Gehölze in der Pferdefütterung – einige schnelle Basics für dich!

von Mareike Heil
Ghölze in der Pferdefütterung

Die Pferdefütterung wandelt sich in den letzten Jahren sehr. Besonders bei übergewichtigen Pferden stellt sich irgendwann die Frage: Was kann ich füttern, damit mein Pferd beschäftigt und satt ist, aber nicht extrem zunimmt? Gerade wenn die Energiegehalte im Heu zu hoch sind, um es als alleinige Nahrungsquelle zu nutzen bieten sich Gehölze und Laub in der Pferdefütterung an, denn sie sorgen für Beschäftigung, haben niedrigere Energiegehalte, enthalten einige Mengen- und Spurenelemente und schaffen variantenreiches Futter für eine gesunde Darmflora.

Hintergrundwissen zu Gehölzen in der Pferdefütterung

Zum Thema Gehölze in der Tierfütterung, sei es für Rinder, Ziegen, Schafe oder eben Pferde, gibt es nur sehr wenig Forschung, früher wurden aber viele Tiere ebenfalls mit Laub / Gehölzen (zu-)gefüttert. Später sah man besonders Hecken und Gebüsch als störend in der Weide oder auf den Feldern, weshalb es nur noch so wenige gibt. Weiden und Felder sind einfach größer und lassen sich besser bewirtschaften, wenn sie keine Bäume und Sträucher aufweisen. Inzwischen gibt es da aber zum Glück einige ‚Gegenbewegungen‘. Paddocktrails weisen oft Hecken auf und in der Agroforstwirtschaft wird aktuell das Zusammenwirken und Bewirtschaften von Weide / Feldflächen und Heckenkulturen erforscht.

Als Einsteller:in hat man natürlich nicht so viel Handlungsspielraum darüber, ob nun Gehölze zur Nutzung mit angebaut und integriert werden oder nicht, als Stallbesitzer:in sind sie aber durchaus einen Gedanken wert. Gehölze in Form von Hecken (bewirtschaftet oder unbewirtschaftet) bieten in Offenställen oder Paddocktrails Gestaltungsmöglichkeiten, Schutz und Vielfalt in jeglicher Hinsicht. Sie erhöhen den Artenreichtum, aber auch die Futtervarianz des Pferdes, was förderlich für den Darm ist.

In Boxenhaltung lassen sich Gehölze natürlich weniger gut einbinden, aber auch hier gibt es kreative Möglichkeiten: Einen kleinen Haufen im Paddock, hin und wieder mal einige Äste an die Wand gehangen, als Büsche auf der Weide.

Wie viel Gehölz darf mein Pferd?

Man nimmt an, dass 1kg Laub ca. 4 MJ ME enthält und 1 kg Geäst ca. 1 – 1,5 MJ ME. (Zum Vergleich: 1kg Heu hat meist zw. 7 – 10 MJ ME). Aufgrund des hohen Trockengehalts und teilweise schwerverdaulichen Stoffen, kann Gehölz und Laub nicht als reines Futtermittel genutzt werden. Das würde vermutlich eine Verstopfungskolik hervorrufen. Pferde dürfen daher ca. 10% ihres Gesamtfutterbedarfs aus Gehölzen decken.

Ein Beispiel:

Mein Somi hat einen Raufutterbedarf von ca. 8 – 10 kg (je nach Konsistenz des Heus). Das bedeutet er müsste 8 kg Heu pro Tag fressen, um satt zu sein. Das würde natürlich bei reiner Heufütterung zu Übergewicht führen. Somit besteht seine Ration aktuell aus 6 kg Heu und 2 kg Stroh. Wollte ich das noch weiter reduzieren bzw anpassen, könnte ich ihm theoretisch ca. 2 kg Gehölze & Laub anstatt 2 kg Heu geben. Leider habe ich aber nicht allzu regelmäßig so viel Gehölz, also gibt es das nur hin und wieder als Snack.

Was für ein Gehölz darf mein Pferd fressen?

Zunächst solltest du bedenken, dass jedes Pferd, sowohl Rasse als auch abhängig vom Individuum, Präferenzen in Bezug auf Gehölze hat. Meine beiden fressen zum Beispiel Himbeeren so lala, andere Pferde stehen da aber total drauf…

Falls du noch nie Gehölze und Laub gefüttert hast hilft also nur: Ausprobieren! Einfach mal anbieten und schauen was passiert. Im Frühling fressen Pferde meist besonders gern Knospen und Blüten oder ganz junge Blätter. Es kann auch sein, dass dein Pferd Geäst gar nicht mag oder zunächst nichts damit anfangen kann bzw. nicht weiß wie es das überhaupt fressen soll. Neva ist da ein richtiger Profi, sie kann Rinden schälen und jegliche Äste in zwei Rucken abbeißen. Somi schafft es hingegen grob die Rinde abzunagen und Äste abzubeißen nur mit viel Glück (inzwischen nimmt er tatsächlich seine Hufe zur Hilfe). Am besten hilft also einfach dich durchtesten.

Hinweis: Viele Pferdebesitzer:innen haben Angst, dass ihre Pferde – einmal auf den Geschmack gekommen – auch anfangen die Rinden der Bäume auf der Weide anzunagen. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich aber nur sagen, dass meine das nicht tun. Ja sie fressen die Äste, die herunter hängen, aber einen Stamm angenagt und somit den Baum beschädigt haben sie noch nie.

Ein paar Bücher für dich!

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Diese Gehölze kannst du nutzen:

Die folgenden Bäume, Sträucher und Büsche sind ungiftig und gut geeignet als Gehölze in der Pferdefütterung. Es gibt natürlich noch viel mehr, aber du solltest IMMER erst schauen, ob etwas giftig ist oder nicht. Wenn du dir nicht sicher bist was du da vor dir hast, wird es nicht gefüttert!

Weide (nicht bei Magenproblemen wegen der Salicylsäure)

Erle

Buche / Hainbuche
(besonders gern im Frühling. Junge Buchenblätter können auch wir Menschen essen!)

Linde
(KEINE Silberlinde = stellt Nektar her der Insekten tötet)

Birke
(Pollen beachten)

Hasel
(Pollen beachten, nicht die Nüsse)

Ulme
(in Maßen: hilft bei Durchfall, zu viel ggf Verstopfung)

Weißdorn
(Achtung Dornen; hilft bei Herzproblemen)

Obstbäume
(ohne Obst natürlich)

Himbeere, Johannisbeere, Stachelbeere

Wildrose

ACHTUNG: Nimm Abstand von Ahorn. Dieser kann zur Atypischen Weidemyopathie und damit zum schnellen Tod durch Vergiftung führen.

Hier noch ein Link zu einer Liste vom vfd mit verschiedenen Bäumen:

https://vfdnet.de/images/old/doku/info/3229/Gehoelze%20Pferdehaltung.pdf

Quellen:

Rahmann, Spuren- und Mengenelementegehalte in Laubfutter. https://orgprints.org/id/eprint/3221/1/3221.pdf

Rahmann, Gehölzfutter – eine neue Quelle für die ökolog. Tierernährung, 2004. https://orgprints.org/id/eprint/8735/1/104_Geh%C3%B6lzfutter.pdf

Mariette van Berg, Grazing and Browsing? Forage Trees and Shrubs for Horses. PermaclutureNews. https://www.permaculturenews.org/2010/06/04/grazing-and-browsing-forage-trees-and-shrubs-for-horses/

Noch ein Link zu einem pdf mit vielen Giftpflanzen für Pferde:

https://www.garten-schlueter.de/media/pdf/b2/81/a1/schlueter-giftige-pflanzen-pferde.pdf

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