Erfahrungsbericht Tetanus Titerbestimmung beim Pferd

von Mareike Heil
Tetanus Tierbestimmung beim Pferd

– Impfen mit Köpfchen –

Alle Jahre wieder steht das Impfen unserer Pferde auf dem Plan. Viele, besonders Nicht-Turnierreiter:innen, die ohne feste Vorschriften auskommen, fragen sich, was denn nun nötig ist und was nicht. Dieser Artikel dreht sich um die Tetanus Titerbestimmung und meine eigenen bisherigen Erfahrungen damit, denn: Meine Pferde wurden seit 5 Jahren nicht mehr gegen Tetanus geimpft und haben immer noch Impfschutz. Trotzdem stellt sich dir vielleicht die Frage: Sollte ich das auch machen?

Hin und wieder kursieren Vermutungen auf Social Media, über die Notwendigkeit des häufigen Impfens. Es gibt einige Quellen, bei denen die Wissenschaft die Vermutung nahelegt, dass die Tetanusimpfung beim Pferd ähnlich lange Wirkzeiten (10- 15 Jahre) wie beim Menschen hat. Aber wie finde ich den für mich und mein Pferd richtigen Weg?

Impfvorschriften bei Tetanus

Trotz dass die Wissenschaft ein längere Wirksamkeit des Impfschutzes aufzeigt, sehen die allgemeinen Richtlinien etwas anders aus. Generell gilt eine Tetanusimpfpflicht, welche zum Beispiel bei Influenza nicht besteht, außer bei Turnierpferden. Hier kann jede:r für sich selbst entscheiden, ob er oder sie die Influenzaimpfung für sein Pferd möchte.

Allgemein sollte Tetanus nach der Grundimmunisierung alle 2 bis 3 Jahre (je nach Impfstoff) aufgefrischt werden. Influenza hingegen sollte nach der Grundimmunisierung jedes Jahr, bei Turnierpferden alle 6 Monate, geimpft werden. Diese Vorschriften haben durchaus ihre Berechtigung, denn es möchte schließlich niemand sein Pferd durch Wundstarrkrampf (Tetanus) verlieren oder dass es sich auf einem Turnier ansteckt und später den ganzen Bestand infiziert. Eine Tetanus-Titerbestimmung sieht allerdings keine der Regularien vor, weshalb hier alles etwas schwammig ist.

Die Tetanusinfektion in Kürze

Generell sollte ein Pferd (und Mensch! überprüfe deinen eigenen Impfstatus auch einmal. Da die Impfung nur alle 10 Jahre fällig ist, vergisst man es schnell) eine sachgerechte Grundimmunisierung erfahren haben. Tetanus (Wundstarrkrampf) ist eine grausame Erkrankung, welche durch das Bakterium Clostridium tetani ausgelöst wird und zum Tod führt. Vermehrt sich das Bakterium im Körper sondert es ein Gift ab, welches die muskelsteuernden Nervenzellen angreift und zu Muskelkrämpfen führt, welche letztendlich auch das Herz schädigen. Es folgt der Tod. Abgesehen von einer Impfung kann man sich kaum gegen das Bakterium schützen, denn es kommt überall in unserer Umgebung vor.

Situationsabhängiges Impfen – Meine Situation

Meine Pferde gehen auf keine Turniere und stehen bei uns Privat. Zudem ist der Kontakt zu fremden Pferden sehr gering und besteht lediglich in Form von Sichtkontakt über den Zaun oder wir begegnen anderen Pferden beim Ausreiten. Daher habe ich mich schon 2016 dazu entschieden gegen Influenza nicht mehr zu impfen.

Zu Influenza …

Zum einen ist die Influenzaimpfung nicht verpflichtend, zum anderen gibt es diverse verschiedene Influenzaviren und ein Pferd kann auch trotz Impfung an einer Influenza erkranken; es wird schließlich nur gegen den gerade häufigsten Virenstamm geimpft. Somit überwiegt dort für mich die Belastung des Körpers gegenüber des Sinn und Zwecks. Schlicht gesagt, stehe ich zu der Influenzaimpfung beim Pferd ähnlich, wie zu der Grippeimpfung beim Menschen. Im Hinblick auf den Zweck und die Gesetzgebung habe ich mich gegen die Impfung entschieden. Ich denke, dass ich dem Organismus meines Ponys diese Impfung ersparen kann. Bei Turnierpferden hingegen ist die Influenzaimpfung aufgrund der hohen Fluktuation Pflicht und meiner Meinung nach auch sinnvoll, um einer massenhaften Verbreitung entgegenzuwirken. Würde mein Pferd in einem großem Stall stehen, wo womöglich ebenfalls eine größere Fluktation an Pferden herrscht, würde ich es Impfen lassen. Da dies nicht der Fall ist, erspare ich ihnen den Stress.

… und Tetanus

Wenn man sich aber einmal mit diesem Thema auseinandersetzt, denkt man auch automatisch über die anderen Impfungen nach. So stand 2018 der Umgang mit der Tetanusimpfung im Raum. Tetanus ist wirklich nichts, was man jemandem wünscht, egal ob Mensch oder Tier, und da die Impfung verpflichtend ist, kommt man nicht so einfach darum herum. Somit habe ich mich damals mit einigen Kolleg:innen aus dem Therapiebereich und mit meiner Tierärztin besprochen, sowie mich zu dem Thema belesen. Letztendlich habe ich mich dazu entschloss den Tetanusschutz per Titer bestimmen zu lassen, anstatt blind zu impfen. Es gibt zwar bisher nur wenige Studien, die sich mit dem Thema beschäftigen, aber dennoch ist es mir das Wert.

Ganz wichtig ist hier: Schaue dir immer die äußeren Umstände mit an! Wie wird mein Pferd gehalten? Was macht es für Sport (Verletzungsmöglichkeiten)? Was für Vorschriften hat mein Stall? Könnte man einen Kompromiss finden? Und auch: Wie ist die Konstitution meines Pferdes? Wie reagierte es auf die letzten Impfungen? Bevor man entscheidet, ob man regulär impft oder eine Tetanus- Titerbestimmung machen lässt, sollte man sich zuerst all dieser Punkte bewusst werden. Einfach zu sagen “Ich impfe nicht, weil ich das nicht nachvollziehen kann” ist hier eindeutig der falsche Weg.

Tetanus-Titerbestimmung – so wird es gemacht

Zunächst habe ich meine Tierärztin bestellt, diese nimmt Blut am Hals, welches ins Labor geschickt und auf die Antikörper untersucht wird. Für mein Pferd ist sowohl das Impfen, als auch die Blutabnahme Stress pur, aber ich kann das nicht ändern. (Nachtrag: Wir beginnen nun mit Medical Training, da er nun auch bei der Zahnbehandlung ab abdrehen war). Ich kann nur seinem Körper eine Aufarbeitung des Immunsystems ersparen, wenn ich den Titer bestimmen lasse. Des Weiteren kann man einen Schnelltest zur Antikörperbestimmung direkt vor Ort machen lassen z.B. mit dem Fassisi Teta Check. Diesen kann ebenfalls nur euer Tierarzt / eure Tierärztin besorgen. Frag doch einfach nach, was er oder sie machen kann.

Zur Titerbestimmung wird Blut abgenommen / Copyright @pferdesummen

Zudem sollte man die Titerbestimmung wenigstens alle 2 Jahre, also im normalen Impfrhythmus wiederholen. Damit ist man auf der sicheren Seite und kann zudem schlüssig nachweisen, dass man regelmäßig getestet hat. Sollte der Fall eintreten, dass nur noch ein geringer Schutz vorhanden ist, empfehle ich das mit deiner Tierärztin zu besprechen. Leider gibt es hierzu keinerlei Vorgaben und theoretisch (da die Standardimpfintervalle überschritten sind) müsste eine neue Grundimmunisierung her. Meiner Meinung nach erscheint das aber vollkommen unlogisch, denn man impft ja nicht nach, wenn gar kein Schutz mehr vorhanden ist, sondern wenn dieser zu niedrig ist (also noch einige Antikörper vorhanden sind). Was genau wir dann machen, weiß ich noch nicht. Ich hoffe ein wenig, dass ich meine Ponys bis an ihr Lebensende nicht mehr nachimpfen muss.

Uns allen ist bewusst, dass bei der Gesundheit unserer Pferde nicht das Geldsparen im Vordergrund stehen sollte, besonders nicht bei Vorsorgemaßnahmen wie Impfen. Daher ist es hoffentlich nicht all zu enttäuschend für dich, wenn die Titerbestimmung dir nicht die Geldersparnis einer gesamten Impfung erbringt. Lediglich das Auslassen von Herpes und/oder Influenza könnte deine Brieftasche entlasten, insofern dein:e Stallbetreiber:in dies erlaubt.

Das Ergebnis meiner Tetanus Titerbestimmung

Nun habe ich schon zum zweiten Mal den Titer meiner Pferde bestimmen lassen und siehe da: Sie haben beide weiterhin einen Impfschutz und der besteht nun schon seit 5 Jahren! Ich bin wirklich gespannt, wie es in zwei Jahren bei der nächsten Blutuntersuchung aussieht.

Bei einer Recherche zum Thema “impfen” hatte ich bereits gelesen, dass sich eine späte Grundimmunisierung negativ auf den Immunstatus auswirkt. Daher war für mich besonders spannend das Ergebnis bei meinem Wallach zu bekommen, da er erst mit seinem 6. Lebensjahr grundimmunisiert wurde.

Fazit

Die Ergebnisse unserer Tests sind immer wieder eine schöne Überraschung und ich bin nun sehr gespannt, wie lange sich der Antikörperstatus hält. Meine Hoffnung ist, dass sich der Status wirklich sehr lange hält und ich unsere Ponys vielleicht erst in 10 Jahren wieder impfen lassen muss – wer weiß, vielleicht auch nie wieder?

Ich denke, dass man heutzutage, wo nun schon das Entwurmungsmanagement bei vielen eine starke Überholung hin zur selektiven Entwurmung erfahren hat, man auch durchaus mal einen Blick auf das Impfmanagement seines Pferdes werfen kann. Jede Impfung ist schließlich Stress für den Körper und das Immunsystem und mit jeder Impfung geht nicht nur der Schutz des Tieres einher, sondern auch die Gefahr von Impfproblematiken die außerhalb einer vertretbaren Impfreaktion liegen. Außerdem gibt es schließlich die Möglichkeit einer Titerbestimmung, warum diese also nicht nutzen?

Falls ihr euer Impfmanagement überarbeiten wollt, sprecht dies am besten offen mit eurem Tierarzt oder Tierärztin ab und fragt ihn oder sie, ob er/sie bei eurem Pferd einen Schnelltest durchführen würde, oder das Blut ins Labor schicken kann. Falls ihr in einem Pensionsstall steht, sollte dies natürlich auch mit eurem/ eurer Stallbetreiber:in besprochen werden. Ich denke, das versteht sich von selbst.  

Einige Links & Quellen zu dem Thema

Impfbestimmungen im Detail:

https://www.pferd-aktuell.de/veterinaermedizin/impfung/impfung

Studie:

https://beva.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/evj.12502

Sehr zu empfehlende Artikel!:

https://www.atm.de/blog/redaktionelles/tetanus-impfintervalle-beim-pferd-impfen-wir-zu-viel

https://www.cavallo.de/medizin/impfen-pro-und-contra/

Bericht von vet-tcm:

https://www.facebook.com/thp.vettcm/posts/1727987873937655

Forscher in dem Bereich: Prof. Dr. Dr. Peter Thein, Mikrobiloge und Fachtierarzt für Pferde, Spezialist für Impfprophylaxe. Kommt auch in dem Cavallo Artikel zu Wort.

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