20 km Tageswanderung mit Pferd – ein Erfahrungsbericht

von Mareike Heil

Schon vor ein paar Jahren kam mir der Gedanke eines Tages mit einem Pferd wandern zu gehen. Es blieb dann aber doch immer nur bei dem Gedanken „Man könnte ja mal…“, der aber aus verschiedensten Gründen nie umgesetzt wurde. Schließlich wurde aber doch noch etwas aus unserer gemeinsamen Wanderung.  

Aus der Idee wurde ein konkreter Plan

Dann wurde die Idee allerdings immer konkreter, eine mögliche Route bildete sich aus, welche ich daraufhin an einige unbekannten Abschnitten zu Fuß besuchte. Anfang des Jahres 2019 fasste ich dann den Entschluss, dass wir beide dieses Abendteuer nun endlich wirklich angehen werden.

Um Ostern legte ich dann auch ein Wochenende fest, nämlich Himmelfahrt. Es schien mir sinnvoll, da Ende Mai die Temperaturen noch angenehm sein können, die Wahrscheinlichkeit für Regen aber dennoch geringer ist als früher im Jahr. Außerdem bot sich für mich ein langes Wochenende ebenfalls an, da ich so alles vorbereiten konnte. Unser Wochenende sah dann wie folgt aus:

Donnerstag: kleine Wanderung (6-7km)   
Freitag: frei fürs Pferd, dafür alle Sachen zusammen suchen und bereit legen, sowie Streckenplan ausdrucken.      
Samstag: Wanderung (20 km)
Sonntag: kleiner Spaziergang am Abend (3km), um die müden Muskeln etwas zu bewegen.         
Danach war einige Tage frei, da ich wieder zur Uni musste.

Die Routenplanung einer Tageswanderung

Die Route hatte ich schon vorher einige Male auf einigen Abschnitten mit dem Hund begangen und somit war mir tatsächlich nur ein sehr kleiner Teil der Strecke vollkommen fremd. Das ist auch etwas, was ich jedem empfehlen würde der zum ersten Mal mit seinem Pferd los möchte. Dass man die Strecke vorher schon recht gut kennt. So kann man auch Pausen gezielt planen. Mein Pferd kannte bestimmt an die 10 km der Strecke in Abschnitten ebenfalls (Anfang und Ende), da sie in unserem Ausreitrevier liegen.
Unsere Route führte uns um unseren südlich gelegenen Wald / Berg entlang des gesamten Waldrandes. Direkt geplant und ausgedruckt habe ich die Strecke über den Tourenplaner von Outdooractive (unbezahlt). (Falls jemand noch einen besseren Service kennt, kann er/sie uns gern schreiben und ich füge es ggf. hinzu oder erstellen einen zukünftigen Artikel zu guten Kartenapps.)        

Die passende Ausrüstung für eine Wanderung mit Pferd

Zu meiner Ausrüstung gehörte bei mir ein sehr gut sitzender Wanderrucksack (!!). Darin befanden sich meine Kamera, ein Hemd, Wasser für mich und den Hund, Handy und zwei Stricke für mein Pferd. Außerdem hab ich eine kleine Sportbauchtasche genutzt mit Fenster um die Karte darin zu verstauen. So konnte ich leicht nachsehen wo wir genau lang mussten. Als Kleidung getragen habe ich im Übrigen eine ¾ Sporthose, Top, T-Shirt, Sweatshirt-Jacke (ich bin ein Freund des Zwiebelprinzips), Wandersocken und Wanderschuhe die bis über den Knöchel gingen. Rückblickend brauche ich definitiv für wärmere Tage leichtere Wanderschuhe / Trekkingschuhe (im Jahr 2020 besitze ich nun auch endlich welche 😀 ) und aus Eitelkeit eine kürzere Sport – / Wanderhose, denn ein Sonnenabdruck unterhalb vom Knie ist nicht gerade schön. Biologische Sonnencreme wäre natürlich auch eine Option.  

 Die Ausrüstung von meinem Pferd sah wie folgt aus: Die Satteldecke (Lammfell) als Unterlage unter den Longiergurt (einer mit vielen Ösen!). Vorher bitte testen, damit ihr sicher sein könnt, das nichts scheuert! Am Gurt habe ich dann links und rechts meine kleinen Packtaschen befestigt. Auf die eine Seite kam Somis Wasser, sowie zwei Möhren, der Hufauskratzer und der Kauknochen für den Hund. Auf der anderen Seite befand sich eine Schale (Plastik) für Wasser, etwas Hafer in einer Brotdose, Pflaster, Sonnencreme, ein Küchenhandtuch, Äpfel, Keks und eine Bürste. Oben drauf, quer über seinen Rücken lag noch eine Regenjacke.

Nur leicht bepackt

Er trug sein ganz normales Lederhalfter  (sitzt gut und ist stabil) und wurde am normalen Strick geführt. Die anderen Stricke hatte ich für den Notfall dabei und um den einen zu verlängern während der Pausen. Außerdem hatte Somi eine leichte Fliegenmaske (unbezahlt) auf. Des Weiteren sollte ich vielleicht noch anmerken, dass mein Pferd Barhuf unterwegs war und damit bis auf ganz am Ende keine Probleme hatte, welche allerdings eher Müdigkeitserscheinungen waren. Rückblickend würde ich mir hier noch eine Banane (die Tasche, nicht das Obst 😉 ) zulegen mit zusätzlichen Wasserhalterungen und eine Wasserschüssel zum Falten, sowie eine Zeckenzange.         

Los gehts!

So bepackt ging es dann los. Leider konnte ich nicht wie eigentlich geplant in den Wochen davor mich selbst etwas auf Strecke konditionieren, sodass ich relativ untrainiert los gegangen bin. Ich weiß aber, dass ich auf jeden Fall 10 km ohne Probleme schaffe, ohne vorher extra trainiert zu haben. Da der Weg keine großen Steigungen vorsah, dachte ich dann „was muss, das muss“ und „wird schon“. Mein Pferd ist auch schon immer relativ gut drauf gewesen was längere Strecken angeht. Er ist relativ gut trainiert, kräftig und schlank; geritten wäre ich die Strecke allerdings nicht!  

Start hatte ich für 9 Uhr geplant. Aufgrund einiger Ungereimtheiten ging es dann erst um 9:30 Uhr los. Glücklicherweise hatte ich geplant morgens Richtung Westen zu gehen (Schatten am Waldrand), mittags an der Südseite zu pausieren (Schatten unterm Baum) und nachmittags Richtung Osten zu laufen (Schatten, da Sonne im Westen).

Somit liefen wir los, spontan mit Hund an der Schleppleine dabei. Somi hatte erst nicht so die Lust (wir sind beide nicht die Morgen-Typen), aber nachdem wir dann schon eine Weile unterwegs waren ging es. Die erste Minipause gab es nach ca. 1 Stunde an einer kleinen Quelle. Der Labrador wollte Baden und war glücklich. Pferd wollte saufen, ging aber nicht, da das Wasserniveau tiefer war als der Boden auf dem er stand. Aus der Schale wollte er aber auch nicht. Nach 1,5 Stunden machten wir dann eine richtige Pause für 30 Minuten auf einer kleinen Obstbaumwiese mit Bank.

Pausenplanung ist sehr wichtig!

Meine Pausen hatte ich mir schon vorher anhand der Strecke überlegt, auch da ich wusste wo man gut und genug Gras finden wird. Natürlich kamen in der Pause alle Sachen ab und der Ponymann durfte Grasen. Der Hund hat sich des Lebens erfreut und ich Keks und Apfel gegessen. Somi wollte allerdings immer noch nicht saufen, obwohl ich es vorher mit ihm geübt hatte.

Hinterher ging es dann weiter, auch wenn sowohl Pferd als auch Hund gern dort geblieben wären. Da es schon recht warm war habe ich mich dann auch zu einer Abkürzung entlang der Teerstraße entschieden, anstatt berghoch den längeren (aber schöneren) Weg durch den Wald zu laufen. Im nächsten Dorf fragte man auch, ob wir noch weit müssten oder was bräuchten, aber da es nicht mehr weit bis zum Mittagsstopp war, lehnte ich ab. Trotzdem hab ich mich sehr gefreut.

Mittagspause in Omas Garten mit Roboter Anton. Angst kennt der Ponymann nicht.

Oberhalb des Dorfes ging es dann in den Wald und dort auf einem mir gut bekannten, wundervollen Pfad entlang bis zu meiner Oma. Pünktlich um 12:30 kamen wir zur Mittagspause bei ihr an. Somi durfte bei ihr im Garten fressen und wir saßen dabei und haben Mittag gegessen (Oma hatte gekocht). Das Hundilein verschwand ebenfalls mit dem Kauknochen im Schatten und ich war froh meine Schuhe los zu werden. Später kam noch meine Mutter vorbei, die ich gebeten hatte Pfähle und Litze zu bringen, sowie ein Netz Heu, damit Somi nicht nur den kurzen Rasen fressen musste (da bekommt man zumindest als Therapeutin schnell das ‚P‘ in die Augen). Somi schien entspannt, wollte aber immer noch nicht saufen, was mich etwas beunruhigt hat; aber gut, zwingen funktioniert da ja auch nicht. Da er auch weiterhin und auch später brav geäppelt und gepinkelt hat und der Hautfalten Test ebenso ohne Befund blieb war alles ok.      

Mittagspause zur wärmsten Zeit im Schatten

Nach der Mittagspause ging es um 15 Uhr weiter, aber ohne Hund, denn der war k.o. genug. Für uns gab es aber kein Zurück mehr, denn meine Oma wohnt genau in der Mitte der Strecke auf 10 km. Der nächste Streckenabschnitt war ebenfalls toll und teilweise im Wald gelegen. Wir sahen uns das Schloss Hämelschenburg an und hatten gleichzeitig eine wunderbaren Aussicht über unser Tal, bei bestem Sonnenschein. Wir gingen im Gleichschritt daher, was tatsächlich immer passiert, wenn wir zusammen längere Strecken wandern. Irgendwann zog Somi das Tempo aber deutlich an. Mittags hatte er eine Ration Hafer als Energieboost bekommen und ich fragte mich, ob das daran lag, oder an der Tatsache, dass wir nun so langsam wieder in Gegenden kamen die ihm bekannt vorkommen müssten (sein Orientierungssinn ist extrem gut!). Dafür merkte ich so langsam die Blase an meinem rechten Fuß und meine Lendwirbelsäule empfand meinen Rucksack auch nicht mehr als Stütze.

Kleine Anektdote! Das werden wir noch besser Üben!

Die nächste und letzte Pause, wieder nach ca. 1 ½ Stunden verbrachten wir auf einer schattigen Lichtung im Wald. Wieder das Pferd komplett ausgezogen und ins Gras gestellt, Wasser in der Schale angeboten, wollte aber immer noch nicht Saufen. Letztendlich hab ich ihm die Flasche ins Maul gesteckt und gekippt, aber er hat sich nur das Maul spülen lassen und dann weiter gefressen. Mir blieb also nur zu hoffen, dass das Gras genug Wasser enthielt. Den Hafer in der Mittagspause hatte ich ebenfalls mit Wasser gemischt, damit er wenigstens ein Wenig aufnimmt.  

Das letzte Stück der Wanderung

Nach dieser letzten 30 Minuten Pause, ging es los zur letzten Etappe. Erst wandelten wir ein Stück auf dem Pilgerweg Loccum-Volkenroda, welcher wirklich ein sehr schöner Waldweg war, um letztendlich an der Nordkante unseres Waldes raus zu kommen. Von dort mussten wir wieder nach Westen um nach Hause zu kommen. Hier war nun das Wandeln im Wald vorbei und der für uns beide anstrengendste Abschnitt stand bevor. Schotterweg, quasi 5 km nur geradeaus, pralle Sonne. Nach einem letzten Blick auf die Weser und Hameln zu unserer Rechten liefen wir los. Ich nun auch mit Hut, da die Sonne direkt von vorne schien und das für mindestens die nächste Stunde.

Das letzte Stück…

Meine Beine wurden schwerer und ich merkte, dass auch Somi Probleme beim Gehen bekam. Er ging plötzlich leicht fühlig auf grobem Schotter, was er sonst nie tut. Da er am nächsten Tag wieder vollkommen normal lief, denke ich dass seine Beine auch muskulär erschöpft waren und dadurch diese Empfindlichkeit auftrat. Somit eierten wir zwei nun in der prallen Sonne dahin, der eine den andere vorwärtsschleppend, nur noch das Ziel vor Augen bald zu Hause zu sein. Mir schmerzten die Füße (Blasen, dauerhaft kaputter Fuß konnte nicht mehr) und mein Rücken, und ich glaube fast Somi gings nicht besser. Die Sonne gab uns den Rest. Aber dennoch liefen wir recht flotten Schrittes dahin. Zuhause war schließlich ins Sicht.

Wieder da!

Dann endlich waren wir um 18 Uhr zu Hause. Erst zog ich Somi seine Sachen aus, dann meine Schuhe. Die Socken waren eh kaputt. Meine Beine fühlten sich an wie aus Blei und ich merkte, dass ich alles eingecremt hatte außer meine Beine. Dem verdanke ich nun einen wundervollen Abdruck an der linken Wade. Gut, muss ich halt im Sommer mit Streifen rumlaufen. Also fürs nächste Mal: Auch die Beine brauchen Sonnencreme!
Somi bekam dann nochmal eine kleinere Ration Kraftfutter, sowie sein tägliches Mineralfutter und für beide Ponys, die sich sehr gefreut haben einander wieder zu sehen, gab es die abendliche Ration Heu.

Nach der Wanderung

Später am Abend wurden meine Rückenschmerzen leider immer schlimmer, aber eine kurze, schnelle Akupunktureinheit und alles war weg. Tatsächlich hielt sich mein Muskelkater in den nächsten Tagen ebenfalls in Grenzen. Am Sonntagabend gingen Somi und ich noch eine gemütliche Abendrunde entspannt spazieren und auch er erhielt kurzentschlossen eine Akupressurbehandlung. Unser Wasserkübel war allerdings schon bereits Sonntagmorgen leer, das heißt er muss wohl über Nacht seinen Bedarf nachgeholt haben. Das werden wir auf jeden Fall üben!

Unsere Beziehung hat sich verbessert

Positiv ist mir nun, eine Woche später, aufgefallen, dass er irgendwie entspannter und vertrauter wirkt mir gegenüber, was bei ihm ja phasenweise mal besser und mal schlechter ist. Auch bei unserem ersten Ausritt nach der Wanderung schienen wir beide entspannter zu sein und er ließ sich deutlich besser kontrollieren. In wie weit das nun mit der Wanderung zusammen hängt kann man nur vermuten, aber ich erkenne schon einen Unterschied in Sachen Vertrautheit und das finde ich super.       

Die Wanderung war auf jeden Fall ein Erlebnis und ich würde es jedem empfehlen, insofern das Pferd auch Spaß daran hat. Ich hatte im Übrigen die meiste Zeit keinerlei Netz am Handy. Das war mal ganz entspannend, auch wenn es für einen Notfall kontraproduktiv gewesen wäre. Für die nächste Wanderung gibt es noch ein paar Dinge zu kaufen und zu trainieren, aber ansonsten war es ein wirklich toller Tag mit Wiederholungsbedarf.

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