Ernährungstipps für dein Pferd mit Arthrose

von Mareike Heil

Arthrose beim Pferd ist, genauso wie beim Menschen, eine degenerative Gelenkserkrankung, welche mit einem Verschleiß des Knorpels und der Knochensubstanz einhergeht. Hat ein Pferd Arthrose (welche als Verdacht eindeutig durch ein Röntgenbild abgeklärt werden kann), ist es nicht nur wichtig auf den Bewegungsapparat zu schauen, wie es dir Maria in ihrem Artikel erklärt, sondern auch auf die Ernährung. Denn die Ernährung deines Pferdes hat große Auswirkungen auf den Knorpel und mit gezielter Fütterung von Zusätzen wie Heilkräutern kannst du die Beschwerden lindern.

Aufbau des Knorpel- und Knochengewebes

Knorpelgewebe besteht im Wesentlichen aus zwei Bestandteilen: den Knorpelzellen (Chrondoblasten, -zyten & -klasten) und der Knorpelmatrix. Der Stoffaustausch und die Ernährung des Knorpels erfolgt durch Diffusion. Wichtig für uns ist die Knorpelmatrix, denn diese wird nicht „nur“ als Zelle gebildet, sondern auch durch Proteine und Kohlenhydrate.

Die Hauptbestandteile der Knorpelmatrix sind Kollagene, Elastin und Proteoglykane.

  • Kollagene sind ein Faserprotein und wird u.a. aus den Proteinen Lysin, Prolin und Glycin gebildet. Zudem ist für die Synthese Ascorbinsäure, also Vitamin C, essenziell wichtig. Außerdem gibt es je nach Vorkommen verschiedene Kollagene.
  • Elastin ist ein Faserprotein und wird ebenfalls aus Lysin und Prolin gebildet.
  • Proteoglykane sind Moleküle aus Proteinen und Kohlenhydraten. Zu ihnen gehören Glykosaminoglykane, wie Chondroitin, Glucosamin und Hyaluronsäure, welche in der Synoviaflüssigkeit (natürliche Gelenkschmiere) vorhanden ist. Um all diese Proteoglykane zu bilden wird Schwefel benötigt.

Man kann also festhalten, dass am Knorpelaufbau einige Protein, wie auch Mineralstoffe und Vitamine beteiligt sind.

Die Fütterung unter die Lupe nehmen

Vorangegangenes legt schon nahe, dass eine ausgewogene Fütterung deines Pferdes sehr wichtig ist. Aktuell ist Arthrose eine degenerative Erkrankung, das heißt wenn dein Pferd schon unter Arthrose leidet, kannst du nur versuchen Symptome zu lindern und den verbleibenden Knorpel in den restlichen Gelenken zu unterstützen. Außerdem sind Pferde mit Arthrose meist (außer wir betrachten mal den intensiven Sportbereich) schon Senioren, welche generell einen etwas anderen Bedarf aufweisen, als fitte, junge Pferde.

Am einfachsten ist es, wenn du zunächst deine aktuelle Fütterung ansiehst oder sie von einer / einem Futterberater:in untersuchen lässt. Eine detaillierte Heuanalyse gibt guten Aufschluss über die Protein- und Mineralienversorgung deines Pferdes. Bekommt es augenscheinlich zu wenig Proteine, kannst du hier mit geeigneten Futtermitteln nachjustieren. Die Mineralien kannst du in der Nährstofftabelle auf deinem Mineralfutter nachlesen. Ergibt sich hieraus ein Mangel, ist es sinnvoll diesen auszugleichen und ggf. einen Mehrbedarf (aufgrund von Alter, Umständen, Rasse, Erkrankungen) einzurechnen.

Mineralien und Vitamine bei Arthrose

Die wichtigen Mineralien bei Arthrose sind Schwefel, Silizium, Mangan und Zink. Die wichtigen Vitamine sind Vitamin C und B12. Und was machen die?

Schwefel

Wie oben schon erwähnt, wird Schwefel benötigt um die Glykosaminoglykane zu bilden. Am einfachsten lässt sich der Bedarf an Schwefel über schwefelhaltige Proteine, wie Methionin und Cystein decken. Das Präparat MSM kann aber auch in Frage kommen. Vor einer Gabe von MSM ist die allgemeine Magen- und Darmgesundheit zu bedenken, da es durch eine Zugabe von MSM zu Reizungen kommen kann. Corny, Marias Fellpony, konnte daher kein MSM bekommen, da es bei ihm das Kotwasser verstärkte. Daher also aufpassen!

Zink

Weiterhin wird Zink als DAS Mineral für alles was mit Haut, Haaren, Knochen usw. zu tun hat angesehen. Da es wichtig für die Proteinsynthese und Stoffwechselvorgänge ist, zählt auch Zink zu den sinnvollen Mineralien bei Arthrose. Es gibt aber auch neuere Studien am Menschen, die nahelegen, dass ein Zinküberschuss eine Arthrose begünstigen könnte. Auch das sollte bedacht werden.

Silizium

Silizium (Kieselsäure) fördert den Knorpelaufbau, da die Bildung von Kollagen und Elastin unterstützt wird. Außerdem ist es wichtig für den Knochenstoffwechsel. Bei einer Überversorgung wird allerdings das Bindegewebe „wabbelig“ und es kommt zu Veränderungen der Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Daher sollte eine zusätzliche Fütterung mit Bedacht geschehen werden. Gerne wird bei Siliziumzusätzen zu Kieselerde, Bentonit, Zeolith o.ä. gegriffen, allerdings sollten diese eher gemieden werden, da sie durch ihre hohe Bindungsfähigkeit stark ausleitend wirken. Das heißt, jegliche Stoffe binden an sie und werden somit aus dem Körper ausgeschwemmt. Auch die guten Stoffe. Natürlich enthalten ist es in Bambus (welchen Pferde auch fressen dürfen) und Ackerschachtelhalm (giftig (Dosis!)). Außerdem kommt Silizium in Brennnesseln und Löwenzahn vor. Achtung: Auch Brennnessel und Löwnzahn wirken entwässerend!

Viele Pflanzen enthalten wertvolle Mineralien und Vitamine!

Mangan

Zuletzt ist Mangan wichtig, da es ebenfalls für die Bildung der Proteoglykane benötigt wird. Außerdem ist der Mangananteil im Futter meist sehr schwankend. Es empfiehlt sich also dringend eine Heuanalyse. Wenn Mangan zu gering ist, sollte der Blick auch auf das Verhältnis zu Eisen fallen, da diese Mineralien miteinander interagieren. Besteht ein Manganmangel, könnte dieser z.B. mit Reiskleie ausgeglichen werden (wenn dein Pferd nicht übergewichtig ist).

Wie du vielleicht merkst, sind an all diese Mineralien „wenns“ und „abers“ gebunden. Falls du dich noch nicht „perfekt“ mit der Fütterung auskennst, frage lieber einen Profi um Hilfe. Ansonsten leisten aber auch Kräuter-Kombipräparate gute Dienste. Generell ist es empfehlenswert zuerst deine Grundration ins Auge zu fassen.

Vitamin C und B12

Als die wichtigen Vitamine bei Arthrose gelten Vitamin C und Vitamin B12. Vitamin C ist, wie oben bereits erwähnt, beteiligt an der Synthese von Kollagen. Vitamin B12 ist wichtig als Baustein einer jeden Aminosäure (die Minibausteine, welche am Ende Proteine formen). Liegen beide in zu geringen Mengen vor, können die Bestandteile des Knorpels nicht ausreichend gebildet und versorgt werden.

Kurkuma, Hagebutte, Brennessel – Superfood bei Arthrose / Copyright @pferdeSummen

Kräuter und Gewürze für dein Pferd mit Arthrose

Ist die Arthrose einmal da, kannst du sie zwar nicht mehr weg zaubern, aber du kannst die Beschwerden lindern und es deinem Pferd leichter machen. Um die Ernährung deines Pferdes zu optimieren, helfen dir diese Kräuter. Gemeinsam haben die Kräuter und Gewürze, dass sie alle auf ihre Weise entzündungshemmend, schmerzhemmend und anti-oxidativ (Abfallstoffe werden abtransportiert) wirken. Zudem helfen sie teilweise bei Gelenksteifigkeit und sind gut für das Immunsystem. Hinweis: Auch wenn die Arthrose keine entzündliche Erkrankung ist, kann sie mit Entzündungen einhergehen, welche so verhindert werden.

Hagebutte

Die Hagebutte gilt seit einiger Zeit als Non-Plus-Ultra bei der Behandlung von Arthrose, Arthritis und rheumatischen Gelenkserkrankungen. Sie enthält viel Vitamin C, Betacarotin, Kupfer und Galaktolipide, welche langfristig stark entzündungshemmend wirken. Zudem stärkt die Hagebutte das Immunsystem und wirkt durch Flavonoide anti-oxidativ.

Man kann sowohl ganze Hagebutten, als auch das Pulver * (Verlinkung aus Überzeugung) oder Tee verfüttern. Bei einem Tee dürfte sich aber die Menge an Vitamin C verringern, da es, wie alle Vitamine, temperaturanfällig ist. Möchtest du die Hagebutten für dein Pferd selbst sammeln, solltest du schauen, dass du nicht zu viele von einer Stelle sammelst. Schließlich dienen sie auch Vögeln als Futter im Winter.

Aronia / Aroniabeere

Die Aroniabeere ist ein wenig die absolute Trendbeere des letzten Jahres, allerdings auch zurecht als wahres Superfood. Sie enthält unter anderem die sekundären Pflanzenstoffe OPC und Anthocyane. Diese Pflanzenfarbstoffe haben vielfältige Wirkweisen und sind in allen Beeren mit roter Schale (z.B. auch Kirschen, Weintrauben und Heidelbeeren) vorhanden.

OPC sind Oligomere Proanthocyanidine. Sie sind eine Gruppe von Antioxidantien und wirken entzündungshemmend, sowie stärkend auf das Immunsystem. Manche behaupten sogar, sie können das Leben verlängern 😉 Anthocyane sind Flavonoide und somit ebenfalls anti-oxidativ.

Kurkuma

Strahlend Gelb – Kurkuma

Kurkuma bereichert unsere Menschenküchen nun auch seit ein paar Jahren, manche trinken es auch gern als Goldene Milch (habe ich auch mal probiert… war nicht so toll). Ihr werden reihenweise tolle Wirkungen nachgesagt, bis hin zu krebshemmend, warum also nicht auch mal für unsere Pferde probieren? Auch wenn die Forschungslage allgemein noch sehr gering ausfällt, wird es schon seit Jahrhunderten in der Ayurveda und TCM angewendet.

 Kurkuma (indische Gelbwurz) enthält ebenfalls wirkungsvolle Pflanzenfarbstoffe: die Kurkuminoide. Zu ihnen zählt auch das Kurkumin. Ätherische Öle sind ebenfalls enthalten. Gemeinsam haben sie eine anti-oxidative, antientzündliche, sowie möglicherweise knorpelprotektive Wirkung. Kurkuma hilft zudem nachweislich bei Gelenksteifigkeit.

Grünlippmuschel & Glucosamin

Die Grünlippmuschel stammt aus Neuseeland und wird dort in Aquakulturen gezüchtet. Meiner Meinung nach ist sie absolut essenziell wichtig bei einer Arthrose. Denn sie enthält 90 verschiedene Fettsäuren (was echt viel ist) und einige darunter (ETA, OTA) wirken nachgewiesenermaßen entzündungshemmend und schmerzstillend. Außerdem enthalten sie Glykosaminoglykane, unter anderem Glucosamin und Chondroitin. Damit bildet sie den perfekten Futterzusatz bei der Knorpelregeneration und Knorpelunterstützung.

Aufgrund des fischigen Geruchs mögen viele Pferde Grünlippmuschel nicht wirklich. Daher gibt es einige Produkte mit reinem Glucosamin, welches oft aus der Grünlippmuschel extrahiert wurde. Alternativ kannst du diese füttern, allerdings bietet die reine Grünlippmuschel den Vorteil der weiteren Fettsäuren.

Brennessel & Weidenrinde

Beide diese Pflanzen sind ebenfalls hervorragende Helfer bei Arthrose. Die Brennessel enthält, wie die Hagebutte, viel Vitamin C, sowie die Spurenelemente Kalium, Zink und Eisen. Daneben findet sich noch weiter Kieselsäure, also Silizium, welches sehr wichtig für den Knorpelaufbau ist. Außerdem fördert sie die Durchblutung und regt die Nierentätigkeit an (Entgiftung!). So werden mögliche Abbauprodukte aus dem Körper geleitet.

Die Weidenrinde wirkt, ebenso wie die Brennessel, schmerzstillend. Sie enthält Salicylate, welche ähnlich der Acetylsalicylsäure (ASS) sind. Das wichtige Salicin wird im Darm zu Salicysäure umgewandelt und wirkt im Körper fieberstenkend, entzündungshemmend und schmerzstillend. Als ein weiterer super Ernährungszusatz bei einem Pferd mit Arthrose.

Weiteres

Natürlich könnte ich diese Liste noch ewig weiter fortführen. Schließlich wirken auch Chili, schwarzer Pfeffer, Ingwer usw. auch gut. Aber das würde dann zu weit führen, denn letztendlich kommt es auf eine sinnvolle, bedarfsgerechte Fütterung an. Einfach irgendwelche Kräuter wahllos deinem Pferd anzubieten ist nicht die Lösung für das Problem Arthrose. Gibt zudem dem Pferdekörper Zeit auf ein Präparat oder Kraut zu reagieren, manchmal dauert das etwas.

Brennesseln sagt man auch so schon nach, dass sie gegen Rheuma helfen.

Massageöl für kalte Füße und steife Gelenke.

Zuletzt habe ich noch ein kleines Extra für euch beide. Ätherische Öle haben auch ein hervorragendes Wirkspektrum und gerade im Winter können sie entweder unseren kalten Füßen oder den steifen Gelenken (und kalten Hufe? 😉 ) deines Pferdes eine Wohltat sein.

Rosmarin & Wacholder – Massageöl

Zutaten:
10 Tr. Ätherisches Rosmarinöl
10 Tr. Ätherisches Wacholderöl
(ggf. einige Tropfen ätherisches Lavendelöl)
50 ml Basisöl

Als Basisöl eignet sich Calendulaöl, Nachtkerzenöl, Johanniskrautöl (Achtung! photosensitiv), oder, wenn dir das alles zu kompliziert ist, natürlich auch Bio-Olivenöl.

Alles einfach mischen und in einer Braunglasflasche dunkel & bei gleichmäßiger Temperatur aufbewahren.

Im Winter kannst du dann z.B. den Kronenrand deines Pferdes damit massieren, oder auch ein arthrosegeplagtes Gelenk. Bitte bedenke aber, dass sich das Öl nur durch Waschen wieder aus dem Fell deines Pferdes entfernen lässt (oder mit der Zeit), somit solltest du von einer großflächigen Anwendung absehen. Außerdem sollte dein Pferd es nicht fressen oder ablecken.

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