Intervallfasten für Reiter:innen – Ähnlichkeiten und Unterschiede von Menschen- und Pferdeernährung

von Mareike Heil

Die richtige Ernährung für das Pferd spielt seit längerem eine immer größere Rolle in der Pferdewelt, denn ein Großteil der Pferde ist übergewichtig und hat Probleme mit Krankheiten wie EMS, Cushing, Insulinresitenz und Hufrehe. Beim Menschen ist es ziemlich ähnlich. Übergewicht und seine Folgen (z.B. Diabetes) sind allseits bekannt. Bei unseren Pferden sind wir nun schnell dabei alles bis aufs letzte Pülverchen anzupassen, aber wie sieht es eigentlich bei uns Reiter:innen aus? Um auch unserer Gesundheit etwas Gutes zu tun, erzähle ich dir nun ein wenig über die Ernährung von Reiter:innen, Pferden und meine Erfahrungen mit Intervallfasten.

Die Ähnlichkeiten der Pferdefütterung und Menschenernährung

1. Zucker

Man mag es kaum glauben, aber es gibt einige offensichtliche Parallelen in der Ernährung von Pferden und Menschen. Gemeinsam ist uns vor allem der übermäßige Zuckerkonsum. Unsere Pferde bekommen meist viel zu energiereiches / zuckerhaltiges Grundfutter (Heu / Gras). Sie futtern also quasi ständig Donuts, Kuchen und Kekse. Wir Menschen tun im Übrigen aber genau das Gleiche. Laut WHO sollte ein Mensch max. 25 gr Zucker am Tag zu sich nehmen. Durchschnittlich nehmen aber Menschen in unseren westlichen Ländern eher über 100 gr am Tag zu sich. Viel zu viel!

Hast du schon mal deine Tagesration an Essen auf den Gesamtzuckergehalt untersucht? Meist würde es dann schon reichen beim Frühstück aufzuhören (viele Müslis enthalten extrem viel Zucker, damit sie gut schmecken). Und der Gesamtzuckergehalt deines Pferdefutters? Wie schaut der aus? Falls du noch nie dein Heu hast untersuchen lassen, solltest du das tun, denn nur so weißt du wie viel dein Pferd wirklich davon fressen darf.

2. Rohfaser & Ballaststoffe

Eine weitere Ähnlichkeit ist der Bedarf an Ballaststoffen bzw. Rohfaser. Damit unser Darm was zu tun hat und sich unser Mikrobiom im Dickdarm freut und gesund bleibt, sind Ballaststoffe wichtig, genauso wie für das Pferd Rohfaser wichtig ist. Bei uns Menschen gibt es Ballaststoffe in Volkornprodukten, genauso wie in Gemüse. Bei Pferden ist es das Gras, welches nicht dünn, fisselig und kurz, sondern lang, breit und hart sein sollte. Blätter und Rinde sind ebenfalls gut.

3. Variantenreich Essen / Füttern

Zuletzt sollten wir uns und unser Pferd variantenreich Füttern und das von Geburt an! Um ein möglichst vielfältiges und gesundes Mikrobiom zu erhalten ist es wichtig ausreichend Vielfalt zu bieten. Bei uns Reiter:innen bedeutet das, dass wir unsere 2 Handvoll Obst und 3 Handvoll Gemüse so variabel – und für einen guten ökologische Fußabdruck saisonabhängig – wie möglich gestalten. Nicht immer nur Kartoffeln und Vollkornnudeln, sondern auch Volkornreis, Hirse, Quinoa, Hafer, Dinkel und Buchweizen, Brokkoli, Rotkohl, Blumenkohl, Beete, Äpfel, Birnen, Orangen, Grapefruit und was es nicht sonst noch alles gibt.
Für unser Pferd bedeutet das nicht nur eine Wiese mit einer Grassorte, sondern viele verschiedene Gräser und Kräuter, verschiedenes Geäst von Obst und Laubbäumen, manchmal etwas Erde und Dreck, genauso wie Gersten-, Weizen- und Haferstroh.

So wie wir uns tagein tagaus ernähren, das ist es was zählt. Bei Reiter:in und Pferd zugleich!

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Intervallfasten – warum du es auch probieren solltest!

Neben den oben genannten Punkten sind aber auch – für uns Menschen – die Pausen zwischen dem Essen wichtig. Zum Verdauen, Regenerieren und Kraft schöpfen. Hört man vom Fasten denken viele erstmal an den Februar oder die Zeit nach Weihnachten. Vielleicht mal Social Media Fasten, oder [hier bitte liebste „Sünde“ einfügen] Fasten. Aber bei Intervallfasten geht es ums tägliche Leben. Das tagein tagaus das wichtig ist.

Es gibt verschiedene Methoden und letztendlich kannst hierbei nur du selbst entscheiden welche zu dir und deinem Leben passt. Ich habe für mich 16:8 gewählt, weil diese für mich am einfachsten in meinen Tagesablauf zu integrieren war. Man kann aber auch 18:6, 20:4 oder auch 6:1 oder 5:2 oder Eat-Stop-Eat wählen. Wie es für dich passt.

Die Tagesmethoden

Zu diesen zählen 16:8, 18:6 und 20:4. Hierbei darf man in z.B. 8 Stunden so Essen wie man mag und muss dafür 16 Stunden Fasten (Fasten = Nichts Essen, keine Fruchtsäfte trinken etc. Wasser und Kräutertee sind ok.).

Die Wochenmethoden

Hierzu gehören 6:1, 5:2 oder „Eat-Stop-Eat“. Dabei isst du zum Beispiel an 6 Tagen in der Woche normal und an einem gar nicht (oder an zwei Tagen). Bei „Eat-Stop-Eat“ wird ein Tag gegessen und der Nächste gefastet und dann wieder einer gegessen und einer gefastet. Für einen leichten Einstieg, egal welche Methode du wählst, kannst du auch erst langsam beginnen und auf dein Ziel hin arbeiten.

Intervallfasten – Hirngespinst oder gesundheitlich Wirksam?

Tatsächlich gab es eine Zeit da galt Fasten als … naja … Hirngespinst von Esoteriker:innen. Mittlerweile gibt es aber etliche Studien die die tatsächliche Wirkung des Fastens belegen und zeigen, dass es diverse positive Effekte hat.

Dazu muss man erst wissen was Fasten mit deinem Körper macht. Eigentlich unterstützt Fasten (Fachwort Autophagie) die Zellregeneration. Unser Körper sammelt so über den Tag diverse fehlerhafte Zellen und Stoffwechselendprodukte als „Müll“ an. Dieser wird dann zerlegt und wiederverwertet. Sammelt sich allerdings zu viel „Müll“ in den Zellen oder werden fehlerhafte Zellen nicht beseitigt führt dies zu diversen Krankheiten. Das Problem: Die Zellregeneration bzw Autophagie funktioniert am besten mit leerem Magen, wenn keine neuen Nährstoffe mehr nachkommen und das Glykogen aufgebraucht ist. Das dauert aber ca. 12 Stunden und wird dann erst langsam hochgefahren. 16 Stunden haben sich somit als am effektivsten erwiesen. Sobald aber auch nur ein kleines bisschen Nahrung wie ein Saft oder ähnlich aufgenommen wird, wird das Ganze abgebrochen.

Die positiven Auswirkungen der zellulären Regenerationszeit sind also:

  • Verbesserung der Herzfunktion, Stabilisierung des Blutdrucks
  • Positiver Einfluss auf das Immunsystem
  • Gut für den Stoffwechsel
  • Gut bei Rheuma, Arthritis
  • Sehr gut für die Gedächnisleistung (möglicherweise sogar als Prävention von Alzheimer, Demenz und Parkinson)
  • Anti-Aging 😉
  • Steigert die Leisungsfähigkeit
  • Besser als Diät, wenn korrekt ausgeführt (regelmäßig und dauerhaft in den Tag integriert)

Deshalb sollte dein Pferd nicht fasten!

Der Gedanke ist immer wundervoll: Du und dein Pferd ihr erlebt etwas gemeinsam, teilt Erfahrungen, und was dir gut tut wird bestimmt deinem Pferd gut tun. Leider zählt Fasten nicht dazu. Denn der Pferdemagen, sowie der restliche Verdauungstrakt, ist darauf ausgelegt regelmäßig Nahrung zu bekommen. Hat dein Pferd zu lange Fresspausen, wird es zunächst Magenprobleme bekommen, denn im Gegensatz zu uns Menschen produziert dein Pferd ständig Magensäure. Ist der Magen zu lange leer, greift diese die Schleimhaut an und kann zu Magengeschwüren führen.

Zudem kannst du dir selbst sehr gut erklären wozu du nun mal nichts isst, selbst wenn dein Kopf sagt „Nun nimm aber den Kuchen!“. Wenn du aber deinem Pferd einfach das Futter vorenthältst kannst du es ihm nicht erklären und es wird nicht verstehen, warum es nun hungern muss. Das führt in jedem Fall zu Stress, was wiederum schlechte Auswirkungen auf Körper und Geist hat.

Also tu nur deinem Menschenkörper etwas Gutes und sorge bei deinem Pferd für regelmäßige Bewegung, denn diese ist ebenfalls gut für die Gesundheit 😉

Somi auf der Weide

Erfahrungsbericht zum Intervallfasten nach der Methode 16:8

Ich hab mich schon länger irgendwie unwohl gefühlt. Ständig verlangte der Körper nach Essen, obwohl mir klar war, das braucht der gar nicht. Zudem hab ich immer wieder Probleme mit meiner Haut  und generell wollte ich mich gesünder Ernähren. Da bin ich auf das Intervallfasten gestoßen und wollte es testen. Allerdings nach meinen eigenen Regeln.
Somit versuche ich nun unter der Woche mein Abendessen zwischen 16 und 17 Uhr (also bevor es in den Pferdestall geht) zu essen, anstatt des total ritualisieren Stücks Keks / Kuchen mit Kaffee, das es sonst immer gab (Familienangewohnheit). Am Wochenende wollte ich aber einfach nicht auf Kuchen verzichten und auf mein wunderbares Frühstück ebenfalls nicht. Also gibt’s halt ein sehr frühes Abendessen.

Tatsächlich war nur die erste Woche anstrengend. Der Körper sagte immer wieder „Hallo… gib mir ZUCKER!! KUCHEN!! KEKS!!! Normalerweise essen wir das jetzt!“. Aber nach einer Woche des Rebellierens war alles gut und es war kein Problem mehr. Wäre nicht eine stressige Umzugszeit dazwischen gekommen… Nun hab ich 4 Wochen nicht gefastet und fange wieder an. Aber ich denke wie bei allem ist es hier auch wichtig mal nachsichtig mit sich selbst zu sein.

Sei eine gute Freundin / ein guter Freund zu dir selbst!

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Zudem versuche ich mich gesünder zu Ernähren. Ich kaufe mehr Vollkornprodukte, mehr Gemüse und Obst. Wenn ich mir mal was „gönne“ tue ich das lieber in einem richtig guten Restaurant, anstatt zu Hause mit der Chipstüte vor dem Fernseher. Und wenn der Tag doch mal richtig mies war gibt’s das was der Geist will, denn morgen ist ein neuer Tag.

Absolute Buchempfehlung: „Der Jungbrunnen-Effekt – Wie 16 Stunden Fasten Ihr Leben verändert“. P.A. Straubinger, Margit Fensel, Nathalie Karré. Kneipp Verlag Wien.

Kauf Bücher immer in deiner Lieblingsbuchhaltung, so unterstützt du sie am besten 😉

Hinweis: Wenn du dir unsicher bist, oder du Vorerkankungen hast, solltest du das Fasten zuerst mit deinem Arzt / deiner Ärztin besprechen und es begleiten lassen!

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