Die 4 häufigsten Erkrankungen von Pferdezähnen

von Mareike Heil
Zähne 4

EOTRH, Zahnstein, Karies und Zahntaschen zählen vermutlich zu den häufigsten Erkrankungen von Pferdezähnen. Die vorherigen Artikeln gaben einen Überblick über die Grundlagen im Zusammenhang mit den Pferdezähnen, zeigten woraus eigentlich ein Zahn besteht, beschäftigten sich mit dem Gebissaufbau und welcher Zahn wofür ist. Hier folgen nun die Erkrankungen im Detail.

Karies beim Pferd

Definition: „Erkrankung des kalzifizierten Zahngewebes, die durch den Abbau von Kohlenhydraten durch Mikroorganismen verursacht wird und sowohl durch Demineralisation der anorganischen Anteile als auch durch die nachfolgende Zerstörung der organischen Teile des Zahns charakterisiert ist.“ (Baker, Easley S. 109).

So weit so gut, oder? Aber bröseln wir das Ganze nochmal ein wenig auf, damit es verständlicher wird. Die Mundhöhle eines jeden Tieres und auch Menschen enthält viele Bestandteile, wie zum Beispiel Speichel. Aber auch Mundbakterien fühlen sich dort wohl. Ein Teil dieser Bakterien ist, neben einigen anderen Prozessen, für die Entstehung von Karies verantwortlich. Durch die Nahrung nimmt das Pferd auch Kohlehydrate (Zucker) auf. Dieser wird von den Mundbakterien durch Fermentation hauptsächlich zu Milchsäure verwandelt. So ändert sich dann der pH-Wert im Maul.

Normalerweise würde der Speichel den pH-Wert dann wieder neutralisieren. Im Fall von Karies geschieht dies aber nicht ausreichend. Somit werden Calcium-Kristalle aus dem Zahn nach und nach herausgelöst und gelangen zuerst in den Plaque (Belag auf den Zähnen) und dann in die Mundhöhle. Dabei aber ein kurzer Hinweis, dass der Zahnbelag von Pferden noch wenig erforscht ist und die meisten Erkenntnisse vom Menschen übertragen sind.

Zusammenfassung:

Karies entsteht hauptsächlich durch die Umwandlung von Kohlenhydraten zu Säure durch Bakterien, welche die Zahnsubstanz angreift und auflöst. Eiweißzersetzende Chelate können den Zahnschmelz allerdings ebenfalls demineralisieren, trotz neutralem oder alkalischen pH-Wert.

Was kann ich als Besitzer:in tun?

Zuerst sollte bedacht werden, dass Melasse und andere stark zuckerhaltige Nebenprodukte die Kariesbildung fördern. Aber auch hier macht die Dosis das Gift. Einige Kohlenhydrate braucht das Pferd damit es Energie gewinnen kann. Aber wenn es quasi dauerhaft auf einem Lolli lutscht, passiert dasselbe wie bei uns Menschen.

Außerdem sollte darauf geachtet werden, ob das Pferd genug Speichel bildet beim Fressen. Denn wenn die Menge an Kohlenhydraten in Ordnung ist, es aber Probleme mit der Einspeichelung des Futters hat, kann der Speichel den pH-Wert nicht mehr ausreichend regulieren.

Bei Karies ist also die Vorbeugung essentiell. Ein regelmäßiger Check durch den Zahnarzt tut dann sein Übriges um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen. Denn auch hier muss im schlimmsten Fall der befallene Zahn gezogen werden.

Zahnstein beim Pferd

Fast 80% aller Pferde haben Zahnstein. Zahnstein ist eine feste, grau/weißlich bis grünlich/gelbe Auflagerung an den Zähnen. Er entsteht durch die Einlagerung von anorganischen Stoffen (Calcium & Phosphat) aus dem Speichel in den Plaque des Zahns. Er bildet sich häufig in der Nähe der Speicheldrüsen, da dort die Konzentration von anorganischen Bestandteilen sehr hoch ist – das bedeutet er ist besonders an den Eckzähnen und den Prämolaren des Oberkiefers zu finden, wo er sich an den Seiten anlagert. Bei Fehlstellungen des Kiefers oder der Zähne kann sich Zahnstein auch an anderen Stellen bilden, da die Zähne beim Fressen nicht richtig (ab)genutzt werden.

Die Calcium-Phosphat-Kristalle vermischen sich auch gern mit Futterbestandteilen, sodass diese ebenfalls an den Zahn anlagern. Auf Zahnstein leben zudem viele Bakterien, welche unter anderem zu Mundgeruch und Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats) führen können. Somit begünstigt Zahnstein auch allgemein das Entstehen von Krankheiten wie Ulzerationen, Parodontitis und Gingivitis (Zahnfleischentzündung), weshalb er stehts vom Zahnarzt entfernt werden sollte.

Zusammenfassung:

Zahnstein entsteht durch das Anlagern von Calcium – Phosphat – Kristallen (anorganische Bestandteile / Kalksalze) aus dem Speichel an den Zahn.

Was kann ich als Besitzer:in tun?

Da eine calciumreiche Nahrung die Zahnsteinbildung begünstigt, kann ein Blick auf den Gehalt in Heu und Wasser nicht schaden, auch wenn einem das vielleicht nur dabei hilft heraus zu finden warum das Pferd starken Zahnstein hat. Ansonsten hilft nur ein gelegentlicher Blick ins Maul des Pferdes, denn wirklich etwas gegen tun kann man nicht. Außer man möchte die Zähne seines Pferdes mit Zahnbürste und Zahnseide bearbeiten. Dennoch lassen sich durch Kontrollen und das Entfernen bei Bedarf schlimmere Erkrankungen verhindern.

EORTH beim Pferd

Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis
was ein Wort, zu Deutsch: “Equine (Pferdige) Odontoklastische (Dentin abbauende Zellen) Zahnresorption (Auflösung) und Hyperzementose (Produktion von zu viel Zahnzement).

EORTH gehört wohl mit zu den aktuell meist gefürchtesten Pferdekrankheiten. Meist sind die Schneide- sowie Eckzähne von älteren Pferden betroffen, selten auch die Backenzähne. Die Erkrankung entsteht meist schleichend und wird anfangs kaum bemerkt. Dabei kommt es zuerst zu einer Entzündung des Zahnfleisches und Zahnhalteapparats, woraufhin die Odontoklasten anfangen die Zahnhartsubstanz (Dentin) von der Wurzel her aufzulösen. Als Schutzmechanismus um den Zahn weiterhin fest zu verankern fängt der Körper an Zahnzement zu bilden und diesen um den Zahn im Zahnfach anzuheften. Letztendich kann es zu einem weiteren Rückzug des Zahnfleisches und einer Lockerung des Zahnes kommen.

Betroffene Pferde haben häufig aufgrund des starken dicken Wachstums der Zähne Schmerzen. Neben einer Berührungsempfindlichkeit und Probleme beim Trensen sind weitere Hinweise rote Pünktchen und Eiterbläschen auf dem Zahnfleisch, Mundgeruch, Zahnstein, Zahnfleischentzündungen, Abnehmen durch Schmerzen und Probleme beim Fressen, sowie sichtbare Verdickungen im Bereich der Zahnwurzel der Schneidezähne.

Die Ursache der Erkrankung ist bis jetzt noch nicht geklärt und gilt daher auch noch als unheilbar. Je nachdem in welchem Stadium sie allerdings entdeckt wurde, können deutliche Verbesserungen bis hin zum Verhindern des Fortschreitens der Krankheit möglich sein.

Aktuell werden folgende Ursachen diskutiert: biomechanischer Stress (Druck der Zähne aufeinander), Genetik, Futter (z.B. zuckerhaltige Müslis, Zusatzstoffe im Futter, zu geringe Mineralisierung), Hypervitaminose A (Überversorgung an Vit. A), Hypokalzämie (zu geringer Kalziumgehalt im Blut) und Hyperparathyreodismus (Überfunktion der Nebenschilddrüse).

Zusammenfassung:

EOTRH ist eine mit Schmerzen verbundene Krankheit die nicht selten zum Ziehen der Zähne führt. Dieser Schritt sollte allerdings gut überlegt sein, da das Ziehen von Zähnen immer weitere zu bedenkende Schritte nach sich zieht. Eine gesicherte Diagnose kann nur durch das Erstellen eines Röntgenbildes gestellt werden. Bei Unsicherheiten wie weiter vorzugehen ist empfiehlt es sich gegebenenfalls eine zweite oder auch dritte Meinung durch Ihren Zahnarzt, Tierarzt, Therapeuten oder auch eines fremden Tierarztes einzuholen.

Was kann ich als Besitzer:in tun?

Wie bei allen Zahnerkrankungen empfiehlt sich auch hier eine regelmäßige Kontrolle um die Krankheit frühzeitig zu erkennen. Ansonsten kann nur vorbeugend gehandelt werden mit einer ausreichenden Mineralisierung durch ein geeignetes Mineralfutter, generell ist eine Heufütterung einer Heulagefütterung vorzuziehen und ein Blick auf eventuelle Zusatzstoffe in Müslis zu haben.
Falls die Diagnose EOTRH aber doch eintritt, können Heilpilze teilweise eine gute Wirkung haben. Daher ist eine Zusammenarbeit von behandelndem Arzt und Therapeut empfehlenswert.

Zahntaschen beim Pferd

Tatsächlich findet man zum Thema Zahntaschen recht wenig, auch wenn viele gerade ältere Pferde, betroffen sind. Ursache für Zahntaschen sind Zahnlücken im Bereich der Backenzähne, welche beim Pferd eigentlich nicht vorkommen sollten. Altersbedingt wird durch den regelmäßigen Abrieb die Wahrscheinlichkeit für Zahnlücken größer, da sich die Zähne zur Wurzel hin verjüngen (mehr dazu in Pferdezähne Teil 1 + 2). Ist erstmal eine Zahnlücke vorhanden, diese aber nicht breit genug, sodass das Futter wieder herausfallen kann, bleiben Futterreste in ihr hängen und eine Entzündung entsteht. Durch die Entzündung zieht sich dann das Zahnfleisch zurück, es bildet sich eine Zahntasche. Im schlimmsten Fall kommt es zur Lockerung des Zahns und einem Verlust.

Zusammenfassung:

Viele Pferde haben Zahntaschen und häufig bleiben sie sogar unentdeckt, da sie besonders im hinteren Bereich der Backenzähne nur durch das Nutzen eines Endoskops richtig gesehen werden können. Ein einfacher Blick ins Maul reicht dafür meist nicht aus und auch die Palpation ist ungenauer. Ein Endoskop kann aber nur unter Sedierung eingesetzt werden.

Was kann ich als Besitzer tun?

Ich denke als Besitzer ist man gegen Zahntaschen recht machtlos. Den Abrieb der Zähne kann man nicht verhindert und das sich im Laufe des Alterungsprozesses Lücken bilden ebenfalls nicht. Auch hier bleiben nur die regelmäßige Kontrolle und das Achten auf frühe Symptome wie Probleme beim Kauen, Einseitiges Kauen, Futterröllchen etc.

Quellen der gesamten Pferdezähne-Reihe:

Baker, Gordon J. und Jack Easley. Zahnheilkunde in der Pferdepraxis. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, 2007.

www.pferdeklinik-tappendorf.de/aktuelles/Art/28

www.tierklinik-telgte.com/index.php/fachbereiche/zahnheilkunde/100-eotrh-equine-odontoclastic-tooth-resorption-and-hypercementosis.html

www.st-georg.de/wissen/eotrh-wenn-die-zaehne-des-pferdes-schmerzen/

www.dr-susanne-weyrauch.de/wenn-zahn-und-zahnfleisch-faulen

de.wikipedia.org/wiki/Equine_Odontoclastic_Tooth_Resorption_and_Hypercementosis

www.tiermedizinportal.de/tierkrankheiten/pferdekrankheiten/zahnstein-beim-pferd/365536

de.wikipedia.org/wiki/Zahnstein

de.wikipedia.org/wiki/Maulverdauung

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