Erfahrungsbericht- Reiten in der Schwangerschaft

von Maria

Zuerst einmal ist das hier lediglich ein Erfahrungsbericht und kein Freifahrtschein für jede Frau, die während der Schwangerschaft reiten möchte. Dies muss für alle individuell betrachtet werden und jede Frau muss für sich selbst einschätzen, was sie kann und möchte. Meine Schwangerschaft verlief recht komplikationslos. Klassische Symptome wie Morgenübelkeit und im letzten Drittel Wassereinlagerung war mir schon bekannt, aber bei weitem nicht so schlimm, wie bei einigen anderen Frauen. Ich persönlich fand die Schwangerschaft trotzdem anstrengend, da ich mein Pensum im Alltag doch immer wieder runterschrauben musste. Ich bin eine Person mit Hummeln im Hintern. Daher bekam meiner Psyche es nicht all zu gut, wenn ich die Grenzen meines Körpers wahren musste. Schließlich trug ich die Verantwortung nicht mehr nur für mich. Wenn ich die Grenzen doch mal missachtete, bekam ich es spätestens am nächsten Tag in Form von Kreislaufbeschwerden oder einem wirklich unangenehm ziehenden Unterleib zu spüren.

Beginn der Schwangerschaft

Am Anfang der Schwangerschaft war ich ganz normal reiten. Ohne Einschränkungen, sowohl mein eigenes Pony, als auch das Pferd eines Stallkollegen. Vom Kind selbst konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nichts merken, außer im Ultraschall oder mit einem positiven Schwangerschaftstest. Entsprechend war es für mich kein Problem meine körperliche Arbeit im und um den Stall zu erledigen und reiten zu gehen. Das einzige, was mich immer wieder etwas dämpfte, war das exorbitante Schlafbedürfnis (teilweise 14h am Tag in der anfänglichen Zeit). Die Übelkeit selbst war nicht schön, aber noch absolut auszuhalten und endete zu meinem Glück ziemlich abrupt mit der 13. SSW.

Mitte der Schwangerschaft

Im weiteren Verlauf nahm ich natürlich zu. Auch wenn mir niemand so recht glaube wollte, dass es zum Sommer hin steil auf die 10 kg zuging, somit wollte ich mein eigenes Pony im 2. Trimenon der Schwangerschaft nicht mehr reiten. Das Mehr an Gewicht wollte ich seinen arthrotischen Gelenken nicht antun. Somit war Bodenarbeit und spazieren gehen angesagt. Glücklicherweise stellte mir ein Stallkollege sein Großpferd immer wieder zur Verfügung. Für mich selber habe ich eine Grenze beim Springen und Ausreiten gezogen, weil ich persönlich vor allem mit „fremden Pferden“ es für zu gefährlich hielt und kein Risiko für mein Ungeborenes eingehen wollte.

Eine weitere Grenze habe ich in der Tätigkeit meiner Bauchmuskulatur gezogen. Wie diverses Male erwähnt, macht der Rumpf einen essentiellen Teil eines guten Sitzes aus. Wird nun durch ein Baby die Bauchmuskulatur gedehnt, verliert sie an Spannung bzw. Kraft. Damit geht die Stabilität des Rumpfes immer weiter verloren. Zu Anfang konnte ich alle drei Grundgangarten problemlos bewältigen. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass ich vor allem nicht mehr aussitzen konnte und dem Pferd vielmehr in den Rücken fiel. Damit war das definitiv ein Ausschlusskriterium. Ab der 23. Schwangerschaftswoche habe ich den Galopp weggelassen und mit der 27. Schwangerschaftswoche bin ich nur noch im Schritt geritten. Die Einschränkung ging innerhalb von 4 Wochen recht schnell. Für den Reiter, also mich, bedeutete dies, dass ich kein Pferd mehr reiten wollte, wenn ich mit meine Bauchmuskeln keine Stabilität mehr in meinen Sitz bekam.

Lustiger Sidefact: Relativ am Anfang der Schwangerschaft ( etwa um die 14/15 Woche herum) hatte ich beim Reiten im Leichttrab das Gefühl, dass mir das Kind jedes Mal beim Aufstehen auf die Blase drückt und ich um meine Kontinenz bangen muss. Keine Sorge, meine Unterhose ist mit Mühe trocken geblieben und das Phänomen gab sich im Laufe der Zeit.

Die Stallarbeit wurde teils anstrengender, da der kleine Mann nun anfing meine Bauchorgane Richtung Lunge zu schieben und damit die tiefe Einatmung nicht mehr in vollen Zügen gegeben war. Tragen und Heben von Gießkannen und vollen Schubkarren funktionierte trotzdem und diese Art der selbständigen Stallarbeit wollte ich mir nicht nehmen lassen.

Ende der Schwangerschaft

Das Ende der Schwangerschaft Was soll ich sagen? Ich habe mich gefreut, dass es bald vorbei war. Das Gewicht wird für den ganzen Körper anstrengend und in der Beweglichkeit ist man eingeschränkt. Mit meinem Bauch bin ich gern mal irgendwo hängen geblieben, da ich seinen Umfang permanent falsch eingeschätzt habe. Wie bereits vorweg erwähnt, saß ich in der 27. Schwangerschaftswoche das letzte Mal zum Reiten auf dem Pferd.

Etwa 2 Wochen vor der Geburt habe ich für 3-4 Minuten auf meinem Pony gesessen. Ich habe am neuen Stall (einen Monat vor der Geburt zog ich mit meinem Mann und Kind noch um) eine andere Route zum Spazieren gewählt und wusste auf dem Rückweg nicht, wie ich einen Berg bewältigen sollte, ohne auf halben Weg die Freundschaft zu meinem Kreislauf zu verlieren. Ansonsten konnte ich das Maß meiner Aktivität am Stall wieder steigern, nachdem mein Bauch anfing sich abzusenken. Dieses Durchatmen können, war eine wahre Wohltat. Ich konnte wieder mehr Strecke zurücklegen (max. 1h gehen). Die Stallarbeiten wurden in diesem neuen Stall in Teilen abgenommen, was mir eine Entlastung brachte.

Ein paar Tage vor der Geburt bereitete ich Fressen für einige Tage im Voraus vor und Mareike war so lieb und nahm sich Corny in der Zeit an. Ein Glück war alles in trockenen Tüchern, obwohl mein Kind 8 Tage zu früh kam. Vielleicht war das meine Intuition.

Ein weiterer Bericht zum Wochenbett und Stall folgt in der nächsten Zeiten. In dem erfahrt ihr über meine Naivität und wie es mich doch etwas zu früh wieder in den Stall zog.

Ich bin in diesem Artikel nicht auf alle Symptome der Schwangerschaft eingegangen, sondern lediglich die, welche mich in meinem Sport und der damit verbunden Arbeit einschränken.

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