die Ponies haben oftmals ein zu kleines Maul für die konventionellen Gebisse, die auf dem Markt erhältlich sind. Zusätzlich sollte zu dem korrekten Equipment, die eigene Hilfengebung hinterfragt werden. Stehen die Hände in jeder Gangart ruhig ? Kommen die Zügelhilfen dosiert und behutsam aus den Fingern und dem Handgelenk  oder wird es eher eine Ganzkörperbewegung bei der Ellenbogen und Schultergelenk mitmachen? 

Dieser Artikel soll keineswegs dazu bewegen, von Gebissen abzuraten, sondern zu einem bewussten Umgang anregen und verdeutlichen, was es uns für Macht über unsere Pferde gibt. In manchen Situationen muss ein klares, eindeutiges Signal gegeben werden können, da es sonst wirklich gefährlich werden kann. Daher schaut eurem Gaul ins Maul und teilt euer neues Wissen gerne mit der Stallgemeinschaft, da es noch genug Pferde gibt, denen etwas auf der Zunge liegt.

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