Leinsamen – ein Superfood für unsere Pferde

von Mareike Heil

Leinsamen haben vielfältige Eigenschaften und werden besonders häufig bei Magenproblemen für unsere Pferde empfohlen. Wer sich einmal genauer mit der Leinsaat oder auch mit der Flachspflanze beschäftigt stellt fest, dass verdammt viel drinsteckt in dieser Pflanze. Es sind nicht nur Schleimstoffe die dem Magen helfen können, sondern auch viele essentielle Stoffe. Was genau nun diese Leinsamen zu einem Superfood für unsere Pferde macht und wie du den „Leinsamenschleim“ richtig herstellst sind alles Fragen die wir nun klären!

Ein klein wenig Geschichte

Leinsamen oder auch Leinsaat (Lini semen) sind die Samen des Flachses (Linum usitatissimum). Flachs zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt und wurde schon vor ca. 8000 Jahren angebaut und die Flachsfasern zu Stoffen verarbeitet. Auch heute noch werden Stoffe aus Flachs produziert und wer schon mal eine Leinenbluse oder ein Leinenhemd getragen hat, weiß wie gut sich der Stoff gerade im Sommer anfühlt.

Heute kann Leinsamen fasst überall angebaut werden, allerdings zählen zu den Hauptproduzenten Russland, Kanada und Kasachstan. Dennoch wird Flachs natürlich auch in kleinerer Form überall in Europa und im Rest der Welt angebaut. Wenn du also Leinsamen kaufst, frag doch einfach kurz nach, wo denn die Leinsamen bezogen werden. In Deutschland wird leider noch recht wenig Lein produziert, aber mit etwas Einsatz einer Suchmaschine findest du vielleicht sogar einen Produzenten in deiner Nähe.

Lein / Flachs blüht im Übrigen sehr schön blau, bevor es zur Reife hin als ca. 1 Meter hohe Pflanze rundliche Samenkapseln bildet, in denen sich die bräunlichen oder auch goldgelben, flachen Samen befinden.

Inhaltsstoffe – das Super im Food

Die wohl bekannteste Eigenschaft des Leinsamens ist seine Entwicklung von Schleimstoffen bei Kontakt mit Flüssigkeit. Ich nenne das Gesamtergebnis gern „Leinsamenschleim“. Die Schleimstoffe bestehen aus Zuckern wie Xylose und Galactose („Schleimzucker“) und befinden sich in der Schale. Beim Kontakt mit Flüssigkeit werden diese gelöst und führen zu einer Volumenvergrößerung.

Weitere Bestandteile von Leinsamen sind:

25% Ballaststoffe
25% Eiweiß
30 – 40% fettes Öl

Dazu kommen Vitamin B1, B2, B6, E und Mineralien wie Selen, Nicotin-, Fol- und Pantothensäure. Ein weiterer Stoff sind Lignane, welche zu den Phytohormonen zählen und eine leicht östrogenartige Wirkung haben. Beim Menschen sagt man ihnen nach, dass sie unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.

Eine der wichtigsten Bestandteile sind aber die Öle wie Linolsäuren (Omega-6-Fettsäuren) und Alpha-Linolensäuren (Omega-3-Fettsäuren), wobei in Lein deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren (bis zu 70%) vorkommen als Omega-6-Fettsäuren. Beide sind dennoch essentielle ungesättigte Fettsäuren und müssen dem Körper zugeführt werden.

Omega-3-Fettsäuren Unterstützen den Stoffwechsel und das Immunsystem. Zudem helfen sie bei der Produktion von entzündungshemmenden Stoffen, können Schmerzen reduzieren und sind wichtig für Haut und Haar. Neben Leinsamen oder Leinöl sind sie noch besonders enthalten in Chiaöl und Hanföl.

„Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren im Leinsamen unterstützen das Immunsystem. Die Schleimstoffe schützen den Magen und Darm.“

Omega-6-Fettsäuren unterstützen ebenfalls das Immunsystem und sind wichtig für die Zellmembran, sowie Aufbau- und Reparaturprozesse, was sie somit von Bedeutung für die Wundheilung macht. Zu viele Omega-6-Fettsäuren können allerdings auch Entzündungen auslösen.
In Leinsamen oder Leinöl sind diese nicht in allzu großer Menge enthalten, wohingegen sich mehr in Traubenkernöl und Distelöl befinden.

Die gruselige Blausäure – oder?

Aber da ist doch Blausäure enthalten und die ist giftig! Ja, das stimmt. Leinsamen enthalten cyanogene Glykoside, genauer gesagt den Stoff Linamarin. Diese Stoffe sollen die Pflanze vor Fressfeinden schützen, werden aber auch durch Beschädigung der Samen (Mahlen, Kauen) freigesetzt und im Körper durch Enzyme der Pflanze selbst (Linamarase) und Enzyme des Magen- und Darmtrakts gespalten, sodass daraus Blausäure (Cyanwasserstoff) entsteht.

Allerdings enthält nicht nur Leinsamen Blausäure, sondern viele andere Pflanzen auch. Für gewöhnlich wird die Blausäure im Körper zu Rhodanid gespalten und über den Harn ausgeschieden. Hat also dein Pferd bereits Probleme mit der Entgiftung bzw. erkennbare Leber- und Nierenprobleme, dann solltest du die Fütterung von Leinsamen erst mit deinem/deiner Tierarzt / Tierärztin oder Therapeut:in besprechen.

„Als tödlich werden beim Pferd ca. 4 mg / kg KM an Blausäure angesehen. Das wären bei einem 500 kg Pferd ca. 2 gr reine Blausäure.“

Nun eine kleine Rechnung:

10 gr Leinsamen enthalten ca. 2 mg Blausäure. Somit enthalten 100 gr Leinsamen 20 mg Blausäure. Die Ernährungsempfehlung für Pferde liegt je nach Gewicht und Größe zwischen 60 – 100 gr Leinsamen / Tag. Somit ist unser Pferd mit 100 gr Leinsamen noch einiges entfernt von den 2 gr tödlicher Substanz.

Kann ich die Blausäure loswerden? Ja ein wenig, aber das hat auch Nachteile. Blausäure bzw. Cyanwasserstoff ist sehr flüchtig und wasserlöslich. Durch das Kochen der Leinsamen verdampft die Blausäure also größtenteils, allerdings hat Kochen auch immer den Nachteil, dass dabei gute Stoffe wie Vitamine und Fettsäuren zerstört werden.

Gold oder Braun – wo ist da der Unterschied?

Ganz schlicht: Die Quellen besagen, dass goldener Leinsamen ein größeres Quellvermögen hat und einen höheren Anteil an Linolsäure (Omega-6) und einen geringeren Anteil an Alpha-Linolensäure (Omega-3). Außerdem wird gelbem Leinsamen, welcher im Übrigen nicht geschält ist, sondern lediglich eine andere Züchtung, nachgesagt, dass er weniger cyanogene Glykoside enthält. Dennoch sollte auch dieser aufgrund seines Quellvermögens gekocht werden, damit sich die Schleimstoffe lösen und der wunderbare, schleimige Brei entsteht und keine Kolik durch das Aufquellen im Magen – Darmtrakt begünstigt wird.

Braune Leinsamen im Detail

Anwendungsgebiete – von Magen bis Fellwechsel

Durch seine tollen Eigenschaften hat Leinsamen definitiv – sofern in Maßen verfüttert – alles was es braucht um ein Superfood zu sein. Die enthaltenen Schleimstoffe legen sich schützend an die Magenwand, wie die Magenschleimhaut selbst und kann somit helfen Magenprobleme zu beseitigen.

Zudem unterstützt Leinsamen durch seine ungesättigten Fettsäuren und Vitamine das Immunsystem. Er hilft im Fellwechsel und ist generell gut für die Haut und das Fell.

Einziges Problem ist die Blausäure, welche aber in geringen Mengen einfach verstoffwechselt wird. Durch das Kochen gehen aber oft Vitamine und Fettsäuren verloren. Daher empfiehlt es sich im Bereich der Verdauung die gekochten Leinsamen als „Leinsamenschleim“ zu verfüttern und für alle anderen Bereiche entweder auf eine sehr geringe Menge Leinöl oder eine kleine Menge frisch gemahlenen Leinsamen (ungekocht) zurück zu greifen. Greift man auf eine geringe Menge puren Leinsamen zurück, kann man diesen auch gut im Wechsel mit anderen Saaten kombinieren und somit die Fütterung vielfältiger gestalten. Ganz wie dein Pferd es braucht.

Lagerung und Zubereitung von Leinsamen

Achtung! Wird schnell ranzig!
Wer nur kurzfristig eine kleine Menge Leinsamen benötigt greift schnell beim nächsten Einkauf nach einer kleinen Packung. Leider gibt es aber in den meisten Supermärkten nur noch bereits gemahlenen Leinsamen. Aufgrund der vielen enthaltenen Öle wird gemahlener Leinsamen allerdings sehr schnell ranzig und sollte nicht länger als eine Woche geöffnet herumstehen. Besser ist es ganzen Leinsamen zu kaufen und diesen dann bei Bedarf frisch zu mahlen. Ganzer Leinsamen hält sich – dunkel, trocken und kühl gelagert – hingegen sehr lange, da die Schale der Samen noch nicht beschädigt ist.

Zubereitung:

60 – 100 gr Leinsamen (je nach Größe und Gewicht des Pferdes)
400 – 700 ml Wasser (je nach Menge der Leinsamen; 80 gr benötigen meist 500 ml Wasser)

Alles in einen Topf tun und bei mittlerer Hitze aufkochen lassen. Dabei immer wieder umrühren und aufpassen, dass nichts anbrennt. Das tut Leinsamen nämlich sehr gern.

Dann ca. 15 Minuten köcheln lassen und weiterhin gelegentlich umrühren. Bei Bedarf nochmal etwas Wasser nachtun.

Verfüttern wie dein Pferd es mag: Warm, kalt, vermischt mit anderem Futter, pur. Da sind die Geschmäcker wirklich verschieden.

Generell sollte man Leinsamen in dieser Menge aufgrund der Blausäure nur in Intervallen von 2-3 Wochen füttern und nicht gemeinsam mit Medikamenten, da Studien gezeigt haben, dass deren Wirkung ggf. aufgelöst werden kann.


Leinsamen – das Rezept für Pferde

Quellen:

https://www.gesundheit.de/lexika/heilpflanzen-lexikon/leinsamen
http://www.gesamtverband-leinen.de/home/index,id,35.html
https://www.apotheken-umschau.de/heilpflanzen/leinsamen
https://www.pferderevue.at/magazin/haltung_fuetterung/2017/11/leinsamen_vielseitigessuperfood.html
https://www.krankenkassenzentrale.de/wiki/leinsamen-geschrotet#

Omega 3 fettsäuren:
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/omega3fettsaeurekapseln-sinnvolle-nahrungsergaenzung-8585

0 Kommentar

You may also like

Kommentar schreiben

Zum Anfang