Fütterung und Haltung von Pferden mit Equinem Asthma

von Mareike Heil
Fütterung Pferd Equines Asthma

Achtung Staub! Bei der Behandlung von Equinem Asthma ist es essentiell die Ursachen der Atemwegserkrankung abzustellen. Dabei bietet sich als erster Schritt eine Veränderung der Haltung und Fütterung des erkrankten Pferdes an. Ganz gleich, ob dein Pferd Anzeichen von leichtem, mittelschwerem oder schwerem Asthma zeigt, oder du gern präventive Maßnahmen ergreifen möchtest, wir zeigen dir nun, was für Optionen du hast, damit dein Pferd besser Atmen kann.

Mini – Exkurs EA: Früher wurde diese Erkrankung noch COPD beim Pferd genannt, inzwischen ist man aber zu „Equines Asthma“ übergegangen, welches sich in RAO (schweres Asthma) und IAD (leichtes bis mittleres Asthma) aufteilt. Zudem konnten einige Studien zeigen, dass Equines Asthma durch eine dauerhafte Reizung der Atemwege des Pferdes entsteht. Staubpartikel, Gase, Pilze, Sporen, Feinstaub, Sand – sie alle tragen dazu bei, dass die Lunge unter ständigem Reiz steht und sich langfristig versucht mit Husten, starker Schleimproduktion und Verdickung der Schleimhäute, sowie Entzündungen zu wehren. Das Atmen fällt zunehmend schwerer, das Pferd fängt das Auspressen der Luft an. So entsteht das Equine Asthma in aller Kürze erklärt. Mehr Details findest du in unserem Artikel.

Bitte bedenke, dass sich insbesondere RAO nicht heilen lässt! Du kannst nur durch Abstellen der Ursache deinem Pferd mehr Luft verschaffen! Die vorhandenen Gewebeveränderungen lassen sich nicht zurückbilden.

Die Haltung optimieren – für eine erfolgreiche Behandlung essenziell!

Zeigt unser Pferd vermehrt Husten, oder stärkere Anzeichen von Equinem Asthma, denken die meisten wohl zunächst an eine Änderung des Futters: Heu nässen / bedampfen oder zu Heulage wechseln. Diesen Schritt, und was du dabei beachten musst, erklären wir dir auch noch später. Aber tatsächlich lauert die größte Gefahr in unserer Pferdehaltung!

Leidet dein Pferd an Equinem Asthma, solltest du deine Haltung überdenken. Pferde mit dieser Erkrankung sollten nicht in reinen Boxenställen stehen (ganz ehrlich: eigentlich sollte hier meiner Meinung nach kein Pferd stehen) und selbst Paddockboxen sind eher schlecht, da die Luft- und Feinstaubverhältnisse, sowie Bewegungsmöglichkeiten nicht ausreichend sind. Ein gepflegter Offenstall oder – falls das mit dem Körpergewicht und möglichen Allergien vereinbar ist! – ganzjährige Weidehaltung wären die Haltungen der Wahl. Studien zeigten, dass ganzjährige Weidehaltung wirklich das Non-Plus-Ultra für Pferde mit EA sind, aber leider können das hier nun mal die wenigsten Pferde ab. Du solltest in keinem Fall EA gegen Übergewicht tauschen! Das belastet die Lunge und restlichen Körper ebenfalls und ist nicht zielführend!

Staubarme Haltung ist nötig – Verzicht auf Stroh unabdingbar

Wer Equines Asthma behandeln möchte, muss auf den Staub in der Umgebung achten. Beim Fegen staubt es, die Reithalle und der Platz stauben, , Stroh staubt, Heu staubt und dazu reizen einige Blütenpollen die Schleimhäute besonders. Möchtest du hingegen den Staub in deinem Stall reduzieren, ist es nötig auf Stroh zu verzichten. Dies ist meist voll von Pilzsporen, feiner Erde und zermahlenen Fasern.

Studien konnten zeigen, dass eine Einstreu aus Holzspäne, Holzpellets oder thermisch entkeimten Strohpellets die Belastung mit Staub deutlich verringert. Als weitere Option wurde Elefantengras und Torf genannt. Von Elefantengras habe ich noch nie zuvor gehört, von Torf würde ich Abstand nehmen, da durch den Torfabbau Moore nicht mehr ihren wertvollen Beitrag zum Ökosystem und Klimaschutz beitragen können. Einige Pferdebesitzer:innen nutzen Miscanthus, aber hier ist manchmal die Entsorgung schwierig und es wird berichtet, dass es schnell extrem stinkt.

Apropro stinken: Es kommt nicht nur auf die Art der Einstreu an, sondern auch auf das Misten. In vielen Ställen wird eine Matte eingestreut und nur hin und wieder komplett gemistet. So gast häufig viel Ammoniak und Schwefelkohlenstoff aus, welche die Lunge ebenfalls stark reizen. Achte also zusätzlich auf die Stallhygiene und regelmäßiges, ausführliches Misten. Der Misthaufen sollte zudem nicht in unmittelbarer Stallnähe liegen.

Achte außerdem darauf, dass der Heuboden nicht über dem Pferdestall liegt. Schimmelsporen breiten sich überall aus; sofern es keine dichte Betondecke ist, rieselt Staub gern von oben herab. Schwitzt das Heu hingegen, kann die Decke klamm werden und idealen Nährboden für Schimmel bieten. (Heulagerung ist da nochmal ein ganz eigenes Thema)

Holzpellets sind neben Holzspäne eine gute Alternative zu Stroh. Man gießt sie an, woraufhin sie aufquellen und eine feine, wohlriechende Matte bilden. Copyright @pferdeSummen.

Heu: Bedampfen? Wässern? Heulage? – der nächste wichtige Punkt

Die meisten Pferde werden wohl mit Heu gefüttert. Heu ist aber selbst wenn es von perfekter Qualität ist immer noch etwas staubig. Das liegt einfach in der Natur der Sache: trockene Fasern mit möglichen Gräsersamenanteilen stauben nunmal. Außerdem enthält Heu meist immer einige Pilzsporen, besonders gern Aspergillus. Auch das ist bis zu einem gewissen Grad normal. Bist du dir unsicher, wie gut die Qualität deines Heus ist, kannst du auch eine Probe z.B. an die Lufa schicken und dort ein Pilzprofil erstellen lassen. Manche Pilze sieht man nämlich noch nicht mal (wie Aspergillus). Das Heu kann also super aussehen und riechen, aber trotzdem voller Pilz sein.

Hat dein Pferd aber eine Form der EA, wirst du kein trockenes Heu mehr füttern können. Die Lunge des Pferdes ist zu empfindlich und reagiert oft sofort. Daher bietet sich das Bedampfen oder bewässern von Heu an, oder der Umsteig auf Heulage. Aber was ist die beste Option?

Das Heu bedampfen oder wässern: Was ist besser für ein Pferd mit Equinem Asthma?

Zeigt ein Pferd Symptome von Equinem Asthma würde vermutlich jede:r von uns zunächst zum Wässern von Heu greifen: Es ist schließlich schnell und einfach umsetzbar, im Gegensatz zum Bedampfen, wo man erst ein teures Gerät für kaufen muss, oder das Beschaffen von Heulage, was auch eine Zeit dauert.

Beim Wässern bzw. Tauchen von Heu reduziert man die Staubbelastung um 60 – 70% im Bezug auf die feinen Staubpartikel (was wirklich gut ist!), aber Pilzsporen werden nicht ausgewaschen und gelangen weiterhin in den Körper. Da Pilzsporen als mit eine der Hauptursachen für Equines Asthma angesehen wird, ist das eher ungünstig.

Außerdem sollte das Heu maximal 20 Minuten im Wasser liegen, an heißen Sommertagen eventuell auch weniger, da sonst Gärungsprozesse entstehen und sich Schimmel bilden kann. Zudem ist zu bedenken, dass beim Wässern / Tauchen einiges an Zucker und Vitaminen, sowie Mineralien ausgeschwemmt werden. Besonders die Vitamine und Mineralien sollten an anderer Stelle zugefüttert werden. Generell ist das Tauchen / Wässern von Heu aber schon einmal ein guter Weg, um die Belastung für dein Pferd zu verringern.

Das Bedampfen von Heu hat sich hingegen als am effektivsten erwiesen. Hier werden Staubpartikel beseitigt und Pilze bis zum doppelten gegenüber dem Wässern aufgrund der Hitze entfernt. Außerdem werden nur wenige wichtige Inhaltsstoffe ausgeschwemmt. Leider hat aber nicht jeder Stall einen Bedampfer und sie sich Privat zu kaufen ist eine teure Anschaffung. Preislich starten Bedampfer bei um die 1000€ bis zu 4000€. Dafür können viele Pferde mit Equinem Asthma mit bedampften Heu und Weide / Offenstallhaltung sehr gut leben und teilweise sogar wieder gut geritten werden. Mit Blick auf die Kosten für zukünftige Behandlungen durch den Tierarzt / die Tierärztin für dein Pferd mit EA, könnte sich so ein Bedampfer auch vielleicht schon wieder lohnen. Oder du tust dich mit einigen Stallkolleg:innen zusammen.

Es sollte auch regelmäßig gefegt werden, aber nur, wenn das Pferd nicht im Stall ist! So verhindert man, dass es aufgewirbelten Staub einatmet. Copyright @pferdeSummen

Heulagefütterung bei Equinem Asthma

Bei Heulage scheiden sich ja ein wenig die Geister. Segen oder Teufelszeug liegt da nah bei einander. Warum ich mich persönlich gegen Heulage entscheiden würde, erkläre ich dir nun mit ein paar Fakten zum Thema.

Zunächst: Heu und Heulage lassen sich nicht wirklich vergleichen. Heulage hat einen deutlich geringeren Trockengehalt, dieser sollte so bei 65 – 70% liegen, der von Heu liegt bei 80 – 85%. Das macht es auch so schwierig sie in guter Qualität zu produzieren. Ist das Gras noch zu nass, beginnen die Bakterien es zu Silage zu verwandeln, ist es zu trocken beginnt erst gar keine Reaktion, welche aber nötig ist um es haltbar zu machen. Heulage in guter Qualität zu produzieren ist also so eine Sache für sich. Habe ich wirklich nichts anderes zur Verfügung, ok, aber das was folgt, spricht meiner Meinung nach nicht für Heulage bei EA (oder generell…)

Studien konnten zum Beispiel zeigen, dass die Fütterung von Heulage die Staubexposition um über 60% verringert! Das ist sehr viel und somit für viele Pferde mit EA eine Option, aber Wässern von Heu verringert es um den gleichen Wert (siehe oben). Weitere Studien zeigten aber auch, dass Heulage voll von Pilzen und Bakterien ist. Besonders die Bakterien werden in gewisser Weise benötigt, um die Heulage unter Luftabschluss zu produzieren. Es wurde aber auch deutlich, dass besonders häufig der Pilz Penicillium spp. auftrat, sehr stark in sogenannten Hot Spots (große sichtbar schimmelige Stellen). Leider enthält aber selbst Heulage ohne sichtbaren Pilzbefall, mehr pilzhafte Metaboliten (nicht nur der Pilz selbst, sondern auch seine Stoffwechselprodukte) als Heu.

“Heulage enthält eine Menge Stoffwechselprodukte von Pilzen”

Die Forscher:innen der Studie schreiben dazu: „Einzeln können die in der Heulage entdeckten Metaboliten (Stoffwechselprodukte der Pilze), in hohen Dosen, mutagen (erbgutschädigend), neurotoxisch (nervengiftig) oder immunsuppressiv sein. Aber der gemeinsame Effekt kleinerer Dosen kann auch andere oder größere negative Gesundheitseffekte auf Pferde haben, als auch Widerkäuer.“ (Fungal and Chemical Diversity in Haylage). Forscher:innen sind sich also noch nicht ganz sicher, wie stark die Pilze, Bakterien und deren Stoffwechselprodukte auf den Pferdekörper wirken.

Des Weiteren verändert Heulage nachweislich das Bakterienmillieu des Darms. Ob das nun positiv oder negativ gewertet werden kann steht noch nicht fest. Außerdem ist der pH-Wert geringer als bei Heu und verändert mitunter auch den pH-Wert des Magen- Darmtrakts, was ebenfalls Folgen wie Koliken haben kann. Da das Immunsystem eines Pferdes mit EA sowieso schon angeschlagen ist und vermehrt auf Pilze reagiert, ist es meiner Meinung nach (außer man hat gerade keine andere Option) nicht empfehlenswert Pferde mit IAD oder RAO mit Heulage zu füttern.

Fazit

Insgesamt solltest du für dich abwiegen: Bei Heulagefütterung besteht eine deutlich verringerte Staubbelastung, dafür ist die Belastung mit Metaboliten von Pilzen und Bakterien deutlich erhöht. Das Heu wässern verringert auch die Belastung mit Staub, nicht aber mit Pilzen. Bedampfen wäre der Gold Standard, ist aber auch teuer.

Die Einstreu solltest du in jeden Fall von Stroh hin zu Holz o.ä. ändern. Stroh scheint, laut einiger Studien, wirklich die Quelle Nummer 1 für Staub, Pilze und Milben zu sein. 

Spannender Fact am Ende: Eine Studie zeigte, dass das Bakterienmillieu des Darms bei Pferden mit EA anders zu funktionieren scheint als bei gesunden Pferden. So vermehrten sich bei Heufütterung die Menge der Pflanzen zersetzenden Bakterien bei gesunden Pferden, bei Pferden mit Equinem Asthma hingegen nicht. Was das wohl bedeuten mag?

Quellen

Anmerkung: Hier findest du nur ein paar Quellen. Weitere sind im Hauptartikel über Equines Asthma!

Behandlung von EA

https://www.tieraerzteverlag.at/vetjournal/202007-08/wenn-die-lunge-pfeift-asthma-bei-pferden

Fecal microbiota in horses with asthma

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jvim.15748

Einstreu und EA

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fvets.2021.656814/full?&utm_source=Email_to_authors_&utm_medium=Email&utm_content=T1_11.5e1_author&utm_campaign=Email_publication&field=&journalName=Frontiers_in_Veterinary_Science&id=656814&fbclid=IwAR3KcF_q6EK3RDSygHPBlhSqASFcU4i1RvnMMSs83FDgaIsq96f_k2shS7I

Staub, Heulage und EA

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1090023321000496

“Fungal and Chemical diversity in hay and haylage” — sehr gute Studie!

https://link.springer.com/article/10.1007/s12550-019-00377-5

Ausführlich “Haylage for Horses”

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/gfs.12387?casa_token=J9263hxu590AAAAA%3AsBuxDR8QWeZbRWfF63CBrT7_fIhCdwepV0_8StlLfUFOUWFrhYjfAtbN7Dh9fYo0spQ9R-KkoH0JwA

You may also like

Kommentar schreiben