Grundlagenwissen über Pferdezähne

von Mareike Heil
Zähne 1 Beitragsbild

Die Zähne des Pferdes sind ein nicht unwesentlich wichtiger Faktor für die allgemeine Gesundheit. Wie man ganz passend sagt, beginnt im Mund und somit mit den Zähnen, bereits die Verdauung des Pferdes. Hier erfährst du nun das nötige Hintergrundwissen über Pferdezähne. In den weiteren Teilen dieser Reihe kläre ich weiterführend über Zahnprobleme auf. Denn diese können zu anderen Problemen und allem voran zu Schmerzen führen. Was es genau für Zahnprobleme gibt, erkläre ich aber erst in Teil IV.

Vorweg noch ein kleiner Hinweis: Ich werde so gut es geht auf Fachbegriffe und komplizierte Sachverhalte verzichten, dennoch wird bestimmt das ein oder andere lateinische Wort auftauchen.

Zuerst ein kleiner Funfact:

Wusstest du, dass Pferde beim Heu fressen ca. 58-66 mal pro Minute kauen und wenn sie Gras fressen 100-105 mal pro Minute? (S. 41 Pferdezähne).

Das bedeutet, dass ein Pferd, welches zum Beispiel im Sommer 24/7 auf der Weide steht, davon 16-18 Stunden frisst und angenommen 100 mal pro Minute kaut, etwa unglaubliche 96 000 – 108 000 mal pro Tag eine Kaubewegung macht. Warum ausgerechnet dieses Kauen für Pferdezähne so wichtig ist, erfährst du gleich.

Das Pferdegebiss und seine Aufgabe

Das ausgewachsene Pferd besitzt zwischen 36 und 44 Zähnen, je nach Vorhandensein der Eck- und Wolfszähne. Ein Jungpferd besitzt 24 Milchzähne, welche zu unterschiedlichen Zeiten herausfallen.

An sich gibt es:

  1. Inzisivi à Schneidezähne (Anzahl 12)
  2. Canini à Eck – (/Hengst-) zähne (Anzahl 0 – 4)
  3. Prämolaren à Vorderbackenzähne (Anzahl 6 pro Seite, 12 gesamt)
  4. Molaren à Backenzähne (Anzahl 6 pro Seite, 12 gesamt)

Deren Lage kann man in der Abbildung nachschauen.

Da sich evolutionär die Prämolaren und Molaren des Pferdes so entwickelt haben, dass sie beide dem Zermahlen von Nahrung dienen, können sie insgesamt als Backenzähne bezeichnet werden.

Die Aufgaben der Pferdezähne sind ihrer Lage nach verteilt. Dabei sind sie zuständig für:

  1. Ergreifen & Abschneiden von Nahrung
  2. Verteidigung/Angriff
  3. +  4. Zermahlen von Nahrung

Vom Wachstum der Pferdezähne

Unterschiede zwischen Menschen- und Pferdezähnen

Wer nun aber denkt, „naja Schneidezähne, Eckzähne und Backenzähne habe ich auch, was soll denn groß anders sein an Pferdezähnen?“, der irrt sich gewaltig. Zuerst unterscheidet man Pferdezähne und Menschenzähne (oder die anderer Fleischfresser …tut mir Leid so ist es nun mal) anhand ihrer Zahnkrone. Physiologisch gibt es die anatomische Krone (A) – der Teil des Zahns, welcher mit Zahnschmelz überzogen ist – und die klinische Krone (B) – der Teil des Zahns, welcher durch das Zahnfleisch durchgebrochen ist.

Daher unterscheidet man unter brachyodonten (kurzkronigen) Zähnen wie die des Menschen, wo A = B und hypsodonten (hochkronigen) Zähnen, wie bei denen des Pferdes, wo A ≠ B ist.

Wurzelbildung

Ein weiterer Unterschied ist, dass sich bei Pferdezähnen recht spät Wurzeln bilden, aufgrund eines anderen Zahnwachstums. Daher kann es passieren, dass bei ca. 25% aller Backzähne 12 Monate nach dem Durchbruch keine Wurzelbildung erkennbar sind (S.28 Pferdezähne).

Zahnwachstum

Der weitaus größte Unterschied ist aber, dass Pferdezähne über das gesamte Pferdeleben wachsen. Dabei bricht jährlich 2 – 3 mm neuer Zahn aus dem Zahnfach hervor. Diese 2 – 3 mm entsprechen dabei genau der Abnutzungsrate der Kaufläche, wenn sehr raufaserreiche Nahrung gefressen wird. Besteht das Futter allerdings zu einem gewissen Anteil aus nicht- oder wenig – raufaserreicher Nahrung (z.B. Kraftfutter, Heucobs, oder sehr weiches Gras) dann vermindert sich automatisch die Abnutzungsrate und außerdem wird die Kaubewegung eingeschränkt. Dann wachsen die Zähne mehr, als dass sie sich abnutzen und es kann zu Haken, Ecken, Kanten, Dellen, Wellen etc. kommen, was langfristig zu noch größeren Problemen führt. Daher ist allein aus diesem Grund eine jährliche Kontrolle durch eine Fachperson (Dentist, Tierarzt) unablässig.

Wer nun aber sagt, „jaaaa aber mein Pferd bekommt nur ganz viel raufaserreiches Futter“, dem sei gesagt: Auch Pferde können Kieferfehlstellungen haben, die man so erst gar nicht bemerkt und die Kaubewegung kann eingeschränkt sein durch ein blockiertes Kiefergelenk, eine falsche Hals- und Kopfhaltung beim Fressen oder muskuläre Verspannungen im Bereich der Hals- und Kaumuskulatur. Also auch hier ist eine regelmäßige Kontrolle durch einen Dentist oder Tierarzt empfehlenswert.

Weiterhin ist es wichtig zu wissen, dass die Zähne mit abgeschlossener Wurzelbildung unten nicht einfach zu gleichen Teilen länger werden, wie sie oben durchbrechen. Das heißt, die Zähne brechen zwar oben durch, werden aber über die Jahre nicht länger, sondern kürzer. Deshalb ist es gut möglich, dass ein Pferd ab ca. 30 Jahren und älter irgendwann keine Zähne mehr übrig hat.

Aufbau eines Pferdezahns

Der letzte signifikante Unterschied ist, dass beim Menschen die gesamte Kaufläche mit Zahnschmelz überzogen ist. Beim Pferd stehen allerdings Zahnschmelz, Dentin und Zahnzement senkrecht und abwechselnd zur Kaufläche. Dadurch ergibt sich das unverkennbare Muster, welches man besonders gut an den Prämolaren und Molaren erkennt. Daraus entsteht der Vorteil für das Pferd, dass sie trotz nur einmaligen Kauens in der Lage sind ihre Nahrung soweit zu zerkleinern, dass eine effiziente Verdauung möglich ist. Denn alle drei Gewebe nutzen sich unterschiedlich schnell ab, was zu einem selbst schärfenden Mechanismus führt und somit eine unregelmäßige Kaufläche bildet. Dadurch lässt sich das Futter umso besser zermahlen.

Aus diesem Grund können manche Pferde nach dem Zahnarztbesuch nicht mehr richtig kauen. In diesem Fall hat der Zahnarzt es dann „zu gut“ gemeint und die Kaufläche ist zu glatt geschliffen.

Weiter ins Detail geht der folgende Artikel und du erfährst wie Pferdezähne aufgebaut sind.

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