Hips don’t lie

von Maria
Bild Pferd 1

Die Hüfte des Reiters

“ Meine Knie tun immer so weh”

“ Meine Beine liegen unruhig am Pferd”

“ Meine Hände springen beim Leichttraben immer auf und ab”

“Mein Kopf wackelt beim Aussitzen”

Alles läuft zur Hüfte

Vom Scheitel bis zum Schuh

die Hüfte ist es,

was still und heimlich gibt uns keine Ruh!

-M.M. Bausch-

Nun aber vorweg einige Grundlagen: Die Hüfte sitzt relativ nah am Zentrum unseres Körpers und verbindet den Rumpf mit den Beinen über die Oberschenkel und das Becken. Sie ist ein sehr stabiles Gelenk, weil der Hüftkopf zu ¾ im Becken eingefasst ist und dazu noch mit Bändern gesichert ist.

Eine wirklich stabile und sichere Konstruktion. Das ist auch absolut von Nöten, wenn man bedenkt, welches Bewegungsausmaß sie schafft und das mit dem gesamten Gewicht unseres Oberkörpers von oben einwirkend.

Jetzt bietet die Konstruktion allerdings einen entscheidenden Nachteil: Die Hüfte neigt gern dazu zu fest zu werden. Nachbargelenke (Knie, ISG, Lendenwirbelsäule) neigen dann dazu ein bisschen mehr Bewegung mit aufzunehmen, um die Festigkeit auszugleichen.

Was sind nun die Ursachen für eine feste Hüfte und woran merke ich es ?

Die oben genannten Sätze sind oftmals gute Hinweisgeber darauf, dass die Hüfte ursächlich sein kann. Wer sich mit der Anatomie weiter befasst, stellt fest, dass alle Muskeln die das Knie von oben beeinflussen, auch Einfluss auf die Hüfte haben. Wenn nun diese Muskeln zu verspannt sind und nicht flexibel genug, können sie den Druck auf ein Gelenk erhöhen oder bestimmte Fehlstellungen begünstigen bzw. noch unterstützen. Zudem sorgt genau diese steife dafür, dass Bewegungen auf dem Pferd nicht mehr richtig weitergeleitet werden und wir, wie eine Blockade von oben drauf sitzen.

Bedeutung für das Reiten

Jeder der schon einmal auf einem Balmio oder vielleicht auf einem Gymnastikball gesessen hat und beim Ball die Füße vom Boden gehoben hat, dürfte schnell festgestellt haben, dass dies die Königsdisziplin des Sitzens ist.

Es nützt einem in diesem Fall nichts verkrampft zu sitzen. Vielmehr verlangt diese unsichere Unterlage von uns feine Bewegungen, um gerade und zentral sitzenbleiben zu können. Diese feinen Bewegungen kommen durch ein ständiges Wechselspiel aus An- und Entspannen der Muskeln zustande.

Genauso sollte es beim Reiten sein. Wir benötigen ein gut abgestimmtes Wechselspiel aus An- und Entspannung der Muskulatur, um unseren Pferden genug Raum für ihren Schwung und Schub zu geben.

Was hat das nun mit den Hüften zu tun?

Viele Reiter haben, wie schon angemerkt, eine feste Hüfte. Dabei funktioniert das Wechselspiel der Muskeln nicht richtig. Es kommt zu einem verkrampften bzw. klemmenden Sitz. Die Oberschenkel sind nach oben gezogen, die Knie kleben regelrecht an den Pauschen oder der Unterschenkel liegt weit hinter dem Sattelgurt, um nur ein paar Beispiele zu nennen. ( Ich möchte kurz anmerken, dass ich hier von permanenten Zuständen ausgehe. Mir passiert es auch ab und zu mal, dass mein Bein sich in die falsche Richtung verirrt, aber es findet mit ein bisschen Übung wieder an den richtigen Ort.)

All diese Beispiele haben eine ähnliche Konsequenz. Wir behindern unser Pferd daran vernünftig unter uns zu laufen. Die Bewegung, die uns die Hinterbeine vorgeben, werden von unseren zu angespannten Muskeln gehindert. Wir werden für den Pferderücken tendenziell unbequem. In schwungvollen Gangarten sieht man den klopfenden Schenkel, weil die Beine des Reiters nach unten nicht durchlässig sind sondern ans Sattelblatt gepresst werden. Der Schwung wird dann im Unterschenkel absorbiert. Genau das gleich mit einem wackelnden Kopf, nur wird der Schwung aus der Hinterhand nach oben getragen und über die Halswirbelsäule (“einer Nickbewegung”) rausgelassen. Teilweise kann sogar die Handhaltung unter einer festen Hüfte leiden. Zum Beispiel geschieht dies, wenn der Reiter versucht, das Pferd an die Hand zu treiben. Jedoch kommt der Schwung bei klemmenden Beinen nichts bis nach vorne durch und das Pferd wird krampfhaft versucht doch noch zusammen zustellen, wobei die Hände schon fast am Oberkörper anliegen. Ein anderer Fehler wäre, dass die Hände sehr unruhig werden, wenn das Pferd eine eher schwungvolle Gangart anstrebt. Dies ist sehr häufig bei Anfängern der Fall, weil diese noch sehr mit dem Sitzenbleiben beschäftigt sind und mit dem Schwung des Pferdes noch nicht umgehen können.

Wie sieht denn der Optimalfall aus ?

Im Optimalfall liegt das Bein des Reiters in der Dressur lang am Pferd. Die gesamte Innenseite des Oberschenkels liegt am Sattel an. Hüfte und Sprunggelenk bilden eine Linie.

Wenn das Pferd rechts nach vorne Tritt und auf das Hinterbein Gewicht aufnimmt, schwingt der Bauch darüber und der Rücken hebt sich. In dem Moment wird deine rechte Gesäßhälfte angehoben. Diese Bewegung läuft weiter durch deinen Körper. In dem Moment bekommt dein rechtes Bein mehr Kontakt zum Pferdebauch. Deine Lendenwirbelsäule macht eine ganz dezente Neigung nach rechts und dein Becken schwingt mit dem Tritt nach vorne mit.

Im nächsten Moment, wenn das Hinterbein zum nächsten Tritt ansetzt, senkt sich der Rücken wieder ab und nimmt dein Gesäß mit. Dein Bein löst den Kontakt vom Bauch wieder etwas und deine Lendenwirbelsäule neigt sich etwas in die andere Richtung.

Du wirst merken, dass die Bewegung durch den ganzen Körper läuft und auch muss, wenn wir kein Störfaktor für das Pferd sein wollen. Dann müssen wir lernen, wie man mit seiner Kraft und seinem Schwung umzugehen hat, ihn für sich nutzt und die Hüften mal wieder ein bisschen locker kreisen lässt. Also mach dir am besten jetzt von Shakira “ Hips don´t lie” an und schwing die Hüften. Danach kannst du gerne Reiten gehen 😉

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