Der Wald als Erholungsort für Pferd und Reiter*in – So gut ist er für eure Gesundheit!

von Mareike Heil

Manchmal ist der Wald dunkel und mystisch, manchmal aber auch hell und grün. Gerade an heißen Sommertagen bietet er Pferd und Reiter*innen einen kühlen Ort und wir Menschen die gerne Ausreiten gehen sind dort sowieso oft anzutreffen. Aber der Wald bietet uns Reiter*innen nicht nur einen Platz, wo wir unser Pferd bewegen können, sondern hat auch viele positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Nach diesem Artikel wirst du keine Ausrede mehr haben, warum du nicht öfter mit deinem Pferd einen Ausflug in den Wald unternehmen solltest!

Somi und ich sind oft im Wald unterwegs. Wir beide lieben ihn, ganz gleich ob als Schattenspender im Sommer, mit rauschenden Kronen im Herbstwind, ganz still und leise an frostigen Tagen oder wenn die ersten Knospen sprießen und die Sonne anfängt stärker zu werden. Unser Weg bis zum Waldrand ist 15 Minuten lang. Dann treffen wir auf den hell dunklen Ort aus lauter Buchen in dem wir uns so wohl fühlen. Aber warum fühlen sich eigentlich alle Menschen so entspannt und erholt nach einer Zeit im Wald?

Waldbaden? Gesundheit?

Waldbaden, oder auch bekannt unter seinem japanischen Namen Shinrinyoku, ist vor einiger Zeit in Mode gekommen. Entspannen soll man dabei und Gesund werden angeblich auch, aber viele Menschen tun dies gern mit einer wegwerfenden Handbewegung oder einem schief amüsierten Lächeln ab. Dabei gibt es seit einigen Jahren immer mehr Studien die zeigen, dass es nachweislich gut für unser Immunsystem ist, wenn wir uns für einige Zeit im Wald aufhalten.

Leider sind die Studien im Bereich der Waldmedizin alle alleinig auf den Menschen ausgelegt, aber ich glaube fest daran, dass positive Auswirkungen auf die Gesundheit nicht nur exklusiv bei uns stattfinden, sondern auch bei anderen Tieren wie unseren Pferden. Ein Waldaufenthalt tut somit nicht nur uns gut, sondern auch unseren Vierbeinern.

Auswirkungen auf die Psyche                        

Tatsächlich konnten bereits einige Studien aus der Medizin, als auch aus dem Erholungsbereich deutlich zeigen, dass sich viele Menschen nach einem Waldspaziergang oder einer Wanderung durch den Wald deutlich entspannter, ruhiger, gelassener und besser gelaunt fühlen. Der Wald hebt unsere Stimmung, wirkt sogar antidepressiv, sowie stressreduzierend. Außerdem reduziert sich beim Menschen der Blutstrom im präfrontalen Cortex, wo unser modernes Denken, konzentriert Arbeiten und analytisch – logisch Nachdenken stattfindet. Dafür bekommen andere Gehirnareale die Chance ihre Aktivität zu erhöhen, was automatisch entspannend wirkt, da der präfrontale Cortex zur Ruhe kommt.

Im Wald stehen, lauschen und durchatmen können. Wie wundervoll!

Das kannst du aber auch mit Pferd! Falls du es noch nicht probiert hast, plane doch einfach mal eine halben Tag ein, geh mit deinem Pferd an eine schöne Stelle im Wald und schau wie es sich verhält. Wird es auch ruhiger? Untersucht es die Gegend? Mein Pferd wird ruhiger wenn er im Wald ist und wenn wir hin und wieder mal von den Wegen abweichen (natürlich nur mit Genehmigung) wächst seine Aufmerksamkeit und er ist umso fröhlicher. Daher glaube ich, dass der Wald auch positive Auswirkungen auf unsere Pferde hat. Ursprünglich kommen einige von ihnen sogar eher aus Waldgebieten als aus der Steppe.

Da liegt was in der Luft! – Auswirkungen auf den Körper

Die wichtigen Stoffe des Waldes, welche tatsächlich auf den Körper wirken, sind die Phytozide, zu welchen Terpene gehören. Pflanzen produzieren Terpene als Botenstoffe, um mit anderen Pflanzen zu kommunizieren und Schädlinge, Pilze und Bakterien abzuwehren. Es gibt mehrere Tausend Terpene und all diese fliegen in der Luft des Waldes herum und werden von uns Reiter*innen und unseren Pferden bei jedem Atemzug aufgenommen.

Professor Dr. Qing Li, quasi Begründer der Waldmedizin, konnte zeigen, dass die Phytozide der Waldluft das Immunsystem anregen und somit mehr Killerzellen aktiv sind, abhängig von der Konzentration der Stoffe in der Luft. Die Killerzellen und die Stoffe die sie freisetzen sind sehr wichtig, da sie Krebszellen zerstören und Viruszellen abtöten. Die Stoffe der Bäume können also wahrhaftig gesunderhaltend wirken.  

Ein Tag im Wald erhöht die Zahl der Killerzellen um 40 % und es hält für 7 Tage an. Zwei Tage im Wald erhöht die Zahl der Killerzellen um 100% und das hält für 30 Tage an.

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, um dein Immunsystem wenigstens etwas, ohne langen Waldaufenthalt zu unterstützen. Die Studien zeigten nämlich auch, das bei Probanden, welche in Hotelzimmer nur „künstlich“ zugeführten Terpenen ausgesetzten waren, die Killerzellen ebenfalls leicht erhöht waren und Stresshormone wie Cortisol reduziert. Die Terpene der Bäume sind auch in ätherischen Ölen vorhanden. Um dich (und vielleicht auch dein Pferd) mal eben in den Wald zu beamen könntest du einen Zerstäuber mit Waldölen befüllen und diesen hin und wieder nutzen. Allerding sind die Studien noch nicht so ausgereift um zu zeigen welche Bäume besonders effektiv sind. Und letztendlich ist es vermutlich so wie bei allen gesunden Mitteln der Natur: Einen Einzelwirkstoff gibt es nicht. Es ist immer die Zusammenwirkung vieler Dinge die Helfen.

Zuletzt konnte noch gezeigt werden, dass Zitrusöle einen Effekt auf das endokrine System und Immunsystem haben. Außerdem führen sie zu einer Reduktion von Cortisol und Dopamin (beides Stresshormone). Ätherischen Ölen von Zitruspflanzen wird ähnliches nachgesagt: Sie wirken meist stimmungsaufhellend und antidepressiv.

Mikroklima und Mikroben im Wald

Aber nicht nur die Phytozide der Luft, welche durch die Atmung aufgenommen werden, sind von Bedeutung. Auch die auf den Blätter, Stämmen, Ästen, Wurzeln und am Boden lebenden Millionen von Mikroben helfen unserem Immunsystem. Lange ist es bekannt, dass gerade eine große Vielfalt an Mikroben im Darm besonders gesund ist. Im Wald leben auch deutlich mehr Mikroben als in der Stadt und dadurch das diese aufgewirbelt werden und herab rieseln auf Pferd und Reiter*innen beschäftigen sie unser Immunsystem. Somit kann ein regelmäßiger Waldbesuch auch vor Allergien schützen, da der Körper mit einer Vielzahl an Stoffen bekannt gemacht wird.

Zudem hat der Wald auch sein eigenes Mikroklima. Im Sommer ist er durchschnittlich nicht nur 8 Grad kühler, sondern hat durch die Filterfunktion der Blätter auch eine deutlich saubere, schadstofffreiere Luft. Diese gefilterte Luft atmen wir ein und gerade wenn sich sowohl der Mensch, als auch unser Pferd bewegt, vielleicht sogar in einem flotten Galopp, atmen wir viel tiefer und stärker ein, sodass die Phytozide besonders tief in unsere Lungen und somit den Körper vordringen können.

Waldspaziergang

Fazit – der Wald als Ruhepol und Immunboost

Im Wald lässt es sich gut leben. Das Wissen etliche Tierarten die diesen Ort ihr Zuhause nennen. Auch wir Menschen fühlen uns dort, abgesehen vielleicht von dunklen Nächten, wohl und genießen ihn im Sommer als schattigen Ort und im Winter als leisen Pol der Besinnung. Unser Geist kann dort zu Ruhe kommen, unser Blutdruck sinkt ab, der Puls ebenfalls. Der Kopf wird klar, aufwühlende oder trübe Gedanken verschwinden und es kehrt Ruhe ein. Gleichzeitig dreht das Immunsystem an seinen Stellschrauben und fährt die Immunabwehr hoch. Mehr Killerzellen helfen dabei Kleinigkeiten wie Erkältungen oder Entzündungen zu verhindern, aber auch Großes wie Krebs abzuwehren.

Wenn der Wald also so wunderbare Auswirkungen hat, warum drehen wir dann häufig unsere Runden auf einem staubigen Platz? Viele Übungen lassen sich auch im Gelände umsetzen. Für Pferd und Reiter*in. Beide schulen dort die Propriozeption, Balance und Aufmerksamkeit. Die Koordination muss viel mehr arbeiten als auf glattem, gleichmäßigem Boden, wodurch der Körper wiederrum aber auch anpassungsfähig und geschmeidig wird. Eleganz in der Bewegung vermag sogar zu entstehen.

Das sind doch nun genug Gründe um öfter in den Wald zu gehen, und keine Sorge, denn kennst du ihn gut, macht er auch keine Angst mehr. Zum Einstimmen: Wie wärs mit einer Runde Yoga im Wald während dein Pferd neben dir waldbadet?

Quellen

https://ihrs.ibe.med.uni-muenchen.de/mitarbeiter/wiss_mitarbeiter/immich/friedmann2018_heilwirkung_wald.pdf
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/besuch-bei-dr-wald/
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/08923970600809439?casa_token=g_xuHhJqnoAAAAAA%3ACDggY0YAVFwGkrAHmbUClhOISt9tJHBvRCEdmq4aquS9W46g-432-v0FjwGfJ5gIW-Fbdt7iUryY
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0033350610003203
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s12199-008-0068-3.pdf

Doku:

https://www.3sat.de/wissen/wissenschaftsdoku/therapie-unter-tannen-102.html?mode=play&obj=66178
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