Der Reitersitz und seine Auswirkungen

von Maria
Reitersitz Bild

Losgelassenheit – Spannung – Balance

Über den korrekten Sitz eines Reiters wird gern und viel diskutiert. Kopf, Becken und Absätze sollen eine Linie bilden wird einem häufig schon in der ersten Reitstunde erklärt. Warum und wieso kommt dabei selten zur Sprache. Aber was für Auswirkungen hat eigentlich ein veränderter („falscher“) Reitersitz auf den Körper des Menschen? Auch langfristig. Denn die wenigsten reiten nur für ein paar Jahre. Und wie korrelieren Reitersitz und Haltung des Pferdes und welche Langzeitfolgen können so beim Pferd entstehen?

Wir gehen dem Ganzen einmal gemeinsam auf den Grund und betrachten die drei Klassiker:

Hohlkreuz, Rundrücken, sowie Stuhlsitz.

Dieser Artikel betrachtet im weiten Sinne den Sitz des Dressurreiters. Aber nicht nur „ambitionierte Freizeitreiter“ und Dressurreiter sollen sich angesprochen fühlen,sondern auch Freizeitreiter, die mehr im Feld unterwegs sind. Denn die Auswirkungen des eigenen Sitzes sind für jeden wichtig.

Anatomische Individualität ist zu beachten.

Zuerst einmal ist zu sagen, dass jeder Mensch, sowie jedes Pferd anatomisch- individuell zu betrachten ist. Zusätzlich kommt noch der Faktor Sattel mit hinzu, der maßgeblich einen großen Einfluss auf den Sitz des Reiters, sowie die Bewegungsdynamik des Pferdes nimmt. Trotzdem lassen sich einige verallgemeinernde Auswirkungen betrachten.

Sitz im Hohlkreuz:

Ein im Hohlkreuz sitzender Reiter, mit einem somit nach vorn gekipptem Becken,

muss, um in Balance zu bleiben, zwangsläufig die Beine nach vorne nehmen, sodass einem nach vorne kippen des Oberkörpers entgegengewirkt wird. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Reiter / die Reiterin im Hohlkreuz mit leicht nach vorn geneigtem Oberkörper sitzt. Wenn man sich in den sozialen Netzwerken umschaut, scheint besonders die erste  Variante derzeit äußerst beliebt zu sein.

Oftmals erkennt man, dass der Reiter / die Reiterin im normalen Stand ein Hohlkreuz (Hyperlordose) aufweist. Dies ist meist die Folge eines zu angespannten Hüftbeugers (M. Iliopsoas), der vorne an der Lendenwirbelsäule entspringt und durch den Bauch und die Leiste an die Innenseite des oberen Oberschenkels zieht. Bei einem aufrechten Stand zieht der Hüftbeuger die Lendenwirbelsäule nach vorne, da er zu viel Spannung aufweist bzw. allgemein zur Verkürzung neigt. Diese Tatsache kombiniert mit dem Umstand, dem Pferd einen möglichst leichten Sitz bieten zu wollen oder durch den Sattel so gesetzt zu werden, führt oftmals zu einem Hohlkreuz beim Reiten.

Die Reiter*Innen bemerken dies daran, dass sie vorrangig auf dem Schambein sitzen. Die Auflagefläche sollte allerdings idealerweise zwischen Schambein und Sitzbeinhöckern liegen.

Folgen & Auswirkungen des Hohlkreuzes:

Die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule ist nur bedingt möglich und die Bewegungsrichtung entgegen der Hyperlordose ist meist nicht mehr auf dem ganzen Bewegungsweg ausführbar. Daraus folgt, dass die Hüften fest sind und die Durchlässigkeit am Bein zu gering ausfällt und das Bein insgesamt steif wirkt. Die Sprunggelenke federn oftmals nicht mehr ausreichend nach unten durch. Damit kommt es zu unruhigen, klopfenden Unterschenkeln und/ oder klemmenden Knien.        

Zusätzlich ist anzumerken, dass der Schub aus der Hinterhand des Pferdes nicht nach vorn durchgehen kann, da das Becken des Reiters nach vorn gekippt feststeht und somit nicht der Bewegung des Pferdes folgen kann. Daher ist das Pferd gezwungen die Last auf der Vorhand aufzunehmen.

Die Lendenwirbelsäule des Reiters wird permanent einseitigen Druckverhältnissen in der Hyperlordose ausgesetzt. Zu beachten ist, dass die Wirbelsäule immer fähig sein sollte, die Bewegungen in alle Richtungen (Beugung, Streckung, Seitneigung und Rotation) ausführen zu können.  Durch diese monotone Belastung werden Strukturen, wie Bandscheiben und Facettengelenke unter Stress gebracht und als Langzeitfolge liegt ein höherer Verschleiß vor, der sich in Form von Rückenschmerzen äußern kann. Die Rückenschmerzen können dann eine beginnende Degeneration der Bandscheibe sein oder kleine Entzündungen an den Facettengelenken der Wirbelsäule.

Bei einem ausreichenden Training der Rumpfmuskulatur und Mobilisation der zu festen Hüften, zum Beispiel mittels  Dehnung, sind diese Problematiken langfristig sehr gut in den Griff zu bekommen. Denn auch ein Bandscheibenvorfall heilt einmal aus.

Auswirkungen des Sitzes im Hohlkreuz auf das Pferd:

Eine kleine gedankliche Übung: Stell dir vor du sitzt auf dem Pferd. Setz dich so auf deinen Stuhl. Nun mach ein sehr starkes Hohlkreuz und lehne deinen restlichen Oberkörper nach hinten. Was würden deine Hände und Arme machen? Genau, sie würden sich als Ausgleich gern irgendwo vorn festhalten und genau dies passiert auch beim Reiten. Der Reiter zieht vermehrt an den Zügeln (Zug nach hinten/zum Körper hin), was beim Pferd zu einem Anspannen der Unterlinie, insbesondere des M. brachiocephalicus, führt.

Die Unterlinie ist für das Senken des Halses zuständig. Durch den Zug nach hinten, senkt sich der Hals aber nicht in eine Dehnungshaltung, sondern ist eher häufig mit einem Bewegen der Nase hinter die Senkrechte – im schlimmsten Fall mit einer Rollkur – verbunden, da die Oberlinie des Halses (z.B. der M. splenius) als Heber des Halses nicht mitwirken kann. Durch diese fehlerhafte Halshaltung, sowie durch die Undurchlässigkeit des Sitzes (Hüften / Beine)  ist das Pferd ebenfalls nicht in der Lage seine Vorhand anzuheben und Last mit der Hinterhand aufzunehmen. Der Rücken wird nicht angehoben, die langen Rückenmuskeln verspannen, die Bauchmuskeln werden nicht / wenig benutzt.

Ein nach vorn gekipptes Becken wie beim Hohlkreuz ist blockiert und kann nicht frei mitschwingen. Somit stört es die rhythmische Bewegung des Pferdes, sodass letztendlich Losgelassenheit und korrekte Kraftumwandlung verloren gehen. Ein Arbeiten aus einer reellen Tragkraft heraus ist nicht mehr möglich. 

Langzeitfolgen für das Pferd:

  • Probleme im Halswirbelsäulen-Bereich, besonders im Genick (Überdehnung & Verspannung).
  • Verspannungen im Bereich des Halses, Rückens, Schulter und zu gewissen Teilen auch Hinterhand à Verspannungen führen zu Schmerzen, sowie Fehl – und Schonhaltungen. Daraus können sich weitere Probleme entwickeln.
  • Muskelatrophien, besonders im Rückenbereich und am Hals sind wahrscheinlich. Ein Dauerhaft unter Anspannung stehender Muskel kann nicht wachsen, sondern verkümmert!
  • Eine stärkere, dauerhafte Belastung der Vorhand. Dies führt zu Sehnenproblemen, Verspannungen und auch zu einer Trageerschöpfung mit Absinken des Rumpfes.
  • Eine falsche Belastung der Gelenke führt ebenfalls zu Arthrosen (auch in der HWS) und Spat.
  • Das nicht-aufwölben des Rückens kann langfristig zu einem Senkrücken und Kissing Spines führen.

Lösungen beim Hohlkreuz:

Für den Reiter:
An dieser Stelle muss der Reiter/ die Reiterin an sich selbst Arbeiten. Mit diesen 3 einfachen Übungen sollte langfristig ein besserer Sitz zustande kommen.

  1. Entspannung des Hüftbeugers
  2. Training der Bauchmuskeln für eine besser Rumpfkontrolle
  3. das eigene Gefühl für die Rumpfkontrolle erlangen      

Für das Pferd:      
Auch für das Pferd gilt ähnliches wie für den Reiter.

  1. Der Reiter arbeitet an seinem Sitz
  2. Dehnung und Entspannung des Hales
  3. Training der Bauch und Rückenmuskulatur

Sitz mit Rundrücken:

Gesehen hat man sie bestimmt schon mal, und vielleicht gehört man sogar selbst dazu. Von leicht nach vorn gekippten Schultern bis hin zum „Hexenbuckel“ ist alles dabei.

Diese Haltung entsteht meist durch zwei Komponenten. Zum einen die falsche Körperhaltung zu Hause und auf der Arbeit im Büro, mit ständig leicht nach vorn geneigtem Oberkörper und hängenden Schultern und zum anderen fehlende Muskelkraft und Spannung meistens im oberen Bereich des Rückens / zwischen den Schulterblättern. Die Ursachen können also sowohl knöchern oder gelenkig durch die Wirbelsäule selbst bedingt sein, und / oder durch muskuläre Dysbalancen zustanden kommen. Keine Spannung, Blick nach unten, Neigung zum nach vorne Fallen, keine eigene Aufrichtung. Das träge und schlurfende Pferd also als Ebenbild seines Reiters?

Bei dem Rundrücken folgen meistens noch weitere Haltungsfehler beim Reiten. Viele der Reiter schauen vermehrt nach unten auf ihr Pferd. Weiter stehen die Ellenbogen gerne vom Oberkörper ab und die Zügelführung kommt nicht mehr aus dem Handgelenk, sondern aus dem Oberkörper oder aus den Armen.

Die Auswirkungen & Folgen des Rundrückens auf den Reiter: 

Das nach unten Schauen führt  dazu, das die Nackenmuskulatur der permanenten Falltendenz des Kopfes nach vorne entgegenwirken muss. Daraus resultieren Verspannungen im Schulter – Nackenbereich. Zudem ist der Körperschwerpunkt nicht mehr im Lot, sondern nach vorne verschoben. Daher muss das Pferd mehr Last auf der Vorhand aufnehmen, um das Gleichgewicht zu halten. Die festen Arme und abgespreizten Ellenbogen sorgen für mehr Spannung in der Brustmuskulatur. Mögliche Gründe dafür können ein (-e Tendenz zum) Rundrücken, zu schwache Muskulatur im oberen Rücken und/oder ein instabiler Rumpf sein.

Bei dem Phänomen Rundrücken kann das Problem auch in der Knochenstatik des Menschen liege. Die Brustwirbelsäule ist nicht mehr flexibel genug um sich aufzurichten. Eine verkürzte Brustmuskulatur und eine ständig überdehnte obere Rückenmuskulatur sind die Folge.

Die zu schwache Muskulatur kann man sich als Ungleichgewicht vorstellen. Der Brustmuskel ist dem Rückenmuskel gegenüber dominanter. Jeder Mensch hat von Natur aus die Tendenz sich nach vorn fallen zu lassen oder seine Kraft aus  der Brustmuskulatur zu holen, weil diese im Regelfall stärker ist wenn nicht explizit dagegen gearbeitet wird. So auch beim Reiten.         

Der : die Reiter:in versucht mit abgespreizten Armen die fehlende Kraft des Rückens zu kompensieren. Die Funktion des Brustmuskels entspricht der Bewegung einer Umarmung. Wenn die Arme nun leicht vom Körper gehalten werden, kommt dies der Bewegung am nächsten und der Muskel kann in diesem Moment am besten Arbeiten. Die Folge ist, dass der Reiter  fest und unflexibel im Oberkörper wird. Die Hand ist zu starr und gibt im Pferdemaul nicht genug nach bzw. die Hilfengebung wird grob.

Im letzten Fall ist der Rumpf zu schwach dem Schwung des Pferdes zu folgen. Ein instabiler Rumpf geht mit einem Problem der Gleichgewichtsfindung und einem unruhigen Sitz, sowie dem “im Sattel plumpsen” einher. Es wird ein Ausweichmechanismus über  die Brustmuskulatur gewählt. Hierbei gibt die angespannte Brustmuskulatur Stabilität, die der Rumpf nicht gewährleisten kann. Der : die Reiter:in kompensiert schlichtweg mit den Ressourcen, die vorhanden sind.

Als Langzeitfolgen ist es möglich, dass sowohl die Halswirbelsäule, als auch die Lendenwirbelsäule sich mehr bewegen, um die fehlende Flexibilität der Brustwirbelsäule aufzufangen. Denn im Regelfall bewegt man sich nicht in kleineren Maßen, sondern einfach anders. Der Reiter bzw.  die Reiterin bekommt das in Form von Nackenschmerzen oder einem verspannten Rücken bis hin zu degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule zu spüren  (Arthritis, Arthrose, Bandscheibenvorfall)

Auswirkungen eines Reitersitzes mit Rundrücken auf das Pferd:

Kurzfristig betrachtet führen die Haltung des Reiters und die damit begünstigte Haltung des Pferdes, aufgrund der fehlenden Spannung, zum vermehrten Stolpern und vielleicht auch schnelleren Stürzen, da das Gleichgewicht von Pferd und Reiter einfach gestört werden kann. Langfristig kommt es auch hier zu Verspannungen aufgrund fehlerhafter Haltung oder auch fehlender Haltung, welche ebenso wie beim Hohlkreuz zu Halswirbelsäulen – Problemen führen können.

Ist kein Zügelkontakt vorhanden, was ebenfalls Resultat eines Reitens ohne Spannung (Zusammengesackt / Rundrücken) sein kann, verleitet dies noch mehr zum Laufen auf der Vorhand und begünstigt wiederum stolpern und Stürze, was zu muskulären, knöchernen oder Sehnenproblemen beiträgt.     
Besteht hingegen der Zügelkontakt nur aus den Armen / der Brust heraus, ist also schnell zu stark, geschieht ähnliches wie beim Hohlkreuz.

Die nicht angehobene Vorhand belastet Sehnen und Bänder. Risse, Trageerschöpfung und Verspannungen gehören auch hier dazu. Ein nicht angehobener Rücken führt zu Rückenschmerzen, Verspannungen, Arthrosen und Muskelatrophien. Durch vermehrtes Stolpern können auch die Hufe und innenliegende Strukturen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Lösungen / Fazit für den Sitz mit Rundrücken:

Ob nun im Hohlkreuz oder mit Rundrücken, die Resultate sind ähnlich, auch wenn sie verschiedenen Quellen entspringen.

Für den Reiter:
Je nachdem wo die Ursache liegt gibt es verschieden Varianten dagegen zu trainieren. Hilfreich ist in jedem Fall auch, besonders wenn man viel im Sitzen im Büro arbeitet oder in Schule / Universität sitzt, immer wieder kleine Übungen einzubauen.

Für das Pferd:
Auch hier wird das Pferd langfristig geschädigt und wird körperliche Probleme davontragen. Wo und wie stark hängt von verschiedenen Faktoren ab. Generell sind aber:

  1. Dehnende Übungen &
  2. Stärkende Übungen

wichtig.

Der Stuhlsitz des Reiters:

Der Stuhlsitz, angefangen bei den Beinen, lässt sich dadurch erkennen, dass die Beine des Reiters zu weit vorne liegen. Die Hacken und Knie sind meist hochgezogen. Das Becken kippt nach hinten ab, als würde man sich etwas rund im Rücken machen wollen. Der Oberkörper wird zu weit nach hinten gelehnt (eben als würde man es sich an einer Stuhllehne bequem machen). Daraus resultierend, entsteht ein oftmals zu langes Zügelmaß bei durchgestreckten Armen (ähnlich wie auch beim Hohlkreuz schon einmal beschrieben).

Durch die hochgezogenen und / oder nach vorn gestreckten Beine, arbeitet die vordere Oberschenkelmuskulatur und der Hüftbeuger vermehrt. Die hintere Beinmuskulatur, die für das Strecken in der Hüfte verantwortlich ist, spannt zu wenig an oder ist zu schwach. Daraus ergibt sich ein nach hinten gekipptes Becken (das kann jeder einfach ausprobieren: einfach mal auf einen Stuhl setzen und eine Hand auf die Lendenwirbelsäule legen und nachfühlen, ob sie sich nach vorn oder hinten krümmt. Nun eines der Knie in Richtung Brustkorb hochziehen und nachfühlen, was mit der Lendenwirbelsäule geschieht. Sie wird sich anfangen zu krümmen.)

Durch das nach hinten gekippte Becken, wird sich die Lendenwirbelsäule rund machen. Der : die Reiter:in sitzt mit einem komplett in sich versackten Oberkörper auf dem Pferd. Zumal der Oberkörper meist mehr oder weniger nach hinten kippt (als würde man sich an einen Stuhl anlehnen), um die zu weit vorne liegenden Beine auszugleichen. Das Zügelmaß wird hierbei meist zu lang, wenn die Arme nach vorn ausgestreckt werden, um sich am Pferd festzuhalten und nicht nach hinten wegzukippen.      

Insgesamt ist der Stuhlsitz als sehr instabil anzusehen. Dem Reiter wird es sehr schwer fallen ein gutes Gleichgewicht auf dem Pferd zu halten. Außerdem arbeitet der Reiter mit diesem Sitz gegen den natürlichen Schwung der Lendenwirbelsäule nach vorne. Daher gibt es eine deutliche Fehlbelastung. Zusätzlich wird die Wirbelsäule wieder starken Belastungen ausgesetzt, die zu degenerativen Prozessen führen können. In diesem Fall nur gegenteilig zum Hohlkreuz, denn der vordere Teil der Bandscheiben bekommt eine vermehrte Druckbelastung.

Der Stuhlsitz und das Pferd:

Der Stuhlsitz des Reiters, losgelöst von der Haltung seines Oberkörpers, begünstigt zunächst erstmal eine nicht korrekte Hilfengebung der Beine und eine inkorrekte Einwirkung des Sitzes. Dies kann, je nachdem wie lange Pferd und Reiter schon zusammen arbeiten, zu Kommunikationsproblemen führen, welche im schlimmsten Fall in Unfällen und Stürzen enden.

Des Weiteren führt ein Stuhlsitz, besonders im Trab und im Galopp, zu einem Plumpsen in den Sattel. Im Stuhlsitz ist der Hebel zum Aufstehen beim Leichttraben größer und somit muss mehr Kraft aufgebracht werden, um sich sanft im Takt zu setzen. Der Reiter ist im Leichttraben immer bemüht sein Becken, der Balance wegen, über seine Füße zu bekommen. Desto weiter diese vorne liegen, desto schwieriger werden das Aufstehen und das sanfte wieder Hinsetzen. Beim Galopp kann das Becken ebenfalls nicht frei schwingen und aufgrund der Beinhaltung fehlt es an Balance im leichten Sitz.

Das „hinein plumpsen“ (Trab + Galopp) verstärkt den Druck auf den Rücken und führt zu Schmerzen. Takt und Balance werden ebenfalls fälschlich beeinflusst und Losgelassenheit ist nicht möglich. Das Aufrichten der Vorhand und die Lastaufnahme der Hinterhand mit einem aufgewölbten Rücken ist ebenfalls nicht möglich.

Letztendlich sind die Gelenke der Hüfte, des Knies und des Sprunggelenkes im Stuhlsitz festgestellt, um Balance und Haltung zu wahren. Festgestellte Gelenke im Reiter verhindern ebenfalls Rhythmus, Takt und Losgelassenheit, welche essentiell für eine positive Körperspannung und Haltung sind. Langfristig treten wieder die bereits bekannten Komponenten auf: Verspannungen, Arthrosen, Atrophien, Sehnenproblematiken, Trageerschöpfung etc. Zudem Rückenschmerzen, nicht nur durch fehlende Haltung, sondern auch durch falsche und zu starke Einwirkung des Reitergewichts (Plumpsen). Kommunikationsprobleme können außerdem zu Verhaltensproblemen, Durchgehen, Steigen, „Wehrhaftigkeit“ usw. führen, welche entweder durch Schmerzen oder unklare Signale und Traumata entstehen.

Lösungsansätze für den Stuhlsitz:

Für den Reiter:
Ähnlich wie beim Hohlkreuz.

  1. Zentrierung des Rumpfes und ein Gefühl für den Körper bekommen.
  2. Evtl. Das Steigbügelmaß verlängern oder mal an der Longe ohne Sattel reiten.
  3. Stabilisierendes Bauchmuskeltraining.

Für das Pferd:
Auch so kleine Dinge, wie einen Stuhlsitz können ihre Auswirkungen haben, wobei hierbei mit Sicherheit die Rückenprobleme, sowie mögliche Kommunikationsschwierigkeiten im Vordergrund stehen. Trotzdem sollten auch langfristige Folgen beachtet werden. Lösungsansätze beginnen hier allen voran beim Reiter, dennoch können auch hier die Ansätze aus dem Hohlkreuz und Rundrücken bedacht werden.

Allgemeines Fazit: Egal ob Hohlkreuz, Rundrücken oder Stuhlsitz, ich denke fast jeder wird sich irgendwo wieder finden, denn die wenigsten Reiter:innen haben einen komplett durchlässigen, federnden, aufgerichteten, balancierten und klaren Sitz. Es sollten aber jedem auch die Folgen für den eigenen Körper bewusst sein.

Allzu gern werden auch die Langzeitfolgen für den Körper des Reiters vergessen, aber es ist wichtig nicht nur den Körper und das Verhalten seines Pferdes zu reflektieren, sondern auch seinen eigenen Körper und was dieser tut (oder auch nicht tut). Denn im schlimmsten Fall, kann das jahrelange Reiten im fehlerhaften Sitz zu irreparablen Schäden beim Pferd als auch beim Reiter führen.     

Falls du dich hier wieder erkannt hast und etwas ändern möchtest, kannst du dich als erstes an eine/n ReitlehrerIn wenden oder am besten einen Humanphysiotherapeuten suchen der sich mit der Reiterei auskennt. Trainer und Physio (vielleicht sogar in einer Person) werden dir sicher auf dem Weg zu einem ausbalancierten, zentrierten Sitz helfen.  

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