Osteopathie für Pferde – Was sie macht und kann

von Maria

Alena Blume ist Osteopathin für Pferde und Physiotherapeutin für Menschen. Sie betreut ihre vierbeinigen Patienten von Jung bis Alt, im Amateurbereich oder für den Wettkampf. In diesem Interview gibt sie uns einen Einblick in ihren Alltag und erklärt, wo die Unterschiede zu anderen Therapien liegen.

Der Alltag als Pferdeosteopathin

Maria: Hallo Alena, erstmal vielen Dank, dass du das Interview mit uns machst. 
Letzte Woche ging es bei uns schon um die Physiotherapie, vornehmlich am Pferd. Heute wollen wir uns mehr mit der Osteopathie für Pferde beschäftigen. Du bist als Pferdeosteopathin unterwegs. Wie sieht denn ein Alltag am Pferd bei dir aus? 

Alena: In meinem Alltag bekomme ich vorab über meine Website von den Besitzer:innen in der Regel ein paar kurze Eckdaten zum Pferd und der bestehenden Problematik. Daraufhin fahre ich in den Stall zu meinen Kund:innen und beginne nach der Begrüßung mit einem ausführlichen Anamnesegespräch mit der Reiterin oder dem Reiter, Pfleger:in oder Besitzer:in. Danach folgen die Inspektion und Palpation des Pferdes. Im Anschluss folgt eine Bewegungsanalyse an der Hand, an der Longe und ggf. unter der oder dem Reiter:in. Dabei schaue ich mir ebenfalls die Ausrüstung wie den Sattel, die Trense, das Gebiss und die Gamaschen etc. an. Nun folgt die Befundung des Pferdes beginnend mit der Vorhand, danach der Hinterhand, der Wirbelsäule und dem Kopf mit Kiefergelenk, Zungenbein und den Zähnen. Diese ausgiebige Befundung ist sehr wichtig um danach eine gezielte Behandlung durchführen zu können. Am Ende folgt eine kurze Behandlungsbesprechung mit Trainingstipps und Eigenübungen für das jeweilige Pferd.

Osteopathie vs. Physiotherapie für Pferde

Das verhält sich ja ähnlich wie bei der Physiotherapie. Wo machst du in deiner Therapie einen Unterschied zwischen diesen beiden Bereichen? 

Einen direkten Unterschied mache ich in meiner Therapie nicht. Jedes Pferd bekommt die Behandlung die es braucht und ich nutze dabei Techniken aus der Osteopathie und der Physiotherapie. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsformen. In der Physiotherapie wird der Bewegungsapparat des Pferdes beurteilt, befundet und behandelt. Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsform bei der der gesamte Körper und auch die Organe mit einbezogen werden. Zudem verfolgt die Osteopathie das Ziel, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Wann würdest du sagen, ist es an der Zeit einen Pferdeosteopathen oder eine Pferdeosteopathin zu holen? (vielleicht im Gegensatz zu anderen Therapieformen) 

Ich finde diese Frage lässt sich sehr schwer in einer halbwegs kurzen Form beantworten, da die Osteopathie viele verschiedene Bereiche abdeckt. Unabhängig davon, ob man dabei präventiv denkt oder an jegliche Art von physischen oder psychischen Erkrankungen.

Osteopathie für Pferde ist eine nachhaltige Sache

Passiert es dir oft, dass Kund:innen einfach nur ihr Pferd “eingerenkt” haben wollen? Bzw. bist du dafür auch die richtige Ansprechpartnerin? 

In meinem Alltag kommt es immer mal wieder vor, dass Kundinnen und Kunden ihre Pferde nur mal schnell eingerenkt haben wollen. Dafür bin ich nicht die richtige Ansprechpartnerin. Denn dies ist aus meiner Sicht nicht der richtige Ansatz. Um einen nachhaltigen Erfolg zu erzielen, sollte ganzheitlich abgeklärt werden, warum es überhaupt zu einer Blockade gekommen ist. Blockaden, die einen klaren Hintergrund haben, wie zum Beispiel ein Wegrutschen des Pferdes, lassen sich oft schneller behandeln, aber auch hier sollte eine ganzheitliche Behandlung erfolgen. Blockaden, die hingegen ohne erkennbare Ursachen entstanden sind bzw. immer wieder entstehen, sollten genauer beurteilt werden, um die Ursache herauszufinden und diese zu beheben. Der Ursprung dieser Problematik kann weit entfernt von der eigentlichen Problematik liegen. Daher ist es sehr wichtig genauer hinzuschauen und nicht nur kurz eine Blockade zu lösen.

Über das Pferd hinaus gedacht

Auf welche Bereiche gehst du bei einer Behandlung noch ein? (z.B. Training, Sattel, Mensch)

Während meiner Behandlung gehe ich auch auf die Ausrüstung des Pferdes ein. Eine gut gepflegte und vor allem gut passende Ausrüstung, wie zum Beispiel die Trense, das Gebiss, der Sattel oder die Gamaschen sind unerlässlich, um ein zufriedenes und leistungsfähiges Pferd zu haben. Ebenso wichtig ist ein:e gesunde:r und fitte:r Reiter:in. Durch meine Tätigkeit als Humanphysiotherapeutin ist es mir möglich, neben dem Pferd auch die Einflüsse der Reiterin oder des Reiters auf das Pferd in meine Therapie mit einzubeziehen. Oftmals berate ich meine Kund:innen auch darüber, wie ein gutes Training gestaltet werden kann. Zusätzlich gehe ich auch auf die Haltung und Fütterung ein, denn auch diese sind sehr wichtig für das Pferd.

Wie funktioniert Osteopathie für Pferde?

Gibt es einen ganzheitlichen Ansatz? 

In jedem Fall gibt es einen ganzheitlichen Ansatz, denn der gesamte Körper und auch die äußeren Einflüsse sollten mit einbezogen werden, um eine erfolgreiche Therapie zu erzielen.

Wie grenzt sich deiner Meinung nach die Pferdeosteopathie von der Pferdechiropraktik ab? 

Ich denke ein wesentlicher Unterschied ist der ganzheitliche Ansatz den die Osteopathie ausmacht. Dazu beginnt die Osteopathie in der Regel mit sanften Techniken, welche die Selbstheilungskräfte aktivieren sollen. Klassische Manipulationstechniken kommen in der Osteopathie erst später zum Einsatz, während die Chiropraktik frühzeitig aus einem Pool von Manipulationstechniken schöpft.

Gibt es Kontraindikationen für die Pferdeosteopathie? 

Ja, diese gibt es. Kontraindikationen sind z.B. Fieber, frische Frakturen, Entzündungen, offene Wunden, Tumore und Infektionen. Dennoch sollte jeder Einzelfall individuell beurteilt werden.

Würdest du vorbeugend zu einer regelmäßigen Behandlung in Intervallen raten oder empfehlen erst bei Problemen eine:n Pferdeosteopath:in hinzuzuziehen? 

Wenn sich Probleme bereits manifestiert haben, reicht eine Behandlung oft nicht aus und es müssen mehrere Behandlungen geplant werden. Daher rate ich dazu jedes Pferd 1-2x jährlich präventiv behandeln zulassen. So können Schonhaltungen und Fehlbelastungen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Die Patienten einer Pferdeosteopathin

Was sind die Hauptprobleme bei denen du gerufen wirst? 

Ein Hauptproblem zu dem ich häufig gerufen werde, ist eine Widersetzlichkeit des Pferdes beim Reiten oder Probleme in der Rittigkeit. Da Pferde wahre Kompensationskünstler sind, verbergen sich hinter dieser Widersetzlichkeit oder diesen Problemen oft größere Baustellen. Ein weiteres Problem sind Erkrankungen wie z.B. Kissing Spines oder Arthrose. Bei diesen Erkrankungen rufen mich die Besitzer:innen in regelmäßigen Abständen, um den betroffenen Pferden möglichst viel Lebensqualität zu geben. In regelmäßigen Abständen werde ich aber auch zu Pferden gerufen die nach Operationen oder Verletzungen neben der tierärztlichen Behandlung Osteopathie oder Physiotherapie bekommen sollen, um so eine schnellere Regeneration zu erlangen. In vereinzelten Fällen werde ich auch zu Sportpferden gerufen, die eine sehr hohe Leistung erbringen. Diese Pferde werden vor, während oder nach dem Wettkampf von mir betreut.

Wenn du mehr von Alena erfahren möchtest, kannst du hier zu ihrer Website gelangen und einen Termin vereinbaren!

Für mehr Interviews zu Therapie, findest du hier das Interview zur Energiearbeit mit Wienke.

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