Ausbildungsweg des Reiters

von Maria

-a long way to go-

Die meisten kennen die Ausbildungsskala des Pferdes, aber wenn es um die Ausbildungsweg des Reiters geht, wird das Wissen bei den meisten schon etwas rar. 

Damit wird er viel seltener behandelt und erklärt. Jeder hat eine Vorstellung davon, wie ein gut ausgebildetes Pferd zu laufen hat. Allerdings ist die Frage, die für mich offen bleibt, wie ein gut ausgebildeter Reiter auf dem Pferd sitzt?

Ich möchte dir hier einmal den Ausbildungsweg aus Sicht der FN erläutern und anschließend erklären, warum die Skala aus meiner Sicht unvollständig ist bzw. in der Reihenfolge etwas Änderungsbedarf besteht. 

Die Ausbuildungsskala beginnt mit dem Gleichgewicht und der Losgelassenheit.

Das Gleichgewicht

Das Gleichgewicht benötigt der Reiter, um die Bewegung des Pferdes in jeder Gangart und Situation ausbalancieren zu können. 

Die Losgelassenheit

Danach folgt die Losgelassenheit. Sie setzt sich aus der inneren und äußeren Losgelassenheit zusammen. Einerseits bedeutet die innere Losgelassenheit angstfrei und positiv eingestellt auf dem Pferderücken platz nehmen zu können. Andererseits ergibt sich damit die äußere Losgelassenheit bei der die Muskeln ein Wechselspiel aus An- und Entspannen vollführen. Dabei ist wichtig das kein Muskel permanent anspannt, da er sonst verspannt.

Das Eingehen in die Bewegung

Nachdem dieses Fundament gelegt ist, ergibt sich der nächste Schritt- Das Eingehen in die Bewegung. Zuvor handelt es sich hierbei um einen passiven Vorgang, bei dem der Bewegungsablauf des Pferdes nachgefühlt wird. Im weiteren Verlauf fängt der Körper des Reiters mit dem aktiven Eingehen in die Bewegung an Einfluss auf den Körper des Pferdes zu nehmen.

Die Hilfengebung

Der vorletzte Punkt ist die Hilfengebung. Damit die Kommunikation mit dem Pferd ermöglicht wird, gibt es die Gewichtshilfe (beidseitig belastend, einseitig belastend, entlastend), die Schenkelhilfe ( vorwärts, vorwärts- seitwärts, und verwahrend) und die Zügelhilfe (annehmen, nachgeben, durchhaltend, seitwärtsweisend, verwahrend), . Folglich werden die Hilfen nach und nach als eine Einheit und aufeinander abgestimmt. 

Zusammenwirken der Hilfen

Sobald eine sehr differenzierte, zusammenwirkende Hilfengebung möglich ist, entsteht eine feine Kommunikation zum Pferd. Damit ist der letzte Punkt, Zusammenwirken der Hilfen, in der Ausbildungsskala erfüllt.

Im folgenden Absatz erkläre ich euch meine Sichtweise zur Änderung der Ausbildungsskala des Reiters. 

1. Losgelassenheit

Zuerst einmal würde ich an die erste Position die Losgelassenheit setzen. Bei der Losgelassenheit handelt es sich für mich um einen Punkt der schon vor dem Aufsteigen vorhanden sein sollte. Somit sollte eine vertrauensvolle Basis ( innere Losgelassenheit) zum Pferd geschaffen sein. Zudem folgt eine positive und unverkrampfte Körperspannung ( äußere Losgelassenheit) vom Reiter. Dadurch ist das Fundament vom Boden und später auf dem Pferd geschaffen. 

2. Koordination

Als nächstes würde das Gleichgewicht folgen. Diesen Punkt würde ich allerdings gänzlich mit der Koordination ersetzen, da das Gleichgewicht ein Teilgebiet ist und die Koordination somit wesentlich allumfassender. Ich habe dir unten eine Tabelle eingeblendet in der veranschaulicht wird, woraus sich die Koordination zusammensetzt und wie diese sieben Teilgebiete sich definieren. Deshalb ergibt sich meiner Meinung nach, die Wichtigkeit für uns als gute Reiter diese Fähigkeit zu beherrschen, um einen Grundstock für die weiteren drei Punkte des Ausbildungswegs zu bilden. Andernfalls wird es immer schwierig sein differenzierte Hilfen, durch ein gut ausgeprägtes Körpergefühl zu geben. 

Die sieben Teilgebiete der Koordnation

kinästhetische DifferenzierungsfähigkeitFähigkeit zum Erreichen einer hohen Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen, die in großer Bewegungsgenauigkeit und Bewegungsökonomie zum Ausdruck kommt.
OrientierungsfähigkeitFähigkeit zur Bestimmung und zielangepassten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers im Raum
RhythmisierungsfähigkeitFähigkeit einen von außen vorgegebenen Rhythmus zu erfassen und motorisch umzusetzen. Außerdem die Fähigkeit einen verinnerlichten Rhythmus einer Bewegung in der eigenen Bewegungstätigkeit zu realisieren.
KopplungsfähigkeitFähigkeit, Teilkörperbewegungen bzgl. eines bestimmten Handlungsziels räumlich, zeitlich und dynamisch aufeinander abzustimmen
ReaktionsfähikeitFähigkeit zur schnellen Einleitung und Ausführung zweckmäßiger motorischer Aktionen auf Signale.
UmstellungsfähigkeitFähigkeit während des Handlungsvollzugs das Handlungsprogramm veränderten Umgebungsbedingungen anzupassen oder evtl. ein völlig neues und adäquates Handlungsprogramm zu starten
GleichgewichtsfähigkeitFähigkeit, den gesamten Körper im Gleichgewichtszustand zu halten oder während und nach umfangreichen Körperverlagerungen diesen Zustand beizubehalten oder wiederherzustellen.

Eingehen in die Bewegung

Als drittes folgt das Eingehen in die Bewegung. In den mir vorhanden Quellen wird dies zuerst als passiver Vorgang beschrieben. Als Physiotherapeutin tue ich mich mit dieser Begrifflichkeit etwas schwer, da passiv für mich ohne jegliche Körperspannung bedeutet. Da sollte ich aber wahrscheinlich nicht so kleinlich sein. Hierbei ist die Losgelassenheit  mit der positiven Körperspannung wieder wichtig, um das Pferd in seinem Bewegungsablauf nicht zu stören und das Gefühl für seinen gesunden Gang ( Fußfolge, Takt, Schwung, Spannung, verschiedene Gangarten) zu bekommen. 

4. Gewichtshilfe

Von der FN vorgegeben Quellen erklären, dass man durch eine Veränderung der Körperhaltung und Körperspannung das Pferd unter sich beeinflusst. An der Stelle möchte ich mitgehen, allerdings passt die Beschreibung des Eingehen in die Bewegung nicht mehr. Damit wird es zur Gewichtshilfe. Durch eine Verlagerung deines Körperschwerpunktes und Veränderung der Spannungszustände deiner Muskulatur, ohne Schenkel und Zügelhilfe, wird sich das Pferd unter dir anpassen. 

Einer meiner Lieblingsfehler demonstriert dabei deutlich meinen Standpunkt. Der nach unten schauende Reiter verlagert seinen Körperschwerpunkt nach vorne und belastet damit sein Gesäß weniger. Er sitzt somit nicht mehr im Sattel ein. Das Pferd wird zwangsläufig weiter auf der Vorhand laufen, da es mit einer solchen Schwerpunktverlagerung wahrnehmbar schwerer ist Last auf die Hinterhand zu bekommen.

Hierdurch wird die Gewichtshilfe zur wichtigsten Hilfe. Du kannst jederzeit den Zügel hingeben oder Schenkel vom Pferd nehmen, um keinen Einfluss mehr zu nehmen. Allerdings wirst du nie deine Gewichtshilfe unterlassen können. Du beeinflusst dein Pferd mit deinem Gewicht, deinem Schwerpunkt und deiner Körperspannung in jedem Moment den du auf ihm Platz nimmst. 

Nun als vierten Punkt kommt die Hilfengebung von Schenkel und Zügel. Für alle Hilfen muss ein eigenes Gefühl entwickelt werden. Wo muss mein Schenkel liegen, wenn ich eine vorwärtstreibende Hilfe gebe? Wie fühlt sich eine feine annehmender Zügel an? Für diese Hilfen muss ein gewissen Sinneswahrnehmung entwickelt werden. Die Feinfühligkeit eines Pferdmauls muss erlernt werden. Jedem annehmenden Zügel folgt ein nachgebender.  Der Einfluss des Schenkeldrucks und die Lage. Runtergebrochen musst du lernen bzw. musstest du lernen, was deine Aktion für eine Reaktion beim Pferd auslöst. 

5. Zusammenwirken der Hilfen

Als letzter Punkt ergibt sich ein Zusammenwirken der Hilfen. Dabei bilden die HIlfen zusammen eine Rahmen für das Pferd, dem es Vertrauen kann und als Wegweiser für die ihm gestellten Aufgaben annehmen zu verstehen weiß oder erlernt.  Daher müssen die Hilfen zueinander stimmig sein, d.h beispielsweise, dass ein treibender Schenkel eine nachgebende Hand und einen kleinen Moment der Entlastung für das Pferd mit sich führt. Misskommunikation würde bei treibenden Schenkel und annehmenden oder durchhaltenden Zügel entstehen. Das Signal wäre für das Pferd missverständlich. 

Resümee

Abschließend möchte ich mich von der Idee einer Skala distanzieren. Meiner Meinung nach können die Punkte nicht einzeln  voneinander separiert werden. Wiederum gehören  in einer teilweise gleichwertigen Konstellation zueinander. Somit bilden die Losgelassenheit und Koordination ein Fundament, dass schon vor dem Aufsteigen vorhanden sein sollte. Als nächstes folgt die Gewichtshilfe, die allerdings untrennbar von den Koordination zu betrachten ist. Ebenso ist das Erlernen der Hilfengebung ein koordinativer Prozess und funktioniert am besten mit einem ausgeglichen und losgelassen Sitz. Folglich laufen alle Punkte zusammen in dem Zusammenwirken der Hilfen. ( Siehe Titelbild)

Ich hoffe, dass ich dir einen kleinen Einblick und etwas mehr Verständnis in der Ausbildungsweg des Reiters geben konnte. Die daraus verbunden Fertigkeiten, die du und ich uns dabei aneignen, sind in jedem Fall auch im Alltag nützlich und fordern uns sowohl, körperlich als auch mental immer wieder heraus. Meine Einschätzung der Ausbildungsskala beruht auf meiner Ausbildung als Physiotherapeutin und ist meine eigene Meinung, daher bin ich gern bereit, auf sachlicher Ebene darüber zu diskutieren und mir neue Ideen mit einzuholen.

Quellen: 

http://www.sportunterricht.de/lksport/kofae1.html

Grundausbildung für Reiter und Pferd Band 1 

https://www.pferd-aktuell.de/ausbildung/ausbildung-des-reiters

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