6 Tipps mit denen du dein Pferd wieder antrainieren kannst

von Mareike Heil

Der Frühling schleicht sich langsam aber sicher ein, dein Pferd aber war die letzten Wochen in Winterpause. Oder es war krank und nun folgte das langersehnte OK: Es kann wieder losgehen! Aber womit fängt man nun an? Einfach wieder draufsetzen ist nicht die Lösung, sondern kann langfristig schaden. Wir zeigen dir daher nun wie du dein Pferd wieder antrainieren kannst.

Der Ist-Zustand – Wie steht mein Pferd da?

Generell kennt man die Schwachstellen seines Pferdes. Bei Somi ist es zum Beispiel, wie bei vielen anderen Pferden auch, der Rücken. Zudem hat er langsam immer öfter Probleme mit seinem rechten Knie. Steht er voll im Training brauche ich mir darüber keine Gedanken machen, kommt er aber, so wie gerade, aus der Winterpause knickt er oft weg und kann die Last nicht gut aufnehmen.

Trotz dieses Wissens ist es wichtig neutral abzuchecken, wie das Pferd aussieht. Betrachte dein Pferd von allen Seiten und stelle dir diese Fragen:

Hat es abgenommen? Hat es zugenommen?
Wo sind „Muskellöcher“?, also wo hat sich Muskulatur sichtbar abgebaut.
Sind die Schwachstellen schlimmer geworden?
Wie beweglich ist es? (Teste mit einer Möhre nach Links und rechts, oben und unten)
Wie bewegt es sich? Läuft es taktklar?

Stellst du Taktunreinheiten fest, solltest du diese abklären. Zudem ist nun genau der richtige Zeitpunkt, um eine Pferdephysio oder Pferdeosteo hinzuzuziehen. So können mögliche Einschränkungen direkt beim Antrainieren behoben / beachtet werden und ihr startet fit in das nächste Jahr.

Konditionscheck vor dem Antrainieren – Gut gehalten oder aus der Puste?

Neben dem sichtbaren körperlichen Zustand fehlt noch der Trainingszustand ohne Training. Denn auf unsere Grundkondition können wir aufbauen und auch an ihr messen wie sich unser Training entwickelt. Wenn du viel im Gelände unterwegs bist, bietet es sich an, wenn du dir eine allgemeine „Teststrecke“ überlegst, an der du immer wieder kontrollieren kannst.

Die Teststrecke sollte im Idealfall ein gutes Stück Strecke für jede Gangart bereithalten. Normalerweise nutzt man nun einen Pulsmesser am Pferd, aber den haben vermutlich die wenigsten. Ich schaue daher auf dieser Teststrecke (wenn ich tatsächlich nichts gemacht habe auch an der Hand!) wie gut wir sie absolvieren.

Die Fragen die du dir Stellen kannst:

Wie schnell ist mein Pferd k.o.?
Wie weit kann es gut traben? (Und ich joggen 😉 )
Wie sieht es bergauf aus? Sehr bemüht oder kraftvoll?
Ist es hinterher plitschnass oder geht es? (Hier bitte Fell und Temperatur beachten)

An der Longe kannst du dir natürlich auch einen kleinen Test überlegen, aber gerade wenn man viel ins Gelände geht, sollte so ein Test auch reell im Gelände stattfinden. Später kannst du dann anhand deiner Startwerte schauen wie ihr euch verbessert habt.

Die Möglichkeiten um dein Pferd wieder anzutrainieren.

Wo wir nun unsere Basis kennen, unsere Ausgangsposition, können wir mit dem Training starten. Dein Pferd wieder antrainieren bedeutet nicht direkt von null auf hundert zu starten, sondern es langsam zu erhöhen. Das heißt entweder startest du zum Beispiel mit zwei Tagen in der Woche und erhöhst die Anzahl der Tage langsam, oder mit mehr Tagen aber sehr kurzen Einheiten. Insgesamt sollten aber in jedem Fall Pausentage bleiben. Viele Reiter:innen glauben ihr Pferd müsste 7 Tage die Woche trainiert werden, um Muskeln aufzubauen und zu erhalten. Muskeln bauen sich aber in den Pausen zwischen dem Training auf. Zu viel Training kann daher auch das Gegenteil bewirken: Muskelabbau.

Nun aber zu den vielfältigen Möglichkeiten. Neuere Studien legen nahe, dass Körperhaltungen und Muskeln sich viel besser entwickeln, wenn sie durch gegebene Umwelteinflüsse die einzige Lösung für den Körper darstellen. Daher kann uns unsere Umwelt wunderbar beim Training helfen und gleichzeitig Abwechslung bieten.

Spazieren gehen / Wandern als Training für dein Pferd

Die womöglich natürlichste Form deinem Pferd (und dir) zu neuer Kondition zu verhelfen ist das Spazieren gehen bis hin zum Wandern mit Pferd. Außerdem lassen sich so viele Alltagssituationen üben, sowie neue Gegenden entdecken. Die meisten Pferde mögen es sich auch mal umzusehen, Somi liebt zum Beispiel anderer Leute Vorgarten zu betrachten. So kann man diese Art des Trainings ganz vielfältig gestalten: Mal ins nächste Dorf (vielleicht zum Bäcker oder zur Eisdiele 😉 ), mal lange durchs weite Feld, auf einsamen Pfaden durch den Wald, oder wenn du die Möglichkeit hast hoch hinaus auf den Berg.

Besonders unebene, unbefestigte Wege und das Klettern an steilen Wegen sind wunderbare natürliche Trainingsoptionen, um dein Pferd wieder anzutrainieren. Halte außerdem gern Ausschau nach Abenteuern und schau mal was ihr dabei so alles üben könnt. Sicheres hinter dir gehen, sicheres neben dir gehen am durchhängenden Strick, vor dir gehen und dennoch reagieren, auf Distanz gehen. Herumliegende Äste können deine Stangen sein, Bäume deine Schlangenlinien für Seitengänge. Schau mal was du so findest.

Longieren mit Stangen oder am Hang

Longieren ist vermutlich das was einem als erstes in den Sinn kommt, wenn es um das Antrainieren von Pferden geht. Oft werden hier endlose Runden gedreht bis man selbst ein Brummkreisel ist. Aber von nun an bist du schlauer! Um dir und deinem Pferd ideales Training zu gewährleisten und dennoch den Spaß an der Sache nicht zu verlieren (Freude und Motivation aus dem Inneren heraus ist alles!) bring etwas Abwechslung ins Spiel. Zum Beispiel durch:

  • Accesoires wie Stangen, Matten, Schwimmnudeln
  • Nutze die ganze Halle oder den gesamten Reitplatz
  • Verkleinere oder vergrößere den Abstand
  • Nutze Blau / Gelb

ODER: Longiere in der Natur. Ja, man kann das tatsächlich auch außerhalb eines Vierecks machen. Am besten eignen sich übrigens Flächen mit unebenen Böden, welche noch dazu leicht am Hang sind. Hangtraining baut optimal die Hinterhand auf, zudem kann dein Pferd nicht anders als seinen Bauch mit zu nutzen und den Rücken zu heben. Bergab muss es auch seine Hinterhand einsetzen, denn sonst fällt es irgendwann oder stolpert. Ich mache es hierbei sogar aktuell so – aber auch nur weil ich Somis Trittsicherheit zu 100% vertraue und er keine Sehnenerkrankungen hat! -, dass er immer wieder das Tempo wählen darf. Er will bergan traben und bergab galoppieren? Soll er, wenn es ihm Spaß macht. Umso besser wird seine Balance später sein. Dennoch darf man aber auch nicht vergessen: Wer schnell kann, muss auch langsam können. Beachte bitte, dass du das Training am Hang nur in kurzen Intervallen machst, da es sehr anstrengend ist.

Das Pferd wieder antrainieren beim longieren über Stangen mit Körperband

Bodenarbeit mit Seitengängen

Bei Bodenarbeit scheiden sich ja ein wenig die Geister. Entweder du liebst es, oder du hasst es. Dein Pferd lässt sich damit aber super wieder antrainieren. Hier könnt ihr alle Seitengänge die ihr sonst so reitet mal vom Boden aus auffrischen (oder zum ersten Mal machen? Soll ja einige Pferd geben die manches nur ‚von oben‘ gelernt haben…). Seitengänge trainieren Stabilität, Balance und Kraft und bauen alle für das Reiten essenzielle Muskeln auf.

Spiel und Spaß mit Accessoires – Matten, Wippen, Bälle, Target

Wenn du beim Antrainieren mit der Longe schon Matten, Stangen o.ä. einbaust, dann kannst du das auch zwischendurch. Training bedeutet nicht nur Muskelaufbau, sondern sollte auch mit Spaß verbunden sein. Ob am langen Strick oder als Freiarbeit: Matten, Wippen, Bälle, das Target; alles lässt sich wunderbar einbinden, um verschiedenste Bewegungen zu üben. Bewegungsvarianz bringt Sicherheit und Körpergefühl.

Dehnübungen für zwischendurch

Zuletzt kannst du hin und wieder Dehnübungen einbauen. Sowohl unsere als auch die Beweglichkeit unseres Pferdes lässt oft schnell zu wünschen übrig. So entstehen Sehnenverletzungen, Stolperer und Ungleichgewicht. Damit ihr zusammen dehnen könnt, schau dir gern diesen Artikel an, wenn du selbst ebenfalls fit und beweglich werden möchtest, haben wir dir hier einige online Trainings rausgesucht! Da sollte für jede/n was dabei sein.

Wir hoffen dein Pferd kommt fit aus der Pause wieder raus!

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