Ätherische Öle bei Pferden – Basiswissen

von Mareike Heil
Ätherische Öle bei Pferden

Vor einiger Zeit, als ich noch Pferdetherapeutin war, durfte ich an einer Fortbildung zum Thema ätherische Öle bei Pferden teilnehmen. Von da an haben sie mich wahrlich verzaubert. Mit ihrem Duft, mit ihrer Wirkung und ihrem wahnsinnigen Können. Deshalb möchte ich dir nun die Welt der ätherischen Öle näher bringen, denn vielleicht möchtest du in Zukunft ja auch welche nutzen – egal ob bei dir oder deinem Pferd.

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Anmerkung zur Therapie

Im Artikel werde ich dir noch ein paar Bücher empfehlen, denn ätherische Öle und deren Anwendung sind wirklich komplex, daher ist es wichtig, dass man sich vorher ausreichend informiert. Falls du sie weitergehend als einfach nur für etwas Wellness oder zum Beispiel für ein Fliegenspray anwenden möchtest, empfehle ich dir auch Kurse zu besuchen, oder zumindest viel zu lesen.

Ätherische Öle – einfach nur Duft?

Die Anwendung von ätherischen Ölen findet bereits seit der Antike statt, erste richtige Aufzeichnungen zur Wirksamkeit entstanden hingegen erst im 20. Jahrhundert in Frankreich, wo es seitdem ärztlich genutzt wird. In Deutschland sind nur Ärzte / Ärztinnen und Humanheilpraktiker:innen befugt Aromatherapie anzuwenden, alle anderen dürfen nur im Sinne der Aromapflege arbeiten, sie also nicht zu Therapiezwecken, sondern es als Wellnessbehandlung einsetzen *zwinker, zwinker* 😉

Ätherische Öle gehören zur Phytotherapie, also der Behandlung mit Pflanzen und deren Bestandteilen. Sie werden aus Blüten, Wurzeln oder Stammholz gepresst oder destilliert. Die bekanntesten Öle sind vermutlich Lavendel- und Rosenöl. Lavendel wird oft zur Entspannung empfohlen, Rosenöl wird gern in Kosmetik verwendet (häufig aber als künstliches Aroma).

Die Wirkung von ätherischen Ölen – ich dachte tatsächlich auch bis zu meinen Fortbildungen das Ganze wäre „da muss man dran glauben“-Krams – ist in vielen Studien wissenschaftlich belegt. Bei einigen Ölen mehr, bei anderen weniger, auch je nach Beliebtheit. So gibt es etliche Studien über Lavendelöl, aber nur wenige über zum Beispiel Mandarine. Wissenschaftliche Studien zu den Ölen sind zudem besonders schwierig, da sie nicht über DEN EINEN Wirkstoff verfügen, sondern sehr viele Inhaltsstoffe die zusammen wirken. Rosenöl hat zum Beispiel über 500 verschiedene Inhaltsstoffe. Dieses Problem begegnet der Wissenschaft im Übrigen bei allen Forschungen zur medizinischen Wirksamkeit von Pflanzen. Sie hätten gern EINEN Stoff der wirkt, aber meist ist es eben der Komplex aus mehreren.

Somit konnte aber bisher gezeigt werden, dass etliche ätherische Öle sowohl eine Wirkung auf die Psyche haben, als auch Prozesse im Körper beeinflussen können. Zudem sind einige antibakteriell, antiviral und antimykotisch und wirken sogar gegen resistente Keime. Zu diesen Ölen zählen zum Beispiel Teebaumöl und Manukaöl (wie auch der Honig 😉 ). Baumölen wird ebenfalls eine wichtige Wirkung auf das Immunsystem zugeschrieben. Dazu haben wir auch einen Artikel.

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Anwendung der ätherischen Öle bei Pferden und ihre Wirkung

Die klassische Anwendung und Wirkung erfolgt im Wesentlichen über 3 Wege:

  1. Riechen / Olfaktorisch
  2. Einnahme
  3. Auftragen auf die Haut

Zu 1) Die Wirkung über den Geruchsinn ist vermutlich die interessanteste, wie ich finde. Gerüche können – ganz gleich ob nun beim Menschen oder Pferd – über eine direkte Verbindung der Nase zum Gehirn, Auswirkungen auf das limbische System haben. Also auf den Sitz der Gefühle, Emotionen und Erinnerungen. Darüber gelangen die Stoffe zum Hypothalamus und anderen Teilen, wodurch Auswirkungen auf den gesamten Körper möglich sind. Um diesen Weg anzuwenden gibt es mehrere Möglichkeiten. Vom am Fläschchen riechen bis hin zur Inhalation.

Wenn man ätherische Öle bei Pferden anwendet ist es immer wieder spannend zu sehen, wie sie auf so starke Düfte reagieren. Von großem Interesse bis absolutem Ekel kann man wirklich alles im Gesicht ablesen!

Pflanzenessenzen können schon sehr toll riechen! Neva liebt Bergamotte. Copyright @pferdesummen

Zu 2) Die innere Einnahme wird hingegen nur selten angewendet, da die Öle durch die Verdauung beeinträchtigt werden können. Zur inneren Anwendung müssen die Öle zudem bestenfalls in einer Kapsel oder in einem fetten Trägeröl eingenommen werden, um es über den Magen hinaus zu schaffen. Für den Einsatz am Pferd ist diese Methode nicht wirklich geeignet.

Zu 3) Das Auftragen auf die Haut wird – zumindest beim Menschen – am häufigsten angewendet. Dabei wird das Öl erst von der Haut absorbiert, was problemlos funktioniert, da ätherische Öle aus lipophilen (also ‚fettliebenden‘), kleinen Substanzen bestehen, und schließlich die Wirkstoffe im Körper verteilt. Wichtig ist dabei: Die meisten ätherischen Öle sollten nur in geringer Dosierung mit einem Trägeröl, wie zum Beispiel Jojoba-, Mandel-, oder Kokosöl, verwendet werden, da sonst starke Hautreizungen auftreten können.

Kopf an, Augen auf – lass dich nicht veräppeln

In der Praxis gibt es bei der Anwendung von ätherischen Ölen bei Pferden, als auch beim Menschen zwei bestimmte Techniken von zwei amerikanischen Herstellern die zum Entgiften und zur Entspannung der Rückenmuskulatur eine große Menge unverdünnter ätherischer Öle auf dem Körper (neben der Wirbesäule & unter den Füßen) verteilen, bzw. diese „betropfen“ und einmassieren. Darauf folgt meist eine starke Reaktion mit Haureizungen, Pferde verlieren an den Stellen oft Fell oder es bilden sich auch mal Blasen. Anwender:innen dieser Techniken schreiben das dann einer positiven Entgiftungsreaktion zu.

Mehr zu diesen Techniken erfährst du hier und auch über den Mythos ‘Detox Reaktion.

BITTE fall nicht darauf rein. Die Reaktion entsteht als Resultat auf das Nutzen unverdünnter Pflanzenessenzen! Was du dir antust ist zwar dir überlassen, aber dein Pferd versteht nicht warum plötzlich der Rücken brennt und juckt oder eine allergische Reaktion entsteht. Es gibt nur wenige Öle die man wirklich unverdünnt nutzen kann, aber die meisten führen nun mal zu Hautreizungen. Essenz = Konzentrierter Stoff.

Worauf du beim Kauf von ätherischen Ölen für dein Pferd und dich achten solltest, erfährst du gleich.

Die Herstellung von ätherischen Ölen

Ätherische Öle sind Essenzen von Pflanzen (Warum auch immer, aber ich muss jedes Mal an „Das Parfum“ von Patrick Süskind denken) und diese werden durch verschiedene Verfahren produziert. Hierzu zählen:

  •  die Kaltpressung (Öle werden durch verschiedenen Methoden aus der Pflanze / den Pflanzenteilen gepresst),
  • Die Destillation (Wasserdampfdestillation, die Essenz steigt mit dem Wasserdampf auf und wird aufgefangen, ein wenig wie Dampfgaren nur das man eben den Dampf haben will; 90% aller Öle werden so gewonnen)
  • Die Solvenextraktion (Verwendung von Lösungsmitteln zur Exktraktion)
  • Herstellung von Resinoiden (Öle aus Harzen z.B. aus Rinden oder Blättern)

Es kommt ganz auf das Ausgangsmaterial an, welches Verfahren genutzt wird. Häufig wird aber auf die Wasserdampfdestillation zurückgegriffen. Theoretisch könnte man sowas sogar zu Hause testen.

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Die Hersteller von ätherischen Ölen – kauf lieber regional und ökologisch und lass dich nicht blenden

Ich war mir zuerst nicht ganz sicher, ob ich diesen Teil überhaupt mit einbeziehen soll oder nicht, da viele Menschen viele Meinungen haben. Wenn man etwas in der Szene unterwegs ist, stößt man mitunter auf sehr unterschiedliche und beharrliche Denkweisen, was echt schade ist. Meine Meinung zu diesem Thema ist, dass ich beschlossen habe, nur ätherische Öle von Firmen mit Firmensitz in Deutschland zu nutzen, wie man auch auf den Bildern erkennen kann.

Natürlich können nicht alle Öle in Deutschland produziert werden, da einfach nicht alle Pflanzen hier wachsen. Dennoch möchte ich beim meinem Kauf garantiert haben, dass die Öle biologisch und nachhaltig angebaut wurden und dementsprechend auch zertifiziert sind. So achte ich eben auf Bio- und demeter-Siegel.

Gerne werden auch Produkte ausländischer Firmen genutzt und es gibt ganz sicher einige wirklich gute in unseren Nachbarländern. Mir stellt sich aber wahrlich die Frage, warum ich diese beziehen soll, wenn ich tatsächlich eine wunderbare Firma „vor der Haustür“ habe (taoasis liegt ca. 40 km von mir entfernt) und wo ich mir sogar einiges ansehen kann.

Zwei deutsche Firmen mit Top Ölen! Ich mag Benzoe Siam sehr gern. Man sagt “es hüllt einen in eine wohlig, warme Decke” und genauso riecht es wirklich! Copyright @pferdeSummen

Blender & Kritik

Wie überall anders auch, lässt sich mit ätherischen Ölen viel Geld machen. Besonders, wenn man noch dazu geschickte Worte und Marketing einsetzt, dass einen dazu verleiht dem Ganzen „Glauben zu schenken“. Und schwubs ist aus „ich kaufe bewusst ein Produkt“, ein „ich vergöttere unreflektiert diese heilige Firma“ geworden. So gibt es, soweit ich weiß, zwei große Firmen die ihre Anhänger:innen mit tollen Bildern und Worten finden und binden, und genau sowas stößt dann doch sehr auf. Ich persönlich mag es nicht benutzt zu werden, geblendet zu werden. Ich nenne hier bewusst nicht die Namen der Firmen, das wirst du noch schnell genug selbst herausfinden, vornehmlich aber, weil ich nicht weiß wie sie mit offensichtlicher Kritik umgehen.

Daher: kauf regional und achte auf bekannte Siegel und dann ist alles Tutti.

Fazit zu ätherischen Öle bei Pferden

Der Artikel war eher allgemein gehalten, denn ich möchte, dass du mit einem gewissen  Basiswissen hier raus gehst. Falls du dich wirklich interessierst: Sowohl Primavera als auch Taoasis haben ihre eigenen Akademien, unabhängige Kurse findest du aber bestimmt auch online. Mehr zum Thema gibt es zum Beispiel bei BlattundDorn.

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