Rentnerreihe- mein altes Pferd

von Maria

Als ich 8 Jahre alt war trat mein damals 6 jähriges Pony Corny in mein Leben. Das ist nun 18 Jahr her.  Ein wahnsinnig lange und doch irgendwie erschreckend kurze Zeit. Wir sind durch dick und dünn gegangen. Er war mir ein guter und anstrengender Lehrmeister für viele andere (Problem-)Pferde, die ich seinetwegen gut händeln konnte.

Inzwischen wird sein Fell langsam grau, sein Rücken hängt durch und die Zusatzfutter in meinem Schrank fangen an Sattel und Zaumzeug zu verdrängen. Corny wird alt.

Was bedeutet es alt zu werden? 

Es gibt die Sprichwörter “alt werden ist nichts für Feiglinge” und “alt werden ist teuer”. Aus persönlicher Erfahrung kann ich dem zustimmen. Alt werden ist ein natürlicher Prozess des Körpers. Die Zellen arbeiten immer langsamer und der Stoffwechsel fährt Jahr für Jahr, Monat für Monat und Tag für Tag etwas weiter herunter. WENN man nicht permanent aktiv dagegen anarbeitet. Die großen Stichwörter hier sind Bewegung, Ernährung und Schlaf. Genauso spielt die Genetik eines jeden Tieres (oder Menschen) ein Rolle. Diese ist durch die drei vorangegangen Punkte sicherlich positiv zu beeinflussen, aber eben nicht komplett veränderlich.  Dies Erfahrung und eine Tabelle: “Pferdejahre – Menschenalter” findest du in diesem Artikel: “Das Rentnerpferd- würdevoll altern”

Außerdem muss bei bestimmten Exterieurtypen ein bestimmtes Training zur Förderung der Gesundheit erfolgen, bei bestimmten Rassetypen folgt eine bestimmte Fütterung und das Ruhebedürfnis verändert sich im Alter.

All diese Punkte unter einen Hut zu bekommen, scheint erst einmal eine Herkulesaufgabe zu sein. Das ist es aber nicht, wenn man sich informiert und glücklicherweise wächst man in das Alt werden mit seinem Pferd zusammen rein und wird nicht davon überrumpelt. 

Den Tatsachen ins Auge blicken

All zu gerne würde ich diesen Sommer mein Pony satteln und wie früher zum nächsten Stoppelfeld reiten. Aber das bleibt leider nur noch eine Wunschvorstellung. In den letzten drei Jahren haben wir fleißig Tierarztrechnungen gesammelt. Arthrose, kaum noch Zahnsubstanz (trotz regelmäßiger Kontrolle, hier wären wir wieder beim Thema Genetik), Senkrücken und Spezialbeschläge.

Ich habe mein Training komplett umgestellt und auf Corny angepasst. Er hat mir deutliche Signale gegeben, dass reiten keine Option mehr ist. Woran ich das erkannt habe und wie Pferde Schmerz äußern, bzw. du Unwohlsein beim Reiten erkennst, erfährst du weiter in der “Rentnerreihe – Kann ich mein altes Pferd noch reiten?”.

Mareike hat mit Somi ihr Training aus dem Sattel heraus angepasst und eine neue Freunde an Erkundungstouren und unwegsamen Geländen entdeckt. Ihre Islanddame Neva hingegen bevorzugt ebenfalls lieber den Reiter am Boden. 

Welche Möglichkeiten du sowohl aus dem Sattel heraus hast oder vom Boden, um dein Pferd zu unterstützen, erfährst du in den folgenden Artikeln.

Die dritten Zähne bitte!

Wenn es doch so einfach zu lösen wäre, wie bei uns Menschen. Zähne raus und Prothese rein. Abends ein bisschen Kukident ins Glas und morgens zum Frühstück sitzt alles wieder gut.

In dem Artikel “ Pferde und ihre Zähne” erklärt Mareike, warum auch ein Pferd zum Zahnarzt muss und das Prävention ein absolutes Muss ist. Ein altes Pferd braucht trotzdem oft Zusatzfutter, wie Heucobs, Luzerne o.ä. um besonders im Winter ihre Masse zu halten. Zudem kommen gemeine Krankheiten, wie EOTRH mit ins Spiel. Um sich in dem Dschungel aus Zusatzfuttermitteln nicht zu verlaufen und abzuklären, woran du dich bei der Wahl des Zahnarztes orientieren solltest, fassen wir dir in den nächsten Wochen einen Artikel “vom Seniormüsli bis zum Wackelzahn die wichtigsten Infos zusammen.

Runter von meinem Rasen!

Wäre mein Pony ein Mensch, würde er Kinder von seinem Fenster aus anbrüllen, dass sie von seinem Rasen verschwinden sollen. Die Vorstellung klingt erstmal amüsant. Aber ein altes Pferd kann, wie beim Menschen auch, starrsinnig und schrullig werden. Mit meinem habe ich manchmal das Gefühl, ich streite mit ihm wie nach 50 Jahren Ehe. 

Wo liegt hier der Unterschied zwischen Ungehorsam und er kann es nicht mehr anders wegen seines Alters? Manche Besitzer machen sich Gedanken, ob die Wesensveränderung ihres Pferdes krankhaft ist. Gibt es also etwas wie Demenz beim Pferd? Auch hier folgt in den nächsten Wochen ein weiterer Artikel zum Thema “mein Pferd ist ein alter sturer Esel”.

Angst vor dem Abschied

Ich stehe mit meinem Pony in einem etwas größeren Stall von etwa 30 Pferden. Somit kam es schon öfter vor, dass ein altes Pferd eingeschläfert werden musste. Wenn das Tier in Cornys Alter ist, bin ich danach meist ein paar Tage am Grübeln, wie viel Zeit ich mit ihm noch habe. Für mich stellen sich zwangsläufig die Fragen unter welchen Bedingungen ich mich verabschieden würde? Was würde ich noch versuchen, um ihn am Leben zu halten und was traue ich ihm nicht mehr zu (Stichwort Kolik-OP). 

Wir wollen im folgenden das sensible Thema des ewigen Abschieds behandeln. Wie kann man sich vorbereiten? Was ist wenn alles ganz schnell gehen muss? Handhabt das jeder Tierarzt das Einschläfern gleich? Was hilft mir die Trauer besser zu bewältigen? 

Wie ihr merkt, ist alt werden wirklich nichts für Feiglinge. Sowohl mein Herz, als auch mein Portmonee haben schon das ein oder andere mal bluten müssen, weil wieder eine Diagnose dazu kam. Aber jedes Mal lerne ich wieder etwas Neues dazu und teile mit euch und meinen Pferdephysiokunden gern mein bzw. unser Wissen. 

You may also like

Kommentar schreiben