Erfahrungsbericht: Im Wochenbett am Stall

von Maria

oder verflucht bleib mit dem Arsch zu Hause

Dies ist meine Geschichte, wie ich im Wochenbett am Stall war und welche Konsequenzen ich daraus ziehe. Dieser Erfahrungsbericht ist ungeschönt und könnte dich mit Themen konfrontieren, die für dich unangenehm sind.

8 Tage vor dem errechneten Termin habe ich meinen Sohn zu Hause bekommen. Mit der großartigen Unterstützung meiner Hebamme und meines Mannes ( ein riesen Danke an beide!)  habe ich mich  etwa 12 h mit meinem Kind durch die Geburt gearbeitet. 

Danach war außer Liegen wirklich nichts mehr möglich. Wenn ich aufgestanden bin, brauchte ich direkt jemanden der mich wieder auffängt. Äußerlich war ich unversehrt, jedoch hatte ich deutlich an Volumen verloren. Wenn man es sich genau überlegt, ist der innere Bauchraum, wie eine große Wunde. Schließlich hat sich die Plazenta aus der Gebärmutter gelöst und an der Stelle ist es wie „offen“.

An Tag 3 konnte ich mich wieder selbständig fortbewegen. Am 4. Tag stand ich abends an der Box meines Ponies. Der Drang ihn wieder sehen zu wollen und ihm das Kind zu zeigen, war zu groß, als das ich meinen Hintern in dem Moment zu Hause hätte lassen wollen. Da begann mein Wochenbett am Stall.

Den ersten Tag hatte sich eine Stallkollegin um ihn gekümmert und die zwei folgenden Tage ist Mareike zu ihm gefahren ( an dieser Stelle ebenfalls noch ein großes Dankeschön an die  Ponysitter). 

Mein Kreislauf war oft noch instabil, aber ich hatte wirklich gerne an meinen „Happy- Place“, den Stall und wieder beim Pferd sein und zu schauen, ob es ihm gut geht.  Außerdem war ich sehr gespannt, wie die Pferde auf einen Säugling reagieren würde. 

Die Antwort: jedes Pferd war neugierig und wollte wissen, was sich in dem Maxicosi verbirgt, abgesehen von meinem. Ihn interessierte es nicht einmal wenn Geschrei aus der Richtung kam. Hauptsache es war für Futter und Streicheleinheiten gesorgt. Er kam mir dann etwas vor, wie eine klischeehafte Katze aus dem Pferdebereich. Fütter mich! Streiche mich! Und jetzt gehen wir grasen! 

Vielleicht ein Vorteil, dass er mit einem schreienden Baby kein Problem hatte und dafür sein eigenes Ding weiter durchzog.  Ich konnte ihn im weiteren Verlauf ohne Probleme arbeiten und er ließ sich, im Gegensatz zu mit nicht davon beirren, wenn das Kind mäkelig wurde.

Für mich hieß es nach etwa einer Woche wieder mit der Stallarbeit zu beginnen. Das bedeutet die Eimer mit den Heucobs zu tragen wenigstens die Box überstreuen und mit dem Pony ums Feld gehen und ihn grasen lassen. Dabei habe ich meinen Sohn im Tragetuch an den Körper gebunden.  Zumeist schlief er währenddessen und schien sich mit dem rhythmischen geschunkel des Gehens wohl zu fühlen.

Rückblickend war das ein wirklich zu hohes Pensum. Ich fing an nach anderen frisch gebackenen Müttern zu schauen und die meisten blieben mit ihrem Hintern brav zu Hause und kuschelten mit dem Baby auf dem Sofa und nicht, wenn sie gerade einen Spaziergang mit dem Pony machten.

Wenn ich vom Stall kam, hatte ich oftmals Schmerzen am Schambein. Der zog sich teils weiter in den Intimbereich.  Ich merkte, dass ich dringend die Spannung in meinen Adduktoren verlieren musste. Diese fangen anatomisch direkt neben dem Schambein an. Doch dehnen war in diesem Fall nicht das Mittel der Wahl. Nach der Geburt empfiehlt es sich die Beine tendenziell zusammen zu lassen. Also war Wärme eine Wohltat und eine Massage eine teils unangenehme Notwendigkeit, um etwas Spannung von den Innenseiten meine Oberschenkel zu verlieren.

Die ungeschönte Wahrheit

Das große Geschäft wurde wirklich schmerzhaft. Zu Anfang dachte ich, dass ich durch eine stark eisenhaltige Ernährung einfach Backstein kacken würde. Mit der Zeit kam ich dahinter, dass es definitiv nicht nur an der Ernährung lag. Meine Hebamme erklärte mir, dass es sich um Hämorrhoiden handelte, gab mir eine Empfehlung für eine pflanzliche Creme und Beckenbodenentlastende Übungen. Ich sag euch eins- es wurde besser und dann wesentlich schlimmer. Die Backstein fühlten sich an als wären sie mit Rasierklingen gespickt. Entspannt vom Klo kommen, gab es für mich nicht mehr. 

Inzwischen war ich noch beim Arzt und habe eine andere Creme bekommen mit der ich jetzt erstmal arbeite. Das Ergebnis ist eine deutliche Besserung! Ich habe immer noch nicht die das absolut entspannte Gefühl, wenn ich mir meine 5 Minuten Zeit auf dem Thron eingeräumt habe, aber ich hinterlasse immerhin keine Blutflecken mehr im Klopapier. Man gibt sich doch mit den kleinen Dingen im Leben zufrieden. Vor allem wenn sie nicht mehr so weh tun.

Fazit

Mein Resümee aus der Geschichte. Wochenbett heißt zu Hause bleiben und keine Stallarbeiten verrichten. Pony angucken und kuscheln wäre in Ordnung gewesen, wenn ich ihn unbedingt sehen will. Jedoch keine kiloschweren Eimer oder Schubkarren durch die Gegend manövrieren. Einfach mal nach Hilfe fragen. Jeder hat für diesen Zustand Verständnis und ist sicherlich gewollt zu unterstützen. Es war doch naiv von mir anzunehmen, dass mein Körper, das einfach wegsteckt  „, weil ich ja noch so jung bin“ und „immer fit und agil war“ und „die Belastung gar nicht so hoch ist“. Den Fehler mache ich definitiv kein zweites Mal. 

Selbst wenn man sich fit fühlt, so ist der Beckenboden doch wirklich stark belastet nach einer Geburt und das zu akzeptieren ist enorm wichtig. Der Respekt vor dem eigenen Körper und was dieser geleistet hat. Somit kann man sich selbst ohne schlechtes Gewissen eine kleine Auszeit geben und einfach wieder heilen.

Abschließend wünsche ich jeder Frau mit Pferd und Säugling, dass sie sich die Zeit nehmen kann zu regenerieren und deutlich munterer als ich wieder beim Pferd ankommt.

Um eine Idee für ein entspanntes und trotzdem aktives Frühwochenbett zu bekommen hier ein YouTube- Video einer Physiotherapeutin und Beckenbodentherapeutin :

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