5+1 Herbstkräuter für dein Pferd, sowie 4 Leckereien für dich

von Mareike Heil
Hagebutten für Pferde

Hörst du schon die Glöcklein klingeln? Oder so… Ok, Weihnachten ist noch einen Augenblick hin, aber dafür ist draußen gerade ein Herbststurm am wüten. Es ist grau, regnet und windet stark. Die Temperaturen schwanken immer mal wieder, pendeln sich aber eher im unteren Bereich ein. Das strapaziert das Immunsystem und das Gemüt! Was hilft da besser gegen Arthroseschübe, Husten, Erkältung und Co. als wunderbare Herbstkräuter für dein Pferd und schöne Leckereien für dich.

Der Herbst als Zeit des Übergangs in die Ruhe

In der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) gehört der Herbst zu der Wandlungsphase Metall. Weitere Wandlungsphasen sind zum Beispiel Erde (Spätsommer), Feuer (Sommer), Holz (Frühjahr), Wasser (Winter). Zu dieser Wandlungsphase gehört auch das Yin, welches Ruhe und in sich gehen hervorruft. Genau das kennen wir auch, bevor im Winter alles erstarrt und besinnlich wird, bahnt sich dies bereits im Herbst an. Während es draußen stürmt, Blätter abwirft und so sich ebenfalls zurückzieht, sitzen wir gern mit einem heißen Kakao oder Tee (vielleicht mit Schuss 😉 ) am Fenster und schauen den Blättern im Regen zu.

Außerdem gehören die Organe Lunge und Dickdarm noch in die Wandlungsphase Metall. Somit arbeiten diese besonders stark im Herbst, sind aber auch anfällig für Feuchtigkeit und Kälte. Das kennen wir auch: Erkältungen hauen einen um, ständig läuft die Nase und der Husten ist auch dabei. Unseren Pferden geht es dabei nicht anders und besonders für die Kandidaten mit viel Winterfell ist es eine anstrengende Zeit. Mal ist es am Tag so warm das man schwitzt und mit klammen Fell in die Nacht mit 0 Grad geht. Dann regnet es und man wird nass, was bei Seniorenpferden oder solchen mit dünnem Fell schnell zu Verspannungen führen kann. Schon ist auch hier eine Erkältung oder Husten dabei, Muskeln sind verspannter, Arthrosen blühen auf. Wetterwechsel sind anstrengend, das Futter ändert sich von Weidegras zu Heu, der Auslauf wird in vielen Fällen geringer, es wird sich weniger bewegt.

Um also gut in die Zeit der Ruhe einzutauchen und den Husten oder die Erkältung gut zu meistern, habe ich hier einige ausgewählte Kräuter für dich und dein Pferd.

Herbstkräuter für dein Pferd

1. Hagebutte

Die Hagebutte ist eine wahre Super – Frucht und toll bei Arthrosen. Mehr zum Thema Fütterung bei Arthrose findest du hier. Sie ist eine Vitamin C Bombe und somit super für das Immunsystem, die Wundheilung und Hautaufbau. So unterstützt das Vitamin C den Knorpelaufbau bzw. -erhalt. Die in der Hagebutte enthaltenen Galaktolipide wirken zudem langfristig entzündungshemmend, sind also sowohl für Erkältungen, als auch Arthrose / Arthritis hilfreich.

Möchtest du die Hagebutte selbst sammeln und verarbeiten, solltest du beim Sammeln zunächst darauf achten, dass du nicht zu viele von einer Stelle sammelst, denn sie dienen auch Vögeln im Winter als Nahrungsquelle. Zur Verarbeitung kannst du sie trocknen und dann entweder zu Hagebuttenpulver oder als Tee verarbeiten. Die Kerne werden besser entfernt, denn durch ihre Härchen verursachen sie bei Kontakt mit der Haut starken Juckreiz.

2. Mariendistelsamen

Von der Mariendistel haben einige sicherlich schon gehört. Gemeinsam mit Artischocke ist sie in so manchem Lebersaft oder Lebertee enthalten. Die Mariendistel ist zudem bei uns nicht heimisch, du kannst ihre Samen also nicht selbst sammeln, da sie vorzugsweise in Südeuropa oder Nordafrika (Mittelmeerraum) vorkommt und ansonsten nur in Klostergärten wächst, oder richtig angebaut wird. Dennoch ist sie einer wunderbare Herbstheilpflanze und unterstützt mit ihren Samen den Stoffwechsel, insbesonderen den der Leber. Durch ihren Inhaltsstoff Silymarin, ein Flavonoidkomplex, werden die Leberzellen gestärkt. Außerdem regen Mariendiestelsamen durch ihre weiten Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Bitterstoffe, Gerbstoffe oder Schleimstoffe die Entgiftung an und wirkt anti-oxidativ.

Somit unterstützen die Mariendistelsamen indirekt die Umstellung der Verdauung von Weidengras auf Heu, da dies auch eine anspruchsvolle Zeit für die Leber ist. Zudem kann so auch einer Hufrehe (gemeinsam mit weiteren Maßnahmen!) vorgebeugt werden.

Bei Einnahme von Medikamenten sollte eine Gabe vorher mit dem Tierarzt / ärztin abgesprochen werden, da die Samen die Wirksamkeit durch einen verschnellerte Abbau vermindern können.

Husten und Erkältungen – Kräuter für dein Pferd

Mit den folgenden Pflanzen kommen wir zu unserem Erkältungs- und Hustenbereich. In der TCM würde man sagen Feuchtigkeit und Kälte sind in die Lunge eingedrungen, Schleim bildet sich, das Qi kann nicht vernünftig von der Lunge weiter fließen. In unserer westlichen Medizin sind es Bakterien und Viren die unser Immunsystem plagen. Wechselhaftes Wetter, Zugluft, Nässe, die Umstellung von Sommer auf Winter, kürzere Tage – all das belastet das Immunsystem und macht es anfälliger. So ist auch bei unseren Pferden die ein oder andere Erkältung nicht weit. Hustenkräuter sind da genau das Richtige für dein Pferd.

Dein Pferd leidet an Equinem Asthma / COPD? Hier haben wir eine Artikelreihe für dich.

3. Eibischwurzel

Eibisch gehört zur Familie der Malvengewächse. Malven kennst du vielleicht auch, sie blühen dunkel lila und finden sich mittlerweile häufig in Bienenblühmischungen. Sie können ebenfalls bei Erkrankungen der Atemwege genutzt werden. Die Eibischblüten sind hingegen weiß, sehen aber ähnlich aus.

Die Eibischwurzel enthält sehr viele Schleimstoffe wie Galacturonorhamnanen (habs nicht geschafft das laut auszusprechen…) und Arabinogalactanen, die sich wie ein Schutzfilm auf die Schleimhäute legen und so Hustenreiz (oder Magenverstimmungen) mindern. Außerdem wirken sie entzündungshemmend. Die Blätter der Eibisch enthalten ebenfalls Schleimstoffe, aber deutlich weniger als die Wurzel. So zählt die Eibischwurzel zu den wichtigsten Bronchialkräutern für Pferd und Mensch.

4. Spitzwegerich

Dieser tollen Pflanze haben wir bereits einen ganzen Artikel gewidmet, den du hier finden kannst. Der Spitzwegerich zählt, ebenso wie Breit- oder Mittelwegerich, zu den Erste Hilfe Pflanzen. Warum? Unterwegs findet man ihn fast überall und er hilft sofort bei Insektenstichen oder Blasen (auch bei deinem Pferd!).

Des Weiteren enthält er auch schleimlösende, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkstoffe. Einige sind Glycoside, Flavonoide, Gerbstoffe, sowie schleimbildende Polysaccharide. So kann man aus Spitzwegerichblättern schnell einen Tee herstellen, welcher dein Pferd bei einem Husten unterstützt.

5. Fenchel / Fenchelsamen

Fenchel kennt man als Zugabe in Suppen. Ich trinke immer Fencheltee, wenn ich Halsschmerzen habe, da ich gemerkt habe, dass ich auf Salbeitee mit einer pelzigen Zunge reagiere. Fenchel wird zunächst häufig mit Magen-Darm-Beschwerden in Verbindung gebracht, aber er hilft auch wunderbar bei Erkältungskrankheiten. Jetzt magst du vielleicht denken: „Fenchel? Für mein Pferd?“ Aber ja, Pferde dürfen Fenchel und Fenchelsamen, aber nur in Maßen und nicht auf Dauer, denn sonst droht Durchfall, Kotwasser oder Blähungen!

Fenchel enthält sehr viele ätherische Öle, welche einen großen Teil seiner Wirkung ausmachen. Außerdem enthält er verschiedene Vitamine u.a. Vitamin C, Kieselsäure und vieles mehr. Die ätherische Öle wirken besonders schleimlösend, entkrampfend und antibakteriell und eignen sich somit perfekt bei Erkrankungen der Atemwege wie Erkältung oder Husten.

Gut zu Wissen: Die Fenchelsamen enthalten den Großteil der ätherischen Öle und lassen sich zudem leichter verfüttern. Hin und wieder eine frische Fenchelknolle mit grün (als Aufguss oder Tee) hilft aber ebenfalls.

Bei der Krauterie findest du einige tolle Bronchialkräuter für dein Pferd.

Das Plus 1: Ingwertee für mein Pferd?

Meine Schwester schwört auf Ingwertee (mit Zitrone). Dafür legt sie einfach einige Scheiben der frischen Knolle in ein Gefäß und gießt diese mit heißem Wasser auf. Ich hingegen mag Ingwertee überhaupt nicht. Nichtsdestotrotz soll er sehr gesund sein. Mit seinen Bitter- und Scharfstoffe regt er den Stoffwechsel und das Immunsystem an und wirkt zudem schmerzstillend, entzündungshemmend und durchblutungsanregend.

Auf vielen Websites wird davon gesprochen die Wurzel durchaus pur zu verfüttern (in kleinen Mengen!!) oder Pulver zu nutzen. Viele Pferde mögen aber wohl den scharfen Geschmack nicht. Wer kann es ihnen auch verdenken, ich würde da auch nicht einfach reinbeißen. Vielleicht lohnt sich daher wirklich mal ein Aufguss, vielleicht sogar mit etwas Honig?

Achtung: Ist deine Stute tragend, solltest du keinen Ingwer verfüttern, da es sonst zu Komplikationen kommen kann. Geht’s du mit deinem Pferd aufs Turnier, solltest du ebenfalls auf Ingwer verzichten, da dieser als potentiell leistungssteigernd und damit Dopingrelevant eingestuft ist.

Herbstliche Leckereien für dich!

Gesund mit Lecker verbinden? Ich habe vier Ideen für dich! (Sorry, dein Pferd sollte hier lieber nicht mit genießen)

  • Hagebutten – Marmelade

Marmelade kann man natürlich auch selbst machen, aber seien wir ehrlich: So viele Hagebutten pflücken? Naja… Die gekaufte schmeckt aber auch super und man kann sie total toll für Weihnachtsplätzchen verwenden! Wir machen zum Beispiel immer Bärentatzen: Spritzgebäck zusammengebappt mit Hagebuttenmarmelade und eine Seite in dunkel Schoki getaucht. Unglaublich lecker!

  • Schlehenlikör

Schlehen übersieht man schnell. Es sind kleine blaue Beeren an Büschen die oft in Waldnähe wachsen. Vor der Verarbeitung solltest du die Schlehen einmal einfrieren (außer es gab schon Frost draußen), da sie viele Gerbstoffe enthalten und diese durch Frost teilweise abgebaut werden. Schlehen wirken zudem adstringierend und entzündungshemmend, also ein Likörchen mit Extra 😉

Für den Likör brauchst du: 400 bis 500 gr Schlehen, 350 gr Kandiszucker (weiß), 1 Flasche Korn. Alles in ein großes Gefäß füllen und das ca. 8 Wochen stehen lassen. Dann Abseihen und in Flaschen füllen. Schlehenlikör schmeckt leicht bitter und würzig.

  • Vogelbeeren – Marmelade

Vorweg: Vogelbeeren sind gar nicht so giftig wie einem als Kind oft erzählt wurde! Sie enthalten nur sehr viele Bitterstoffe und können somit roh zu Erbrechen, Durchfalls und Übelkeit führen. Kocht man die Vogelbeeren sind sie hingegen absolut verträglich. Außerdem enthalten sie viel Vitamin C, was wie wir bereits wissen super für unser Immunsystem im Herbst ist. So kannst du die Vogelbeeren also zu Marmelade verarbeiten. Schau aber, dass du den Vögeln noch einige Dolden da lässt, denn besonders Amseln fressen die kleinen Beeren sehr gern.

  • Weintrauben

Wer hätte das gedacht, die einfach Weintraube hier vertreten. Aber wusstest du, dass in den Kernen der Weintrauben der Stoff OPC enthalten ist, welcher stark antioxidativ, entzündungshemmend und regenerativ wirkt? Zudem verbessert er die Durchblutung und den Blutdruck (deshalb soll Wein ja so toll beim Alt-werden unterstützen, jaja…). Außerdem enthalten Traubenkerne Resveratrol und Viniferin, welche beide entzündungshemmend und antibakteriell wirken sollen.

Wie wäre es also mit einigen Trauben frisch vom Stock? Oder einem guten Wein vorm Kamin? Oder warum nicht gleich einem Glühwein? Traubengelee schmeckt auch super oder eine Weintorte! YUM!

Fazit

Der Herbst ist eine Zeit des Übergangs. Mal ist es stürmisch kalt und nass, mal wunderbar golden und sonnig. Um nicht schon im Herbst in einen Winterblues (oder chaotischen Weihnachtstress) zu verfallen helfen Spaziergänge (gern im Wald) oder Zweisamkeit mit dem Pferd. Vielleicht schlürft ihr euren Hagebutten-Tee ja nun gemeinsam! Ausgerüstet mit diesen wunderbaren Herbstkräutern für dein Pferd und den Leckereien für dich werdet ihr die Husten, Kratzen, Schniefen und Steif durch die Gegend laufen Zeit ganz bestimmt meistern.

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