Den Tannenbaum an dein Pferd verfüttern – eine weihnachtliche Freude?

von Mareike Heil

Ohh Tannenbaum, Ohh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter … Ja ok, eigentlich sind es Nadeln und wie alle Jahre wieder stellt sich auch dieses Jahr die Frage: Darf ich meinen Tannenbaum an mein Pferd verfüttern? Manche machen das schon seit Jahren ohne Probleme, anderen Pferdebesiter:innen fallen die Augen aus, denn Nadelbäume sind giftig! Aber was ist denn nun die Wahrheit? Kann mein Pferd Nadelbaum essen, oder nicht? Die klare Antwort ist: Jein.

Die Antwort klingt nun erstmal nicht zufriedenstellend, aber ich kläre dich auf, sodass du ab sofort ganz genau Bescheid weißt. Falls also wieder jemand gegen deine Ansichten argumentiert, ganz gleich wie die aussehen, hast du ab sofort stichhaltige Argumente zur Hand.

Nadelbäume und ihre Inhaltsstoffe

Nadelbäume enthalten einige ätherische Öle, Terpene, Tannine und einiges anderes. Durch sie duftet es so herrlich frisch, wenn wir durch einen Nadelwald reiten. Genau an diesen Inhaltsstoffen liegt es aber, dass du deinen Tannenbaum nur in Maßen an dein Pferd füttern solltest – und unter Bedingungen (für die Eiligen: siehe unten 😉 ).

Tannine und ihre Wirkung

Die Tannine können nämlich Enzyme im Darm hemmen, was die Aufnahme von Mineralstoffen und Vitaminen verhindert. Zudem sind sie Säuren und bewirken, dass sich die Schleimhäute zusammen ziehen. Andererseits wirken einige aber auch krebshemmend und anti-mikrobiell; schützen also vor Bakterien und Viren. Außerdem sind diese Gerbstoffe auch in Hülsenfrüchten, Getreide, Obst, Rotwein und dunkler Schokolade enthalten. Gut, unser Pferd wird wohl kaum in den Genuss von Rotwein und dunkler Schokolade gelangen, aber die Konzentration ist auch in Nadelbäumen variabel; und hoch.

Terpene und ihre Wirkung

Terpene hingegen sind Botenstoffe von Bäumen. Sie spielen auch eine Rolle beim Waldbaden. Die Bäume geben diese Botenstoffe ab als Abwehr gegen Schädlinge, Pilze und Bakterien. Sie dienen aber auch als Mittel der Kommunikation unter den Bäumen. Bei uns Menschen wurde durch sie schon ein positiver Effekt auf unser Immunsystem nachgewiesen. Da sich die Körper von Säugetieren durchaus ähneln, kann ich mir gut vorstellen, dass dieser Effekt nicht nur auf den Menschen begrenzt ist. Im Wald nehmen wir die Terpene in der Luft also permanent auf und sie stärken nicht nur die Bäume.

Einige Stoffe in Nadelbäumen wirken gesundheitsfördernd auf den Körper. In zu großen Mengen sind sie aber auch schädlich.

Die Dosis macht das Gift

In geringen Mengen sind diese Inhaltsstoffe also nicht gefährlich für dein Pferd, vielleicht sogar gesundheitsfördernd. Zudem gehören Nadelbäume zeitweise auch zum natürlichen Nahrungsspektrum des Pferdes. Frisst dein Pferd aber zu viel vom Weihnachtsbaum, kann es unter anderem diese Probleme bekommen:

  • Kolik & Verstopfung
  • Entzündungen des Magen und Darms
  • Entzündungen der Maulschleimhaut (Säure, pieksige Nadeln)
  • Einengung der Atemwege mit Atemnot
  • Störungen des Zentralnervensystems (Einknicken der Beine)
  • Nieren- und Leberschäden
  • Fehlgeburten

Mit Nadelbäumen meine ich im Übrigen: Kiefer, Tanne, Douglasie, Nordmanntanne, Fichte und NICHT andere, dauergrüne Gewächse wie Eibe, Lebensbaum, Wacholder oder Zypresse. Zweitere haben in keinem Fall etwas bei deinem Pferd zu suchen, denn sie sind wirklich hochgiftig!

Kenne deinen Baum

Dieses Mantra solltest du im Bezug auf Tannenbäume für dein Pferd ebenfalls im Kopf behalten. Erstmal sollte dir klar sein, was genau du da fütterst, denn einige Pflanzen (siehe oben) sind wirklich hochgiftig für dein Pferd. Bist du dir nicht sicher, dann lieber ab damit auf die Straße zum Osterfeuer oder zum Grünschnitt. Dir sollte aber auch bewusst sein, dass viele Tannenbäume mit Insektiziden und Herbiziden gespritzt werden. Ansonsten hätten wir einen ganzen Insektenzoo alljährlich im Wohnzimmer und das finden die meisten Menschen nicht so super. Planst du also deinen Baum an dein Pferd weiter zu reichen, dann solltest du dich vorher nach Biobäumen / ungespritzten Bäumen informieren. Der billige vom Baumarkt wird es aber dann vermutlich nicht sein.

Wurde dein Weihnachtsbaum gespritzt? Dann solltest du ihn lieber nicht verfüttern.

Entscheidungshilfe: Darf mein Pferd meinen Tannenbaum?

Tannenbaum fürs Pferd Übersicht – Copyright @pferdesummen

 Ansonsten wünschen wir euch hiermit eine besinnliche Weihnachtszeit. Falls ihr euch gegen den Baum entscheidet, schaut doch mal bei unseren Pferdekeksen nach 😉

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