4 wirkungsvolle Tipps für die Behandlung von Hufrehe + ein Extra am Ende

von Mareike Heil
Hufrehe behandeln

Die Ursachen für Hufrehe sind sehr komplex und sie zu verstehen nicht leicht. Hat es dein Pferd erwischt, kommt meist der Tierarzt oder die Tierärztin vorbei und beginnt die Behandlung von Hufrehe mit schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten. Damit du deinem Pferd noch weiter helfen kannst, haben wir vier Behandlungstipps für dich, mit denen du die Therapie wunderbar unterstützt.

Tipp Nr. 1: Anpassen der Fütterung

Viele Pferdebesitzer:innen hat es vermutlich schon erreicht, einige aber vielleicht auch noch nicht. Stimmt die Fütterung deines Pferdes nicht, wird es immer wieder Hufreheschübe bekommen, soviel ist sicher. Das liegt an der Ursache einer Hufrehe, welche heute meist durch eine Vergiftungsreaktion in Bezug auf Fruktan oder eine metabolische Dysfunktion wie zum Beispiel EMS oder Insulinresistenz zurückzuführen ist.

Exkurs Ursachen einer Hufrehe

Fruktan befindet sich als Speicherzucker im Gras und kann von Pferden nicht verarbeitet werden. Es gelangt somit in den Dickdarm, wo die Darmbakterien sich dadurch entweder stark vermehren oder absterben. So kommt es (vermutlich, da gibt es noch zu wenige Studien) zu einer Vergiftungsreaktion beim Absterben der Bakterien.

Im Fall von EMS und / oder Insulinresistenz nimmt man an, dass eine zu hohe Blutinsulinmenge eine Hufrehe auslösen kann. Kann das Insulin nicht mehr an Zellen andocken, sodass diese den Zucker aus dem Blut aufnehmen können, schwimmt es, gemeinsam mit dem Zucker, im Blut herum. Der Körper will natürlich dass der Zucker (zum Beispiel aus energiereichem Weidegras) aus dem Blut in die Zellen gelangt und produziert immer mehr Insulin. Aber die Zellen reagieren einfach nicht. Irgendwann ist es für den Körper, welcher zusätzlich meist unter Adipositas leidet, einfach zu viel und eine Hufrehe entsteht.

Eine Heuanalyse & Rationsberechnung zur Behandlung von Hufrehe

Ganz gleich ob dein Pferd sich nun in der Akutphase einer Hufrehe, der Genesungsphase von einer Hufrehe oder in einer chronischen Hufrehe befindet: JEDER Zeitpunkt ist der Richtige, um deine Fütterung zu überdenken.

Pferdefütterung von Manfred Coenen & Ingrid Vervuert*

Zunächst sollte dir bewusst sein, dass dein Pferd erstmal nicht auf die Weide darf. Auch nicht mit Maulkorb. In der Genesungsphase mag das ein wenig anders sein, aber hier kommt es auch ganz stark auf den Bewuchs deiner Weide an! Von 24/7 Weidegang kannst du aber getrost Abstand nehmen.

Nun widmest du dich deinem Heu. Weißt du wie viel Energie, Zucker, Stärke und Fruktan dein Heu enthält? Falls nicht, solltest du das dringend herausfinden. Dafür sendest du einfach etwas Heu an die LUFA. Wir denken oft, dass wir unseren Pferden etwas Gutes mit 24 Stunden Heu ad libitum tun, dabei ist meist leider das Gegenteil der Fall. Unser Heu kann eben so viel Fruktan und Zucker enthalten wie unser Weidegras – schließlich kommt es aus der gleichen Gegend, manchmal sogar von der gleichen Weide. Daher ist es für die Behandlung von Hufrehe wichtig zu wissen, was in deinem Heu steckt.

Mit deiner Heuanalyse kannst du dann (es gibt z.B. bei Conny Röhm Seminare zu dem Thema) oder eben ein:e Pferdefütterungsexpert:in, falls du es nicht alleine machen möchtest, eine Rationsberechnung erstellen. So stellst du einen Futterplan auf, der zunächst exakt zu den Bedürfnissen deines Pferdes während einer Hufrehe passt und kannst ihn später auf jede weitere Situation anpassen. Rationsberechnung ist tatsächlich auch kein Hexenwerk, ich mache das auch jedes Jahr für meine Ponys und es funktioniert echt super.

Zusätze in der Behandlung von Hufrehe

Auch ist es wichtig einmal einen Blick auf die Mineralstoff- und Proteinversorgung (Eiweiße) deines Pferdes zu werfen. Zink, Schwefel und einige Proteine wie zum Beispiel Keratin sind wichtig für einen gesunden Huf. Bei einer Hufrehe wird das Lamellengewebe des Hufes geschwächt oder beschädigt. Damit der Huf wieder gesund und stark nachwachsen kann, bedarf es auch eines Checks der Mineralstoffe und Proteine.

„Mit einer durchdachten Behandlung von Hufrehe schützt du dein Pferd direkt vor einer Weiteren. Prävention ist alles!“

Tipp Nr. 2: Kräuter bei der Behandlung von Hufrehe

Kräuter sind bei der Behandlung von Hufrehe ebenfalls sehr hilfreich. Bei einer Hufrehe entsteht für den Körper nicht nur Stress durch Schmerzen, sondern meist sind es mehrere Faktoren, die in diese Situation führten. So gilt es den Körper zu entgiften und zu unterstützen.

Die Entgiftung wird meist kritisch gesehen, weil es keine direkten Nachweise für „Giftstoffe“ oder „Schlacken“ im Gewebe gibt. Der oftmals angeschlagene oder schlechte (Zell-) Stoffwechsel von Hufrehepferden benötigt aber zur Genesung gerade dies: Einen funktionsfähigen Stoffwechsel. Mit der Hilfe von Kräutern kann dieser angeregt werden und nicht abtransportierte Zellreste aus der Zellerneuerung beseitig werden.

Kräuter wie Brennesseln, Löwenzahn und Schafgarbe regen die Nierentätigkeit an und helfen beim Ausscheiden der Abfallstoffe. Mariendistel und Artischocke unterstützen nachweislich die Leber, welche ebenfalls durch die Behandlung mit Medikamenten belastet wird.

So kannst du dir entweder einen individuellen Entgiftungstee mischen oder ihn zum Beispiel bei Krauterie fertig kaufen.  Kräuter sollten immer nur als Kur gegeben werden. In diesem Fall über einen Zeitraum von 4 – 6 Wochen. Danach folgt eine Pause. Lasse dich ggf. beraten, sodass du die perfekte Wahl für dein Pferd treffen kannst.

Tipp Nr. 3: Akupunktur als Superpower in der Behandlung von Hufrehe.

In meiner früheren Praxis war Hufrehe tatsächlich eins der Top Themen, welche immer wieder auftauchten. Und dann kam ich als Pferdetherapietante mit meinen Nadeln daher und der / dem Besitzer:in flogen vor Schreck die Augen auf. Das Pferd machte dann natürlich oft mit, außer es ging ihm so richtig schlecht. Akupunktur war bei Hufrehe immer mein allererstes Mittel der Wahl, weil es einfach so wunderbar funktioniert. (Ich versuche mal nicht zu sehr ins Schwärmen abzugleiten.)

Warum Akupunktur DER HIT ist

Eine Akupunktur setzt einen Reiz an einen Nerv  bzw. Schmerzpunkt / Triggerpunkt. Dieser Reiz wird dann vom Gehirn verarbeitet und hat einen Effekt auf den Körper. Wie genau das funktioniert konnte bislang nicht in Studien belegt werden, aber dass es funktioniert schon.

Akupunktur beim Pferd; Copyright @pferdeSummen

Die Akupunkturpunkte haben alle so ihr eigenes Wirkspektrum, allgemein kann man aber sagen, dass sie unter anderem schmerzlindernd und Stoffwechsel anregend wirken – ebenso wie noch viele andere Sachen, aber das würde den Umfang dieses Artikels sprengen. Aufgrund ihrer schmerzlindernden, Stoffwechsel anregenden und Immunsystem unterstützenden Wirkung und der gleichzeitigen nicht vorhandenen Nebenwirkungen, hat sich die Akupunktur bei der Behandlung von Hufrehe bewährt.

Inzwischen gibt es einige brandneue Studien (siehe unten) die einen großen positiven Effekt sogar bei der Behandlung von chronischer Hufrehe belegen konnten. Dabei hat sich immer die Lahmheit der Pferde verbessert, sowie allgemein der Verlauf der Erkrankung. Manche Studien legen sogar eine Auswirkung auf bestimmte Enzyme die an Hufreheprozessen beteiligt sind nahe.

Hinweis: Eine Behandlung mit Akupunktur oder Elektroakupunktur sollte nur von einem Profi durchgeführt werden.

Tipp Nr. 4: Die Behandlung von Hufrehe mit Blutegeln

Sie sind irgendwie kleine, wabbelige, glitschige Urzeitwesen, aber sie sind auch echt hilfreich. Es gibt Menschen, die sie echt niedlich finden, aber ich kann absolut verstehen, wenn es dir nicht so geht. Dennoch solltest du sie bei der Behandlung deines Hufrehepferdes nicht ausschließen.

Blutegel beißen sich fest und nehmen dann eine Menge Blut auf. In ihrem Speichel befinden sich neben blutverdünnenden Stoffen auch Entzündungshemmende. So haben sie einen idealen Cocktail der entgegen der im Huf vorgehenden Entzündung wirkt. Gleichzeitig können sie, wenn sie zum Beispiel am Kronenrand platziert werden, für eine einem Aderlass ähnliche Situation sorgen, welche auch den Prozessen bei einer Hufrehe zu Gute kommt. Die durch die Hufrehe entstandene Durchblutungsstörung wird so entlastet, was für viele Pferde eine Wohltat ist.

Fazit

Natürlich gibt es noch mehr Behandlungstipps bei Hufrehe, wie zum Beispiel die Cryotherapie (Eiswasser) und und und, aber diese vier Möglichkeiten haben viele gar nicht so auf dem Schirm – mal abgesehen von dem Ersten vielleicht – dabei sind sie so wunderbar wirkungsvoll und total unterschätzt. Sie runden die Behandlung durch eine:n Tierarzt:ärztin ab, denn mit einem ganzheitlichen Ansprechen des Pferdekörpers lässt sich meist deutlich mehr ausrichten.

Im Übrigen können auch einige Tierärzt:innen akupunktieren. Frag also ruhig nach.

Unser Extra für dich!

Quellen:

Akupunktur Studien

https://vetmedmosul.com/article_165312_13293.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5508962/

https://www.publish.csiro.au/an/an19491

Blutegel Biebertal
http://www.blutegel.de/egel/opencms/de/aktuelles_de/index.html

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