Pferde und ihre Zähne: Warum dein Pferd zum Zahnarzt muss

von Mareike Heil
Pferdezähne müssen vom Zahnarzt kontrolliert werden

Mit den Zähnen des Pferdes beginnt der gesamte Magen-Darm-Trakt. Läuft hier etwas nicht ganz rund, kann es zu weitreichenden Problemen, sowohl bei der Verdauung, als auch beim Reiten kommen. Somit sollte dein Pferd regelmäßig zum Zahnarzt, um Zahnproblemen vorzubeugen und Schmerzen zu verhindern. Hier klären wir nun die wichtigsten Fragen zur Zahnbehandlung und du erfährst einiges an Hintergrundwissen zum Thema Pferdezähne.

Etwas unnützes Wissen vorweg:

Wusstest du, dass Pferde beim Heu fressen ca. 58-66 mal pro Minute kauen und wenn sie Gras fressen 100-105 mal pro Minute?

Das bedeutet, dass ein Pferd, welches zum Beispiel im Sommer 24/7 auf der Weide steht, davon 16-18 Stunden frisst und angenommen 100 mal pro Minute kaut, etwa unglaubliche 96 000 – 108 000 mal pro Tag eine Kaubewegung macht. Warum ausgerechnet dieses Kauen für Pferdezähne so wichtig ist, erfährst du gleich.

Beitrag enthält einen Werbelink zu einem Buch

Wissenswertes über Pferdezähne

Ich gebe zu, noch vor einigen Jahren hatte ich selbst absolut keine Ahnung über Pferdezähne (oder Zahnbehandlungen beim Pferd). Damals habe ich schließlich meinen ersten Artikel über Pferde und ihre Zähne geschrieben, um mich selbst weiter zu bilden und ich weiß, dass es vielen Pferdebesitzer:innen (vielleicht dir ja auch?) ähnlich geht. Wir gucken einfach viel zu selten in so ein Pferdemaul. Was uns dabei entgeht, ist wie wunderbar angepasst eben dieses ist, für seine Aufgabe Gras oder Heu zu zermahlen, um es verdaubar zu machen.

Aufbau und Aufgabe der Pferdezähne

Das ausgewachsene Pferd besitzt zwischen 36 und 44 Zähnen, je nach Vorhandensein der Eck- und Wolfszähne. Ein Jungpferd besitzt 24 Milchzähne, welche zu unterschiedlichen Zeiten herausfallen.

An sich gibt es:

  1. Incisivi = Schneidezähne (Anzahl 12)
  2. Canini = Eck – (/Hengst-) zähne (Anzahl 0 – 4)
  3. Prämolaren = Vorderbackenzähne (Anzahl 6 pro Seite, 12 gesamt)
  4. Molaren = Backenzähne (Anzahl 6 pro Seite, 12 gesamt)

Auf unserem Poster siehst du, wo sie liegen und wie so ein Pferdeschädel aufgebaut ist:

Die Prämolaren und Molaren des Pferdes haben sich evolutionär so entwickelt, dass sie beide dem Zermahlen von Nahrung dienen, und können somit insgesamt als Backenzähne bezeichnet werden.

Die Aufgaben der Pferdezähne nach Lage im Maul:

Ergreifen & Abschneiden von Nahrung (Schneidezähne)

Verteidigung/Angriff (Eckzähne)

Zermahlen von Nahrung (Backenzähne)

Kurzüberblick: Die Zähne des Pferdes im Detail

Inzisivi (Schneidezähne)

Insgesamt besitzt das Pferd 12 Schneidezähne. Sechs oben und sechs unten.
Die Milchschneidezähne brechen dabei zwischen einigen Tagen bis 9 Monate nach der Geburt durch (je nach Zahn, die in der Mitte beginnend). Der nächste Zahnwechsel zu den bleibenden Zähnen erfolgt zwischen 2,5 und 4,5 Jahren. Zudem verändert sich der Kauflächenwinkel im Alter: Beim jungen Pferd ist dieser vertikal, die Zähne liegen also gerade aufeinander. Beim Älteren Pferd hingegen wird der Winkel immer spitzer, wenn keine Zahnbehandlung erfolgt, denn dann kommen irgendwann hinten die Kauflächen nicht mehr aufeinander. Das Pferd muss beim Fressen die Zähne aufeinander pressen, sodass die Schneidezähne nachgeben und Spitzer werden.

Canini (Eckzähne)

Als Milchzähne kommen die Dentes canini nur verkümmert vor und brechen daher nicht durch. Die bleibenden Canini erscheinen zwischen dem 4 und 6 Lebensjahr. Eckzähne treten häufig bei männlichen Pferden auf, wobei meist alle 4 Zähne vorhanden sind – zwei unten, zwei oben. Stuten können ebenfalls Eckzähne haben (hingegen einiger Mythen rund ums Pferdegebiss), aber meist ist das eher selten der Fall. Wenn sie welche ausbilden, dann oftmals nur 2 anstatt 4 Zähne und sie sind kleiner als die männlicher Pferde.

Die Eckzähne beim Pferd sind ganz einfache Zähne ohne Schmelzfalten (= Diese dunklen und hellen Wellen die man oben auf den Pferdezähnen sieht), ähnlich den unseren, und laufen dabei spitz zu. Zwischen den Canini besteht zudem kein Kontakt, da die Oberen weiter hinten liegen.

Hat dein Pferd noch Eckzähne? Falls du dir unsicher bist, schieb doch einfach mal seine Maulfalte etwas nach oben oder unten und schau nach. So kannst du zudem ihre Lage zum Gebiss überprüfen, denn schlägt dieses an die Eckzähne, kann das sehr schmerzhaft sein und zu Abwehrreaktionen beim Reiten führen.

Die Backenzähne beim Pferd

Erster Prämolar (Wolfszahn)

Der Wolfszahn ist ein kleiner, verkümmerter Zahn, der meist keine Wurzel besitzt. Ein Wolfszahn kommt beim Pferd recht selten vor. Falls doch einer vorhanden ist, bricht dieser als permanenter Zahn direkt mit 6-12 Monaten durch. Dennoch fallen die Wolfszähne später häufig aus, wenn der erste Prämolar durchkommt, bzw. die Milchprämolaren ausfallen (also die Backenzähne).

Prämolaren & Molaren (Backenzähne)

Bei den Prämolaren (Vorderbackenzähne) sind die Milchzähne meist bereits vor der Geburt durchgebrochen oder eruptieren während der 1. Lebenswoche. Sie werden, je nach Zahn, im Alter von 2,5, 3 und 4 Jahren durch die permanenten Zähne ersetzt. Die Molaren (hinteren Backenzähne) sind nicht als Milchzähne vorhanden und brechen direkt im Alter von 1, 2 und 3,5 Jahren als permanente Zähne durch.

Generell sind die Backenzähne eher rechteckig, bis auf der 1. und letzte Zahn, welche dreieckig sind. Außerdem sind die Maxillazähne (Oberkiefer) breiter und quadratischer als die Mandibularzähne (Unterkiefer), welche schmal und rechteckig sind.

Warum sollte mein Pferd regelmäßig zum Zahnarzt?

Nachdem du nun das nötige Hintergrundwissen über die Zähne des Pferdes erlangt hast, kommen wir zur Zahnbehandlung. So klingt das alles bisher ganz schick und ein wenig wie bei uns Menschen: Keine Zähne da, Milchzähne kommen, Milchzähne fallen aus, permanente Zähne sind da: Fertig. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn das Pferdegebiss ist schlichtweg komplett anders als das unsere. Sie sind schließlich ausdauernde Pflanzenfresser und wir Fleischfresser. Unser Gebiss ist darauf ausgelegt zu zerkauen, abzureißen, feste Stücke klein zu bekommen, das Pferdegebiss soll zupfen und ausdauernd mahlen.

Pferdezähne schieben kontinuierlich nach.

Pferdezähne sind lang, sehr lang! Und das hat einen guten Grund: Denn permanentes Mahlen führt zu Abnutzung. Da ist es doch sinnvoll, wenn über das gesamte Pferdeleben verteilt immer wieder ein wenig Zahn von unten nachkommt. Tatsächlich sind es sogar 2 – 3 mm pro Jahr. Im übrigen wächst der Zahn nicht von unten ständig neu nach, wird also dauerhaft gebildet, sondern ist als permanenter Zahn mit einer langen Zahnkrone und Wurzel ausgestattet, welche nach oben heraus wächst.

Mit einer Eruptionsrate von 2-3 mm pro Jahr und einer ungefähren Zahnlänge von 7,5 cm beim Backenzahn (variiert je nach Pferd), müsste der Zahn mit 30 Jahren komplett abgenutzt sein. Es wäre also normal, wenn dein 30 jähriges Pferd keine Zähne mehr hat.

Die 2 – 3 mm an „Zahnwachstum“ beim Pferd entsprechen dabei genau der Abnutzungsrate der Kaufläche, wenn sehr raufaserreiche Nahrung gefressen wird. Besteht das Futter allerdings zu einem gewissen Anteil aus nicht- oder wenig – raufaserreicher Nahrung (z.B. Kraftfutter, Heucobs, oder sehr weiches Gras) dann vermindert sich automatisch die Abnutzungsrate. Schaut man sich einmal auf unseren Weiden und in den Pferdeställen um, stellt man fest: Also richtig raufaserreich und hart ist unser Futter nicht gerade.

So wachsen die Zähne mehr, als dass sie sich Abnutzen und es kann zu Haken, Ecken, Kanten, Dellen, Wellen etc. kommen, was langfristig zu noch größeren Problemen führt. Daher ist allein aus diesem Grund eine jährliche Kontrolle durch eine Fachperson (Dentist, Tierarzt) unablässig.

Jaaaa, aaaber …!

… mein Pferd bekommt ganz viel raufaserreiches Futter, sogar Gehölz. Und Probleme haben wir auch gar keine! Dann brauche ich das doch gar nicht, oder? Nee … lies erstmal noch weiter oder schau direkt unter Kieferfehlstellungen.

Haken am Pferdezahn: AUA!

Durch die Abnutzung und das Nachschieben der Zähne können sich Haken bilden. Durch Kieferfehlstellungen, Muskulaturverspannungen, Arthrosen im Kiefergelenk, Kauvorlieben etc. An den unteren Backenzähnen bilden sie sich meist zur Zunge hin, an den oberen Backenzähne zur Backe. Du kennst das doch bestimmt auch? Man isst, und beißt sich so richtig beherzt auf die Backe. Man fühlt einen Hubbel hinterher, vielleicht blutet es sogar etwas. Das Essen hat sich aber bis zur nächsten Mahlzeit erstmal erledigt. Gott sei Dank ist unsere Mundschleimhaut so schnell in der Wundversorgung und Heilung, dass nach einem halben Tag meist nichts mehr spürbar ist.

Nun stell dir vor, dass passiert dir bei jedem Essen. Jedes Mal kauen und ein Zahn oder mehrere reiben an deiner Backe, pieksen in deine Zunge. Du stopfst dir schon Essen als Polster an die schlimmsten Stellen, aber so richtig die Lösung ist das auch nicht.

Damit das kein Dauerzustand für dein Pferd ist, ist die Entfernung von Haken an den Zähnen eine der wichtigsten Aufgaben bei einer Zahnbehandlung.

Zahnbehandlung bei einem Jungpferd – essenziell für eine gute Entwicklung

Bei einem Jungpferd entwickelt sich so viel in den ersten Jahren und vieles läuft Hand in Hand. Gerade bei den Zähnen kann es zu Problemen kommen.

Worauf du achten kannst:

Die Milchzahnkappen

Die Milchzähne brechen durch den Druck der permanenten Zähne von unten und den Zug des Parodontiums (Zahnhalteapparat) durch. Gleichzeitig werden sie bereits von ihrer Wurzel her resorbiert, sodass nur eine Zahnkappe übrigbleibt. Die Kappe ist dabei fast genauso groß wie die Krone der bleibenden Zähne. Daher ist es manchmal schlecht zu erkennen, ob der Zahn ein Permanenter oder ein temporärer Zahn ist.

Eben diese Zahnkappen können durch ihre ähnliche Größe zur neuen Zahnkrone auf den Zähnen eines Pferdes hängen bleiben und zu Kauproblemen führen. Darunter können sich zudem Futterreste und Speichel ansammeln, zur großen Freude von Maulbakterien. So können schleichend Entzündungen oder Karies entstehen.

Zahnkappen sollten also in jedem Fall kontrolliert und entfernt werden. Gleichzeitig lassen sich so die permanenten Zähne und ihr korrekter Durchbruch beobachten.

Wolfszähne

Hat dein Pferd einen Wolfszahn, wird dieser oftmals entfernt (wenn er nicht von allein herausfällt), damit er später nicht stört oder Probleme macht. Da Wolfszähne nur selten eine Wurzel haben, ist es meist kein Problem.

Muss der Eckzahn raus?

Diese Frage stellt sich meist kurz vorm Einreiten des Pferdes, wenn es an ein Gebiss gewöhnt werden soll. Möchtest du ohnehin nur gebisslos reiten, ist es egal, ob dein Pferd Eckzähne / Dentes canini besitzt. Soll es aber mit Gebiss geritten werden, muss genau geschaut werden wie viel Platz in seinem Maulspalt und der Maulhöhle ist, damit das Gebiss nicht ständig gegen den Zahn schlägt. Ansonsten kann es zu unangenehmen Schmerzen, Problemen beim Einreiten und allgemein Rittigkeitsproblemen kommen. Ist Headshaking beim Reiten ein Problem, kann hier auch durchaus einmal nachgeschaut werden.

Bedenke aber: Dentes canini schieben nicht nach wie die anderen Pferdezähne. Das heißt sie können auch im Alter noch sehr tief sitzen. Dabei besteht häufig eine bis zu 5-7 cm (!!) lange Reservekrone (der Teil zwischen Krone und Wurzel), da meist nur 10-20% des Zahns durchgebrochen sind. Hierdurch kann sich eine Extraktion der Zähne als sehr schwierig erweisen. Findest du kein passendes Gebiss für dein Pferd, macht eine Extraktion durchaus Sinn, da die Canini eine besonders große Pulpahöhle (Nervenleitbahnen liegen hier) vorweisen, welche meist bei Jungpferden bis 5 mm an die Kaufläche heranreicht und somit die Eckzähne noch empfindlicher macht.

Letztendlich muss man hier also abwägen. Was passt in das Maul meines Pferdes? Ist dort viel Platz oder eher wenig? Kann ich mir eine OP leisten? Wie bereit bin ich was ein Gebiss angeht über den Tellerrand zu schauen? Wie alt ist mein Pferd überhaupt? Vielleicht wächst es noch oder weitere Eckzähne brechen später durch? Bin ich bereit zu warten bis alle Eckzähne wirklich da sind (als bis wenigstens 6 Jahre) bevor ich meinem Pferd ein Gebiss vorstelle? (Allgemein sollte ein Pferd nicht vor dem 5ten Lebensjahr eingeritten und erst ab dem 6ten regelmäßig geritten werden, aufgrund der Wachstumsfugen der Knochen insbesondere an der Wirbelsäule).

Zahnbehandlung bei einem Seniorenpferd.

Auch alte Pferde habe im Sinne der Zähne ihr Päckchen zu tragen. Ein Pferd gilt ab 18 Jahren als Senior:in, ab hier gilt es also wieder vermehrt auf die Zähne zu achten.

Was ist wichtig bei einem alten Pferd:

Pferdezähne wackeln oder fallen aus

Wie oben bereits geschrieben, kann es durch die Abnutzung und das Nachschieben sein, dass ein 30-jähriges Pferd keine Zähne mehr übrig hat. Da die Länge der Krone und Wurzel aber individuell ist, ist es bei einigen Pferd schonmal früher der Fall, bei anderen später.

Läuft alles glatt, sitzen die Pferdezähne bis zum Ende recht fest und fallen aus. Ansonsten muss ein:e Zahnarzt bzw Zahnärztin die Überreste entfernen, damit sie nicht gammeln. Es kann aber auch passieren, dass ein Pferdezahn früher beginnt zu wackeln und entweder wieder selbst ausfällt oder gezogen werden muss.

Fällt ein Zahn bei deinem Pferd aus, entsteht eine Zahnlücke, wodurch ein der gegenüberliegende Zahn seinen Gegenspieler (zum Mahlen braucht es zwei) verliert. Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt für regelmäßige Kontrollen gekommen, denn ansonsten wächst der Zahn ohne Gegenspiel nach und nach in die Lücke ein, verkantet sich und ein normales Kauen ist nicht mehr möglich. Kann das Pferd nicht richtig kauen, wird es irgendwann abbauen, weil eine normale Futteraufnahme nicht mehr möglich ist.

Zahntaschen beim Pferd

Da die Zähne zum Wurzelende hin kleiner werden, bilden sich kleine Lücken zwischen den Zähnen. Bleibt hier Futter hängen, können sich Zahntaschen bilden, welche Entzündungen hervorrufen und zu Fäulnis im Maul beitragen. Mehr dazu hier.

EOTRH

EOTRH ist gerade bei alten Pferden ein großes Thema. Es kommt zur Kalzifizierung der Zahnwurzel, insbesondere an den Schneidezähnen, wodurch diese beginnen zu wackeln und beim Fressen schmerzhaft werden. Sie müssen irgendwann gezogen werden. Mehr dazu erfährst du ebenfalls hier.

Krankheiten bei Pferdezähnen

Nicht immer wachsen die Pferdezähne einfach nur, sondern können genauso wie wir Erkrankungen an den Zähnen und am Zahnfleisch bekommen. Dazu zählen neben Zahntaschen und EOTRH auch Karies, Zahnstein, Parodontose, Fisteln, Nasennebenhöhlenentzündungen (die Zähne haben eine sehr enge Verbindung mit den Nasennebenhöhlen!). Die vier häufigsten Erkrankungen bei Pferdezähnen findest du hier.

Wie oft sollte mein Pferd zum Zahnarzt?

Ein Pferd sollte alle 1 – 2 Jahre dem Zahnarzt / der Zahnärztin vorgestellt werden. Bei einem Termin wird diese:r auch eine Empfehlung für einen nächsten Termin aussprechen. Hast du ein Jungpferd ist eine Überprüfung durchaus jedes halbe bis ein Jahr sinnvoll, um den Zahnwechsel ausreichend zu kontrollieren. Bei alten Pferden ist es ähnlich. Um das verschwinden der Zähne und mögliche altersbedingte Krankheiten wie EOTRH rechtzeitig zu erkennen und zu beobachten ist hier ebenfalls alle halbe bis einmal im Jahr eine Zahnbehandlung nötig.

Wie läuft eine Zahnbehandlung bei einem Pferd ab?

Zunächst wird alles an einem passenden Ort aufgebaut. Eine saubere, ruhige Umgebung bietet sich an. Habe zudem lauwarmes Wasser parat zum Maulspülen und eine Schüssel zum ausspucken. Strom wird ebenfalls für die elektrischen Raspeln benötigt. Ist alles aufgebaut, geht es weiter.

Bei einer Zahnbehandlung durch eine:n gute:n Zahnarzt / ärztin bzw. Dentist:in oder eine:n gut geschulte:n Tierarzt / ärztin wird das Pferd zunächst sediert. Es gibt auch Zahnärzt:innen die eine Behandlung ohne Sedierung durchführen, aber um es dem Pferd und dem behandelnden Arzt / Ärztin so bequem und sicher wie möglich zu machen, ist eine Sedierung wirklich sinnvoll.

Hat dein Pferd ein Problem mit Spritzen (so wie meins…) empfehle ich dir das Buch “Medical Training für Pferde” von Nina Steigerwald*.

Ist dein Pferd eingedämmert, wird erstmal alles kontrolliert, Zahnstein entfernt und anschließend die Schneidezähne bearbeitet. Danach wird das Maulgatter aufgezogen, um das Maul offen zu halten und so die Backenzähne bearbeitet. Muss nichts gezogen werden oder ähnlich, war es das meist schon. Ausspülen, kontrollieren, ggf. nacharbeiten, fertig. Muss mehr gemacht werden, wird es natürlich aufwendiger.

Anschließend darf dein Pferd seine Sedierung ausschlafen. Schau, dass es solange es weiterhin nicht ganz wach ist an kein Futter gelangt. Es könnte sich verschlucken oder eine Schlundverstopfung bekommen. Halte außerdem eine Abschwitzdecke bereit (falls es Herbst, Winter oder Frühjahr ist), denn viele Pferde schwitzen nach einer Sedierung nach und im Sommer stell dein Pferd in den Schatten!

TIPP: Nimm dir eine medizinische oder FFP2 Maske mit zur Zahnbehandlung. Wenn du bei deinem Pferd stehst und den Kopf stützen musst, wirst du automatisch den Zahnstaub abbekommen. Dieser ist nicht wirklich gesund für deine Atemwege.

Wann darf ich nach einer Zahnbehandlung wieder reiten?

Die Frage aller Fragen! An sich kann dein Pferd bereits am nächsten Tag wieder trainiert werden. Ich würde aber empfehlen, es zumindest noch zwei Tage ruhig angehen zu lassen. Zum Beispiel mit einem Spaziergang oder Bodenarbeit. Denn so eine Sedierung kann durchaus noch länger nachwirken. Der Verdauungstrakt braucht außerdem auch bis zu drei Tage, um wieder normal zu funktionieren. Es ist also alles noch etwas dusselig und langsam, und dein Pferd muss sich erst an die neue Situation im Maul und Kiefergelenk gewöhnen, da muss kein sofortiges Training sein.

Wurde etwas Größeres gemacht, zum Beispiel ein Zahn gezogen, lass es am besten wenigstens eine Woche ruhig angehen und schau, wie dein Pferd auf die Trense reagiert. Du musst nicht gar nichts machen, mach einfach ein paar entspannte Kleinigkeiten.

Außerdem lohn ein anschließender Besuch von einer / einem Physiotherapeut:in oder Osteopath:in, um Verspannungen durch die Zahnbehandlung oder Umstellungen durch das „neue“ Gebiss zu richten.

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