Cushing beim Pferd – Ursachen, Symptome und Therapie

von Mareike Heil

Das Equine Cushing Syndrom, weitläufig bekannt unter “Cushing”, zählt neben EMS und Insulinresistenz zu einer der bekanntesten und sich verbreitenden Erkrankung unter älteren Pferden. Dabei tauchen immer wieder Mythen rund um Cushing beim Pferd auf. Oft trägt nur spärliches Wissen bei Pferdebesitzer:innen, als teilweise bei Tierärzt:innen, zu nur einem groben Verständnis bei und es führt zu Missverständnisse. Ich erkläre dir nun ganz genau, was Cushing ist, woher es kommt, welche Symptome auftauchen und wie man es behandeln kann.

Kurz und bündig:

Das Equine Cushing Syndrom (ECS), oder auch Pituitary Pars Intermedia Dysfunktion (PPID), ist eine neurodegenerative Erkrankung der Pars intermedia der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Durch einen Verlust von Dopamin gesteuerten Neuronen kann die Hormonproduktion der Pars intermedia nicht mehr kontrolliert werden. So werden immer mehr Hormone synthetisiert, obwohl sie nicht benötigt werden. Zudem kommt es in einigen Fällen zu einer Wucherung (Hyperplasie) des Gewebes und evtl. kleinen Adenomen (gutartige Geschwulst von Schleimhaut oder Drüsen), welche den Prozess weiter fördern.

Und nun fangen wir nochmal von vorne an.

Begrifflichkeiten – das Equine Cushing Syndrom oder PPID

Hier im deutschen Raum hat sich die allgemeine Bezeichnung Equines Cushing Syndrom (ECS) oder „Cushing“ durchgesetzt. Früher wurde dieser Begriff in Anlehnung an das bei Menschen und Hunden auftretende Cushing Syndrom verwendet. Inzwischen ist aber (unter Forscher:innen und unter gut informierten Tierärzt:innen) bekannt, dass das Cushing Syndrom beim Pferd einer Dysfunktion der Pars intermedia der Adenohypophyse (Hypophysenvorderlappen, der für die Hormonregulation zuständig ist.) zugrunde liegt. Beim Menschen und Hund hingegen ist es eine Funktionsstörung der Pars distalis. Die Erkrankung betrifft also jeweils unterschiedliche Bereiche.           

Aus diesem Grund wird mittlerweile in der Forschung auf den Begriff PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction, dt.: Hypophysenzwischenlappenfunktionsstörung) zurückgegriffen, da dieser deutlich präziser ist und dem Prozess gerechter wird. Daher werde ich in dem Text die Erkrankung weiterhin als PPID bezeichnen, da ich eine genaue Begrifflichkeit für wichtig erachte und darauf aufmerksam machen möchte.

Die Hypophyse beim Pferd

Um PPID / Cushing zu verstehen, muss man zunächst ein grobes Verständnis für den Aufbau, die Abläufe und Begrifflichkeiten der Hypophyse haben. Deshalb steigen wir nun in die Komplexitäten des Gehirns ein.

Lage im Gehirn

Die Hypophyse, oder auch Hirnanhangsdrüse (lat. Glandula pituitaria), ist eine kleine Drüse am Grund des Gehirns. Sie liegt in der Nähe der Sehnerven und ist eng verbunden mit dem Hypothalamus ( regelt über die Hormonproduktion das vegetative Nervensystem), welcher sie unter anderem mit steuert. Zudem besteht sie aus zwei Teilen, dem Hypophysenvorderlappen (Adenohypophyse) und dem Hypophysenhinterlappen (Neurohypophyse). Zur Verbildlichung: Du kannst dir die Hirnanhangsdrüse wie ein kleines Säckchen (meiner Meinung nach, sieht sie aus wie ein Hodensack … oder ein Herz?) vorstellen. Der Vorderlappen hat zudem auch einen vorderen, mittleren und hinteren Anteil (Pars infundibularis / tuberalis, Pars distalis, Pars intermedia).

Aufgabe im Gehirn

Die Pars distalis ist dabei eine endokrine (hormonelle) Drüse. Sie produziert unter anderem TSH (Thyreotropin, ein Hormon für das Wachstum, die Schilddrüse und Iodaufnahme), ACTH (wirkt auf Nebennierenrinde), sowie FSH und LH („Schwangerschaftshormone“). Das Cushing Syndrom von Mensch und Hund setzt hier an. Es kommt so einer Wucherung der Pars distalis und einer vermehrten Produktion von ACTH. Das ist beim Pferd nicht der Fall.

Die Pars intermedia beim Pferd produziert die Hormone α-MSH ( Melanozyten-stimulierend), CLIP ( Vorläuferprotein für einige Hormone) und β-Endorphin (körpereigenes Schmerzmittel). Zudem wird ein Minimum an ACTH (u.a. Steuerung der Corticoidabgabe) synthetisiert. Ca. 2% des Gesamt – ACTH. PPID / Cushing beim Pferd setzt genau hier an, sodass es in der Pars intermedia zu gutartigen Wucherungen kommt.

Der Hypophysenvorderlappen wird zudem über Releasing und Inhibiting Hormone Hypothalamus gesteuert, sowie über die negative Rückkopplung der beeinflussten Hormone im Körper. Das heißt, gibt es genug von einem bestimmten Hormon, sagt der Körper der Hypophyse „Halt, es reicht erstmal!“. Bei der Pars intermedia, der wichtige Akteur bei PPID, geschieht dies über Dopamin gesteuerte Nervenverbindungen. Wird also genug produziert, kommt Dopamin und sagt „aufhören bitte!“.

Ursachen für Cushing beim Pferd

Mir missfällt an dieser Stelle tatsächlich der Begriff Ursachen ein wenig, denn die wirkliche Ursache für PPID / Cushing ist bisher nicht bekannt. Dennoch haben die ersichtlichen Symptome natürlichen einen Ursprung und diesen schauen wir uns nun an. Es wird ein wenig komplizierter.

Hormonbildung beim gesunden Pferd

Bei einem gesunden Pferd werden im Hypophysenvorderlappen bestimmte Proteine (POMC), unter Einfluss des Hypothalamus, gebildet, aus welchen dann alle oben genannten folgenden Einzelhormone gebaut werden können. Alle diese Hormone haben Einfluss auf die Energiehomöostase (Energiegleichgewicht), Körpergewicht, Stimulation der Melanozyten, Hunger, Sexualität, Schmerzempfinden und noch einiges mehr. Alle gebastelten Hormone (ACTH, β-Lipotropin, CLIP, α-MSH, γ-LPH, β-Endorphin) wirken nun an ihren vorgesehenen Orten. Werden sie nicht mehr benötigt, wird ihre Produktion durch die negative Rückkopplung (Signal aus dem Körper) zurückgefahren, sodass der Hormonhaushalt in Balance bleibt.

Hormonbildung beim erkrankten Pferd

Bei einem Pferd mit PPID / Cushing Syndrom ist dieser Ablauf gestört. In der Pars intermedia sind die einzigen Wege zur Abschaltung und Reduzierung der Hormone zerstört. Normalerweise wird die Produktion der Hormone durch Dopamin gesteuerte Innervation gestoppt. Das funktioniert nicht mehr, woraufhin immer weiter die Hormone α-MSH, CLIP, β-Endorphin und ACTH gebildet und in den Körper weitergeleitet werden. Schreitet der Prozess voran, beginnt das Gewebe der Pars intermedia zu wuchern. Es bilden sich Hyperplasien (Zellzahlwachstum) zu Anfang, welche dann zu Adenomen werden. Wichtig zu verstehen ist, dass es sich hierbei um gutartige Gewebewucherungen handelt und nicht um bösartiges, tumoröses Gewebe!

Es entstehen keine bösartigen Hirntumore, sondern gutartige Gewebewucherungen

Man nimmt aktuell an, dass ein möglicher Auslöser für die Degeneration der Dopamin gesteuerten Nerven oxidativer Stress und mitochondrische Dysfunktionen ( Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zelle) sind, da im Gewebe der Pars intermedia ein Marker für oxidativen Stress (3-Nitrotyrosin) gefunden wurde. Ob das aber wirklich der Fall ist, wird erst die Forschung der nächsten Jahre zeigen können.

Die zwei wichtigen Hormone bei PPID / dem Equinen Cushing Syndrom (ECS)

Sowohl in der allgemeinen Diskussion, als auch in der aktuellen Forschung dreht sich viel um das ACTH. Aber auch das Cortisol, welches bisher noch nicht auftauchte wird hin und wieder diskutiert. Die Rolle des Dopamins wurde hingegen oben bereits erklärt. Daher beschreibe ich dir folgend die Rolle des ACTHs und Cortisols.

ACTH und Cushing beim Pferd

Adrenocortikotropes Hormon (ACTH) wird, wie bereits erwähnt, im Hypophysenvorderlappen gebildet. Es wirkt dabei auf die Nebennierenrinde und regt diese zur Produktion von Glucocorticoiden an. Dazu ist es einem zirkadianen Rhythmus (innerer 24h- Rhythmus) unterworfen, wobei seine Konzentration tages-und jahreszeitlichen Schwankungen unterlegen ist (morgens höher als abends; im Herbst am höchsten). Außerdem zählt es zu den Stresshormonen und wird bei Kälte erhöht.

Mit seiner Wirkung auf die Nebennierenrinde und der daraus resultierenden Produktion von Glucocorticoiden hat es direkten Einfluss auf diverse Körperabläufe. Glucocorticoide sind Steroidhormone, welche stark über den Energiestoffwechsel haushalten. Unter anderem sorgen sie dafür, dass im Glucosestoffwechsel die Umwandlung von Protein in Glucose und Glykogen gefördert wird und sind z.B. an der Aufnahme und Verarbeitung von Cholesterin beteiligt. Außerdem ist ACTH wichtig für die Produktion von Cortisol und hat weitläufig Auswirkungen auf das Insulin.

Cortisol und Cushing beim Pferd

Cortisol wird als Glucocorticoid in der Nebennierenrinde unter ACTH Einfluss hergestellt. Es ist ein Stresshormon, welches abbauende Stoffwechselvorgänge in Gang setzt und das Immunsystem unterdrückt, um zum Beispiel Entzündungen zu hemmen. Es wirkt außerdem auf den Kohlenhydrathaushalt, den Fettstoffwechsel und Proteinumsatz.

Oft wird PPID / das Equine Cushing Syndrom auch mit einem erhöhten Cortisolspiegel in Verbindung gebracht, da ein erhöhter ACTH-Spiegel in der Folge zu einem erhöhten Cortisolspiegel führen müsste. Einige Studien zeigten allerdings, dass nur bei einigen Pferden mit PPID / ECS der Cortisolspiegel wirklich erhöht ist. Viel häufiger ist er normal, oder sogar niedrig. Weiterhin war oft freies Cortisol erhöht, obwohl die restlichen Werte normal waren. Bei manchen Pferden konnten im Urin erhöhte Cortisolwerte nachgewiesen werden.

Das führt zu einige Hypothesen. Die momentan am häufigsten vertretene Meinung ist, dass es sich möglicherweise um biologisch inaktives ACTH handeln könnte, welches die Nebennierenrinde gar nicht stimuliert, obwohl es im Blut vorhanden ist. Es wäre somit zwar immunologisch reaktionsfähig, aber inaktiv. Ob diese Hypothese stimmt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht weiter erforscht.

PPID / Cushing Symptome beim Pferd

Die Symptome bei PPID / ECS sind vielfältig, aber prägnant. Ganz vorn steht die Hypertrichose bzw. ein zu Beginn schlechter Fellwechsel. Bei der Hypertrichose kann das Pferd sein Fell nicht mehr wechseln und bekommt langes, gelocktes Deckhaar.

Hypertrichose bei ECS – Copyright @pferdeSummen
Die Muskulatur

Außerdem ist ein weiteres ganz klassisches Zeichen die Muskelatrophie am Rücken und / oder  ein Hängebauch. Die Muskelatrophie bezeichnet einen Verlust an Muskelmasse. Dieser lässt sich bei PPID / dem Cushing Syndrom durch angepasste Fütterung und Training nur schwer aufhalten, da er vermutlich durch die Prozesse der Glucocorticoide in Gang gebracht wird, bei dem Proteine (z.B. Muskelmasse) zu Glucose umgewandelt werden.

Das Gewicht

Dazu kommt, dass Cushing Pferde oft sehr abgemagert sind, manche aber übergewichtig. Ob das Übergewicht hier nun eher mit einem EMS in Verbindung stehen könnte, bleibt ungeklärt. Klar ist aber, dass ECS / PPID im Endstadium meist sehr dünne Pferde zeigt.

Das Immunsystem

Oft sind erkrankte Pferde auch sehr anfällig für Infektionen, haben wiederkehrende Erkältungen, kleine Wunden entzünden sich schnell, auch die Augen werden anfälliger. Hier kann hin und wieder ein Sehverlust zu bemerken sein, welcher durch ein zu großes Adenom der Hypophyse entstehen kann. Die Hypophyse liegt direkt neben dem Sehnerv, welcher dann eingedrückt wird.

Außerdem neigen PPID/ ECS Pferde auch zu Zahnfleischproblemen und EOTRH, sowie Herz- und Lungenerkrankungen. Sehr auffällig können Hautprobleme wie Pilz, nässende Stellen, Juckreiz sein, da das Immunsystem generell schwächer ist.

Sonstige Symptome

Polydypsie (viel Trinken) und Polyurie (viel Pinkeln) sind ebenfalls bekannte Anzeichen. Genauso wie Lethargie und depressives Verhalten, vermutlich ausgelöst durch einen erhöhten β-Endorphin Spiegel.

Abschließend wird Cushing beim Pferd oft in Verbindung mit Hufrehe  gebracht, allerdings konnte bisher keine Studie den direkten Zusammenhang aufzeigen. Viel eher wird dies ausgelöst durch eine zusätzliche Insulinresistenz. Hierbei ist noch nicht abschließend geklärt, ob diese, wie beim Equinen Metabolischen Syndrom (EMS), durch starkes Übergewicht und eine Überaufnahme von Glucose ausgelöst wird, oder sogar in Verbindung mit dem ACTH stehen kann. Generell sollte bei Verdacht auf eine Insulinresistenz zusätzlich genauestens diagnostiziert werden. 

Klar ist nun, dass PPID bzw. das Equine Cushing Syndrom vielfältige Symptome zeigt. Ob diese aber wirklich auf ein echtes PPID / Cushing hinweisen kann nur durch eine genaue Anamnese und Diagnostik geklärt werden. Jede dieser Symptome kann nämlich durch andere Krankheiten, sowie Mangelernährung hervorgerufen werden. Außerdem erkranken nur Pferde die älter als 15 Jahre sind, das Durchschnittsalter der Erstdiagnosen liegt momentan bei 21 bis 25 Jahren. Pferden diesen Alters zählen zu den Senioren und haben somit von vorne herein schon einen anderen Stoffwechsel und Bedürfnisse. Die Schlussfolgerung PPID / Cushing sollte daher auf keinen Fall kurzfristig geschlossen werden.

Die Diagnose von PPID / Cushing beim Pferd

Die traurige Nachricht ist, dass es momentan keinen 100% verlässlichen non-plus-ultra Test gibt, um zu einer gesicherten Diagnose zu gelangen. Daher ist es umso wichtiger, dass dein Tierarzt / deine Tierärztin eine genaue Anamnese deines Tieres durchführt (und ja diese Erkrankung kann mit richtiger Diagnostik nur dein:e TA / TÄ herausfinden!) und nicht nur einen kleinen Test macht, sondern mehrere.

Hast du bzw. du und dein Tierarzt / deine Tierärztin die Vermutung dein Pferd könnte unter PPID / Cushing leiden, sollte zunächst ein großes Blutbild, sowie auch eine Urinprobe  genommen werden. Gegebenenfalls zeigen sich schon hier Veränderungen, die die Symptome erklären könnten. Zusätzlich gibt es aktuell drei Tests, welche bei einem Verdacht durchgeführt werden können. Diese sind:

  • Basal Plasma ACTH Test
  • TRH Stimulation Test
  • Dexamethason Supressions Test (ODST)

Den einmalig gemessenen ACTH -Wert während einer akuten Hufrehe zu testen, ergibt kein sinnvolles Ergebnis, da es sich um ein Stresshormon handelt. Schmerzen sind immer Stress!

Basal Plasma ACTH Test

Oft wird nur ein einmaliger ACTH-Test als Diagnostik angewendet. Aufgrund der Anfälligkeit der Proben, Schwankungen des ACTH-Wertes selbst (siehe oben), und der Tatsache, dass ACTH auch ein Stresshormon ist, sollte aber nicht nur eine Probe genommen werden. Eine Probenentnahme während einer akuten Hufrehe ist nicht aussagefähig, da diese zu großen Schmerzen und somit Stress führt. Der Test sollte daher in einer stressfreien Situation gemacht werden, mehrmals nachgeprüft und während des Krankheitsverlaufs immer wieder überprüft werden.

TRH Stimulation Test

Der TRH Stimulation Test ist hingegen sehr saisonal abhängig und zeigt nicht immer richtige Ergebnisse an.

Dexamethason Suppressions Test

Der Dexamethason Suppressions Test wird als sehr guter Test für Cushing beim Pferd angesehen, allerdings bestehen mittlerweile auch Zweifel. Gerade bei erhöhtem Hufreherisiko kann er nicht angewendet werden, der Tierarzt / die Tierärztin muss zweimal kommen und er ist im Herbst nur sehr wenig aussagekräftig.

Ein weiteres Problem aller Tests ist, dass es je nach Labor verschiedene Referenzwerte gibt und einige Referenzwerte, aufgrund der geringen Studienlage, noch gar nicht genau festgemacht werden können. Daher sollte ein ermittelter Wert mehr als Teil eines Schwerespektrums und nicht als feste Konstante angesehen werden.

Mehr Details zu den Cushing Tests findest du bald in einem gesonderten Artikel.

Abmagerung und Muskelatrophie bei PPID / Cushing beim Pferd – Copyright @pferdeSummen

 Die Behandlung von Cushing beim Pferd

Die schlechte Nachricht zuerst: PPID / das Equine Cushing Syndrom ist momentan nicht heilbar. Es ist eine neurodegenerative Erkrankung. Die Betonung liegt hierbei auf degenerativ, also nicht rückgängig zu machen. Das bedeutet von nun an wird dein Pferd den Rest seines Lebens mit der Erkrankung leben müssen und vermutlich durch sie sterben. Man kann das Voranschreiten der Erkrankung aber verlangsamen, je nach Schwere vielleicht sogar für eine Zeit stoppen.

Pferde mit der Diagnose PPID / Cushing bekommen das Medikament Prascend mit dem Wirkstoff Pergolid. Es enthält ein Bestandteil des Mutterkorns, welcher das Dopamin, das nicht mehr zur Pars intermedia gelangen kann, ersetzt und somit die Überproduktion von ACTH beeinflussen kann. Es hat aber keine Auswirkungen auf den Insulinwert, weshalb durch die Gabe von Prascend keine Hufrehe gestoppt werden kann. Außerdem konnten bisher noch keine Auswirkungen auf das Cortisollevel oder das Immunsystem nachgewiesen werden. Somit können auch Infektionen weiterhin gehäuft auftreten und der Muskelschwund voranschreiten. Manche Pferde reagieren zudem allergisch auf das Medikament und können es dann nicht nehmen. Eine zugelassene Alternative gibt es derzeit nicht.

Zusätzliche Maßnahmen

Außerdem sollte:

  • Die Fütterung angepasst werden; mehr Eiweiß ist hier von Vorteil
  • Regelmäßige Zahnkontrolle
  • Entwurmung durchdacht werden, da erkrankte Pferd etwas anfälliger sind
  • Sinnvolle Hufpflege, gerade bei Hufrehepatienten
  • Immer ein Blick auf Haut und Haar; ggf. sollte dein Pferd im Sommer geschoren werden, da es sonst Überhitzen kann
  • Bei Hufrehe: Futteranpassung und Insulintests
  • Bewegung soweit es geht integriert werden

Das große Blutbild ist außerdem hilfreich um Mängel in der Mineralstoffversorgung aufzudecken. Oft kommt ein Selen-, Kupfer-, Zink-, sowie Vitamin- A und -E- Mangel vor. Aufgrund der ausgedehnten Auswirkung auf den Stoffwechsel ist eine individuell angepasste Fütterung essentiell wichtig, um dem Pferd ein noch langes Leben zu ermöglichen.

Mönchspfeffer hat sich außerdem in einigen Fällen als sinnvoll erwiesen und müsste auch aufgrund seiner Inhaltsstoffe helfen, allerdings konnte diese Wirkung in noch keiner Studie nachgewiesen werden. Dennoch kannst du, am besten zusammen mit deiner Therapeutin / deinem Therapeuten, die Gabe probieren, wenn nichts weiter dagegen spricht. Generell ist es sinnvoll, wenn hier Therapeut:in und Tierarzt:in zusammenarbeiten.

Für all diejenigen, die gern noch tiefer in das Thema einsteigen wollen, oder die Aufgrund ihres Berufes mehr wissen wollen, haben wir noch ein sehr ausführliches Dokument zum Gratis – Download. Es ist ein ähnlicher Text, aber mit wesentlich mehr Fachbegriffen. Ggf. wird es bei Zeiten noch erweitert.

Quellen (Auswahl)

A.B.Miller et al., “Effects of pituitary pars intermedia dysfunction and Prascend (pergolide tablets) treatment on endocrine and immune function in horses” Domestic Animal Endocrinology, Volume 74, January 2021. https://doi.org/10.1016/j.domaniend.2020.106531

A.P. Pease. “Computed Tomographic Findings in the Pituitary Gland and Brain of Horses with Pituitary Pars Intermedia Dysfunction”, 30 August 2011. https://doi.org/10.1111/j.1939-1676.2011.00784.x

Catherine McGowan. “Equine Cushing’s Disease/PPID – what do we know now?” The University of Liverpool, pdf.

Jessica S Fortin et al. “Restoring pars intermedia dopamine concentrations and tyrosine hydroxylase expression levels with pergolide: evidence from horses with pituitary parsintermedia dysfunction” DOI:https://doi.org/10.21203/rs.3.rs-28867/v1

Kentucky Equine Research Staff.“Diagnosing Equine Pituitary Pars Intermedia Dysfunction”. January 21, 2010. https://ker.com/equinews/diagnosing-equine-pituitary-pars-intermedia-dysfunction/

Kienzle E, Bockhorni T, „Nutrition of horses with equine pituitary pars intermedia dysfunction („Cushing’s syndrome“) treated with pergolid – A field study”. Tierarztliche Praxis. Ausgabe G, Grosstiere/nutztiere, 24 Aug 2018, 46(4):249-256
DOI: 10.15653/tpg-170574 

Teresa A.Burns, Ramiro E.Toribio. “Chapter 138 – Endocrine Diseases of the Geriatric Equid” Robinson’s Current Therapy in Equine Medicine (Seventh Edition), 2015, Pages 582-590. https://doi.org/10.1016/B978-1-4557-4555-5.00138-2

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