Reise durch den Pferdekörper

von Maria
vom Schädel bis zum Vorderhuf

Ich möchte euch auf eine Reise durch den vorderen Teils des Pferdeskeletts mitnehmen. 

Jede:r von uns wird schon mal die Abbildung gesehen haben, in der der Knochenbau eines Pferdes dem eines Menschen, auf allen Vieren, gegenübergestellt wurde. Es war nett, das mal gesehen zu haben. So richtig konnte man dann aber doch nichts damit anfangen. 

Der Schädel 

Fangen wir bei dem Schädel an. Grundlegend unterschiedlich. Das Pferd hat einen unglaublich langen Kiefer im Gegensatz zu uns und damit das perfekte Mahlwerk für Gräser und die ein oder andere Möhre bis hin zu ganzen Ästen und Rinde. Die Augen liegen seitlich, womit sie eine fast 180° -Sicht haben. Als Fluchttier behalten sie damit den Überblick. Zudem sind sie mit langen und beweglichen Ohren ausgestattet, die den Geräuschen von potenziellen Feinden folgen können. Unsere Ohren hingegen sind, abgesehen von einem bisschen Wackeln, seitlich fest mit dem Kopf verbunden.

Der Hals 

Als nächstes kommt der wunderschöne lange Hals, der genauso wie bei uns, aus 7 Halswirbelkörpern besteht. Da das Pferd den Hals zum Ausbalancieren in allen Gangarten benutzt, ist er damit im Verhältnis zum Rest des Körpers signifikant länger als bei uns. (Bitte daher mal die Rollkur und diverse Ausbinderverschnallungen hinterfragen, welche das Pferd daran hindern seine eigene Balance zu finden und zu halten). Das Genick ist im Normalfall der höchstes Punkt bei einem aufrechten Pferd. Zusätzlich sind die Bänder entlang der Halswirbelsäule beim Pferd deutlich stärker als beim Menschen. Das liegt daran, dass Bänder Bewegungen mit extrem geringem Energieaufwand  wieder zurückführen. Im Kontext bedeutet dies, den gesenkten Kopf schnell, effizient und mit wenig Energie nach oben in eine aufrechte Position zu bringen, um zu gucken, hören oder vielleicht auch schnell wegzulaufen.

Die vordere Extremität 

Kommen wir weiter zur vorderen Extremität. Diese ist ausschließlich über Muskeln mit dem Rumpf verbunden. Bei uns gibt es das Schlüsselbein als Verbindungsstück. Kleiner Fun Fact: es wird davon ausgegangen, dass ab etwa der Höhe eines L-Springens das Schlüsselbein eines Pferd beim Aufkommen brechen würde. Daher scheint eine gute Schultermuskulatur, die deutlich angenehmere Variante zu sein. Zusätzlich ermöglicht es die extrem schnellen Wendungen, die ein Pferd beim Flüchten ausführen kann. Sei es auch nur vor einem Gespenst… mit einem Reiter oben drauf.  

Das Schulterblatt selbst liegt genauso wie bei uns auf dem Brustkorb auf. Lediglich die Lokalisation ist beim Pferd seitlich und bei uns Menschen von hinten zu betrachten. Die Besonderheit des Pferdeschulterblattes liegt darin, dass es nach ober eine große Knorpelmasse aufhat, ähnlich wie einen Hut.

Der Oberarmknochen ist unserem sehr ähnlich. Zum Schultergelenk hat einen Höcker mehr als wir, der zur Befestigung der Sehnen dient.

Nach der Schulter folgt der Ellenbogen.  Anders als bei uns Menschen sind Elle und Speiche fest miteinander verwachsen. Damit fehlt das vor- und zurückdrehen des Unterarms bzw. der Hand / des Hufs. Das Pferd braucht die Beweglichkeit nicht, da es keine Beute umklammert oder sein Heu in irgendeiner Weise fixieren muss. Fun Fact: Mareikes Somi versucht dennoch hin und wieder Äste mit seinen Hufen zu fixieren, damit er sie besser fressen kann. 

Weiter geht es mit dem Karpalgelenk, das recht ähnlich zu Unserem ist. Ein Unterschied ist allerdings, dass die kleinen Handwurzelknochen nicht mit allen fünf “ Fingern” zusammenspielen, wie bei uns, sondern mit dem Mittelfinger und dem Überbleibsel von Zeige- und Ringfinger. Der Daumen ist nur noch als Kastanie zu erkennen, sowie der Nagel des Kleinfingers bei manchen Pferden in der Fesselbeuge noch wächst. Außerdem ist beim Pferd das Erbsenbein deutlicher ausgeprägt. Das Erbsenbein ist ein sogenanntes Sesambein. Diese dienen generell alle als Umlenkrolle und ermöglichen somit ein Energieersparnis.

Worauf steht unser Pferd nun aber? Unsere Pferde zeigen uns permanent nur noch den Mittelfinger, da sich der Rest sehr zurückgebildet hat oder schlichtweg bein manchen Tieren nicht mehr vorhanden ist.  Das sogenannte Röhrbein ist der Mittelfinger. Direkt daran angewachsen sind die Griffelbeine ( Zeige- und Ringfinger), die noch mit den Karpalgelenk in Verbindung stehen und für eine breite Auflagefläche der Knochen sorgen.  Anschließend folgt das Fesselbein, was unserem Fingergrundglied des dritten Fingers entspricht. Danach das Kronbein, also dem mittleren Fingerknochen und dann das Hufbein als Fingerendglied und der Huf, mit seinen verschiedenen Hornstrukturen, als “Fingernagel” darüber.

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