Die Hinterhand

von Maria

Ebenso wie die Vorhand des Pferdes, verbergen sich auch auf der Hinterhand signifikante Unterschiede zum Menschen. 

Das Becken

Angefangen beim Becken. Sowohl für uns Menschen, wie auch für das Pferd ist das Becken das Verbindungsstück zwischen der Wirbelsäule und dem Oberschenkel. Bei uns Menschen “rutscht” die Wirbelsäule in das Becken und ist dort am Iliosacralgelenk festgesetzt. Beim Pferde liegt das Becken auf der Wirbelsäule auf. In beiden Fällen wird dieser Teil des Bewegungsapparats mit sehr straffen Bändern fixiert, sodass nichts verrutschen kann bzw. sollte.

Der Oberschenkel

Als nächstes folgt der Oberschenkelknochen. Verbunden mit dem Becken durch die Hüfte zieht er bis zum Kniegelenk. Der Oberschenkel hat zwei Knochenvorsprüngen am oberen Ende, an dem sich Muskeln bzw. deren Sehnen ansetzen. Das Pferd hat die Besonderheit noch einen dritten Vorsprung mitzubringen. Am anderen Ende des Oberschenkels befindet sich das Kniegelenk. Dort entsteht die Verbindung zum Unterschenkel. Auf dem Kniegelenk befindet sich die Kniescheibe in einer Sehne eingelagert. Die Kniescheibe ist ein Sesambein und hat damit, wie jedes andere Sesambein auch, den Zwecke Kraft zu sparen. Das ganze funktioniert wie eine Umlenkrolle. Zusätzliche zur Kraftersparnis kann die Kniescheibe ein klein wenig aushacken, damit das Bein verriegelt ist und dann können unsere Pferdchen im Stehen ihren Mittagsschlaf halten. 

Der Unterschenkel

Der Unterschenkel verläuft vom Kniegelenk bis zum zum Sprunggelenk. Bei uns Menschen umfasst er das Schienen – und Wadenbein. Beim Pferd ist das Wadenbein nur noch am oberen Ende anzutreffen. Der Rest hat sich zurückgebildet und erfüllt keine nähere Funktion mehr. Beim Menschen wird das Sprunggelenk durch die Knöchel innen und außen eingefasst. Das sind jeweils die Enden des Schienen – und Wadenbeins. Damit stehen sie in Verbindung mit der Talusrolle. Beim Pferd hingegen ergibt sich die Konstruktion aus dem Schienbein und einer deutlich lang gezogenen Ferse mit der Talusrolle. 

Die Spannsägenkonstruktion

Zwischen dem Kniegelenk und Sprunggelenk gibt es eine Besonderheit. Sie können nicht unabhängig voneinander bewegt werden. Das verhindert die sogenannte Spannsägenkonstruktion, die durch zwei Muskeln mit ihren Sehnen gebildet wird. Diese Muskeln (M.fibularis tertitus und M. flexor digitorum superficial) beginnen oberhalb des Knies und enden unterhalb des Sprunggelenks. D.h. wenn je einer der beiden Muskeln anspannt, beeinflusst er immer beide Gelenk und diese sind somit “gleichgeschaltet”. 

Der Patellarmechanismus

Dieser Mechanismus ermöglicht es, dass unsere Pferde im Stehen dösen können, ohne dass sie dafür Muskelkraft aufwenden müssen. Die beiden Vorderbeine sind durch ihre gradlinige Achse bereits so konstruiert, dass ein stabiler Stand ohne Muskelspannung möglich ist. Bei den Hinterbeine sieht es anders aus. Das Pferd muss dafür seine Kniescheibe (Patella) nutzen. Diese zieht es durch den Muskel des vorderen Oberschenkels hoch. Im nächsten Schritt wird die Kniescheibe zur Mitte gezogen, wo sie sich dann auf einer knöchernden Erhebung, dem Rollkamm, einhakt. Damit ist das Knie verriegelt und durch die Spannsägenkonstruktion wird das Sprunggelenk mitfixiert. Um das ganze wieder aufzulösen muss die Kniescheibe noch ein kleines Stück nach oben gezogen werden und dann durch einen anderen Muskel wieder etwas nach außen geholt, damit sie von dort aus wieder in ihre normale Position gleiten kann. 

Unterhalb des Sprunggelenks folgen wieder das Röhrbein mit den Griffelbeinen. Danach das Fesselbein, das Kronbein und das Hufbein. Damit ähnelt der Teil unterhalb des Sprunggelenks der Vorhand fast eins zu eins. 

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